Tells Kopfschmuck verwundert Touristen

Unbekannte haben vor drei Wochen einen Hut auf Wilhelm Tells Haupt gesetzt. Der Fall wird allerdings polizeilich nicht verfolgt.

Christian Tschümperlin
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Auch Tell möchte hip sein: Sein Hut kommt bei den Touristen gut an. (Bild: Florian Arnold, Altdorf, 15.9.2019)

Auch Tell möchte hip sein: Sein Hut kommt bei den Touristen gut an. (Bild: Florian Arnold, Altdorf, 15.9.2019)

Heute würde man ihn wohl als Influencer bezeichnen. Auf jeden Fall hat Wilhelm Tell schon für etliche Produkte und Artikel als Werbefigur hinhalten müssen: für Restaurants genauso wie für Biersorten. Neuerdings ist er wohl eher etwas unfreiwillig zum Hut-Model verkommen, dies wegen eines Lausbubenstreichs, wie es aussieht. Seit dem Sonntagmorgen vor drei Wochen hatte der Schweizer Nationalheld plötzlich einen neuen Kopfschmuck: einen knallig roten Damenhut.

Unter den Passanten sorgt der neue Kopfschmuck jedenfalls für Gesprächsstoff, gar einige haben ihn bemerkt. Stella dos Santos (26) aus Davos sagt: «Ich finde es lustig und ich wundere mich, wie sie diesen Hut da rauf gebracht haben.» Vor dem Telldenkmal trifft man auch auf Robert und Molly Branch aus New Mexiko, USA, die bei einem Bekannten aus der Schweiz zu Besuch sind. Das Ehepaar tourt quer durch die Schweiz, so auch zum historisch wichtigen Telldenkmal.

Touristen finden Tells Hut sympathisch

«Der Tell sieht so viel moderner aus. Wenn Tell noch lebte, würde er diesen Hut vielleicht kaufen», sagt Robert Branch. «Es sieht gut aus. Die Farbe des Hutes passt zur Flagge der Schweiz», sagt Molly Branch. Beide vermuten einen Streich und spekulieren bereits, ob die Lausbuben wohl zurückkommen, um den Hut mit einem Pfeil wieder runterzuschiessen. Robert und Molly Branch kennen die Geschichte von Wilhelm Tell sehr gut. Dieser war für die US-Amerikaner sogar Schulstoff. Ihr Gastgeber Roland Wunderlin denkt da etwas anders: «Rot ist die Farbe der Artillerie. Vielleicht symbolisiert der Hut, dass die Schweiz wieder mehr Stacheln, Kraft und Eigenständigkeit zeigen muss.»

Unsere Zeitung ist der Sache etwas näher nachgegangen: Gut unterrichtete Quellen wissen zu berichten, dass hinter der Aktion eine übermütige Studentengruppe steckt. Einer von ihnen bestieg in der Nacht von Samstag auf Sonntag barfuss das Telldenkmal und brachte den Hut in Position. Dem Vernehmen nach soll der Hut zuvor an einer «Bad-Taste-Party» gesehen worden sein. Noch ehe dieser Text abgedruckt wird, ist dem neuen Tell-Look nun ein Ende gesetzt worden. Ein Mitarbeiter der Baudirektion Uri hat auf Hinweis der Denkmalpflege den Hut entfernt. Doch ist die Aktion strafbar?

Tell wird nicht zum ersten Mal zur Zielscheibe

Bei der Kantonspolizei hatte man keine Kenntnis von der Aktion. «Offenbar entfaltete die Handlung wenig bis gar keine Störwirkung. Von daher stellt sich die Frage, ob die Handlung genügend intensiv war für eine strafrechtliche Verfolgung», heisst es bei der Polizei. Das Telldenkmal wird nicht zum ersten Mal zur Zielscheibe: 2017 verhüllte die Partei nationalistisch organisierter Schweizer (Pnos) das Telldenkmal mit einer Burka. Deren Präsident Dominic Lüthard wurde damals angezeigt.