TAG DER FREIWILLIGENARBEIT: Für Isenthal ist ihm nichts zu viel

Walter Zurfluh ist einer, der sein ehrenamtliches Engagement nicht an die grosse Glocke hängt, sondern Taten sprechen lässt – zum Wohl der Gemeinde und des Tals.

Remo Infanger
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Walter Zurfluh zeigt auf dem Erlebnisweg «Urchigs Handwärch», wie man Schindeln macht. Bild: Matthias Stadler (Isenthal, 2. Dezember 2016)

Walter Zurfluh zeigt auf dem Erlebnisweg «Urchigs Handwärch», wie man Schindeln macht. Bild: Matthias Stadler (Isenthal, 2. Dezember 2016)

Der kräftige Händedruck, die rauen Handflächen, die entschlossene Art verraten unmissverständlich: Walter Zurfluh ist einer, der anpacken kann. Und er tut dies auch. Der 69-jährige Isenthaler hat die Freiwilligenarbeit zu seiner Passion gemacht. Mit viel Herzblut sorgt er dafür, dass sich seine Wohngemeinde touristisch weiterentwickelt. Zurfluh macht dies mit Erfolg – vor allem auch als Präsident von Tourismus Isenthal. Das beweisen beispielsweise die steigenden Übernachtungszahlen.

Der Isenthaler ist seit sechs Jahren pensioniert. Trotzdem denkt der gelernte Automechaniker mit Meisterdiplom nicht im Traum daran, sich jetzt einfach auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Stattdessen krempelt er lieber die Ärmel hoch. «Bei mir muss eben immer etwas laufen.»

Mundart- und Handwerkerweg

Zurfluh engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Gemeinde. Besonders mit den Wanderwegprojekten durch das Isental sorgte er in jüngster Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen. So eröffnete der leidenschaftliche Wanderer Anfang Juli in Zusammenarbeit mit der Kulturkommission Uri den «Urner Mundartweg». Der vierstündige, schweizweit erste Dialektweg beginnt auf der Furggelen und führt über dreizehn Stationen bis zur Oberen Bärchi. Auf dem rund vierstündigen Rundweg werden Informationen zu den sprachlichen Besonderheiten des «Ürner Dialäkts» abgegeben.

«Wenn ich etwas anfange, mache ich es entweder richtig, oder ich lasse es gleich sein», betont er. Das beweist nicht nur der Mundartweg. Dank der Initiative und Federführung von Zurfluh kann das Tal die Besucher seit wenigen Monaten noch mit einer weiteren Attraktion anlocken: mit dem Erlebnisweg «Urchigs Handwärch». Auf der zweistündigen Wanderung durch das Tal lernen Besucher traditionelles Handwerk kennen und können es an sechs Stationen gleich selbst ausprobieren. «Schindlä», «Stüdägarbä» oder «Heiwgarä» machen, aber auch «Holz schyttä»: «Das sind nur einige von vielen alten Handwerktätigkeiten, die in Vergessenheit zu geraten drohen», erklärt Zurfluh. Als Fan des alten Handwerks wolle er mit dem Erlebnisweg «Urchigs Handwärch» Traditionen der Nachwelt erhalten und gleichzeitig etwas für den Tourismus tun.

Zurfluh steht nicht gerne im Zentrum

«Ich bin ein sehr zufriedener Mensch und dankbar für das, was ich habe, aber auch für das, was ich zum Wohle meiner Mitmenschen tun kann», erklärt er. «Ich stehe aber nicht gerne im Zentrum», betont der Initiant der jüngsten Isenthaler Tourismusattraktionen. Und wirkt bei dieser Aussage schon fast etwas verlegen. «Eine Gemeinde wie Isenthal kann nur funktionieren, wenn alle am selben Strick ziehen», betont er. «Und gerade ein Bergdorf kann nicht existieren, wenn es keine Freiwilligenarbeit gibt», ist der vierfache Grossvater überzeugt. Er habe zwar den Anstoss für den Erlebnisweg gegeben, doch an der Umsetzung seien eine grosse Zahl von weiteren Freiwilligen beteiligt gewesen. «Der Zusammenhalt in der ganzen Gemeinde Isenthal ist einfach unglaublich», sagt der ehemalige Experte beim Amt für Strassen- und Schiffsverkehr des Kantons Uri.

Lieber in der Natur als im Büro

Als Präsident des Tourismusvereins hat der waschechte Isenthaler aber auch Büroarbeit zu erledigen. «Am liebsten arbeite ich aber schon draussen in der Natur und packe mit an», erklärt er. Die Arbeit gehe nie aus. So müsse etwa das über 100 Kilometer lange Wanderwegnetz im Isental unterhalten werden. «Auch Rastplätze mit Bänken und Tischen stellen sich nicht von alleine auf», meint er mit einem Schmunzeln. «Und an sonnigen Wochenenden fahre ich oft mehrmals zu den Feuerstellen und fülle die Holzlager wieder auf», sagt er.

Biken, Ölmalerei und das Holz

Auf die Frage, ob neben der Freiwilligenarbeit auch noch Zeit für andere Hobbys bleibe, antwortet er: «Es ist wichtig, dass im Leben das Platz findet, was man gerne macht.» Neben dem Biken und der Ölmalerei ist das Holz eine weitere Leidenschaft des Isen­thalers. «Ich spalte das Holz beispielsweise trotz Spaltmaschine immer noch von Hand», so der begeisterte Handwerker. Auch das Einfeuern mit «Schiitli» mache ihm mehr Spass als das Heizen mit Öl.

Einwohnerzahl wird kurzzeitig verdreifacht

Aus der Passion für handwerkliches Schaffen ist wohl auch eine weitere Attraktion entstanden, die Isenthal weitherum bekannt gemacht hat: Neben dem Erlebnisweg hat Zurfluh auch mitgeholfen, den Isenthaler Handwerksmarkt ins Leben zu rufen. Jeweils Ende September stellen die Bewohner im Dorf Selbstgemachtes aus. Von Werkzeugen über «Tryychlä» bis hin zu heimischen Spezialitäten: Der Handwerksmarkt bietet eine breite Palette an Traditionellem. «Mit den Besuchern verdreifacht sich jeweils die Einwohnerzahl für einen Tag», fügt der engagierte Isen­thaler mit berechtigtem Stolz an.

Wer Walter Zurfluh mit einem Händedruck begrüsst, der merkt schnell, dass an dessen rechter Hand der Daumen und der Zeigefinger fehlen. «Das ist nicht der Rede wert», meint er gelassen, wenn er darauf angesprochen wird. «Es gibt doch weitaus Schlimmeres.» Passiert sei der Unfall vor vier Jahren – im Umgang mit Holz. Er zersägte zu Hause mit einer Tischfräse ein paar Bretter. «Plötzlich gab es einen ‹Klapf›», erinnert sich Zurfluh. «Ich konnte aber die Ruhe bewahren.» Er sei danach in Luzern operiert worden, aber am selben Abend bereits wieder zu Hause gewesen. Der Unfall schränke ihn bei seiner Arbeit nur unwesentlich ein. «Schliesslich kann man sich auch mit nur acht Fingern in der Freiwilligenarbeit engagieren», meint er. Und beweist damit noch einmal, dass ihm Freiwilligenarbeit (fast) alles bedeutet.

Remo Infanger
redaktion@urnerzeitung.ch