Tellspiele 2020: Matteo Schenardi spielt die Hauptrolle

Die Rollen für die Tellspiele 2020 sind bekannt. Matteo Schenardi verkörpert Tell, Franziska Heinzer schlüpft in die Rolle der Hedwig. Guido Infanger steht als Gessler auf der Bühne.

Christian Tschümperlin
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Die neue Tell-Familie: Matteo Schenardi (Tell), Franziska Heinzer (Hedwig) Mayra Heinzer (Walter, rechts) und Alma Heinzer (Wilhelm).
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Guido Infanger aus Stans spielt den Gessler.
Auch den Kindern kommt eine wichtige Rolle zu.
Regisseurin Annette Windlin gibt die Rollenverteilung bekannt.
Die Gruppe der Schwyzer.
Die Gruppe der Unterwaldner.
Die Gruppe der Urner.
Die Gruppe der Adligen.

Die neue Tell-Familie: Matteo Schenardi (Tell), Franziska Heinzer (Hedwig) Mayra Heinzer (Walter, rechts) und Alma Heinzer (Wilhelm).

Christian Tschümperlin, Urner Zeitung

Regisseurin Annette Windlin liess bei der traditionellen Rollenverteilung am Samstag die Katze aus dem Sack. Matteo Schenardi aus Altdorf wird in der Inszenierung 2020 der Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf die Hauptrolle verkörpern.

Der 43-Jährige leitet das Kollegi-Theater und ist seit acht Jahren vollberuflich als Theaterpädagoge tätig. «Ich finde es schön, dass ich mitspielen kann», sagt er gegenüber unserer Zeitung. Er habe bereits einmal bei den Tellspielen mitgemacht: «1988 konnte ich Tells Sohn Walter spielen, das war eine Initialzündung.» Auf die Frage, ob er auch im Leben ein Tell sei, meint Schenardi: «Ich ziehe mich manchmal gerne zurück. Auch Tell war gerne für sich. Er war ein intuitiver Typ. Das mag ich.»

Für Schenardi ist Tell eine Sage

Schenardi glaubt aber nicht, dass es Tell wirklich gegeben hat: «Das ist eine Sage, die viele Motive verbindet, die wir selber kennen.» In der Geschichte gehe es um das bekannte Motiv, dass jemand unterdrückt werde und sich wehre. Auf die Zusammenarbeit mit Regisseurin Annette Windlin freut sich Schenardi. «Wir sind ein Dreamteam.» Der neue Tell hat in früheren Produktionen bereits zwei Mal zusammen mit ihr Regie-Assistenz gemacht. Auch an der Pädagogischen Hochschule arbeiten die beiden zusammen. Schenardi wird an den Tellspielen 2020 neben der Hauptrolle auch selber in der Regie-Assistenz tätig sein. Er bringt dabei die theaterpädagogische Komponente ins Team.

In die Rolle der Hedwig, Tells Frau, schlüpft Franziska Heinzer. «Ich freue mich extrem darauf, wieder Theater zu spielen», sagt die 37-Jährige. Heinzer wirkte früher beim Jugendtheater Altdorf und war bereits mit Windlin im Lehrerseminar Rickenbach bei einem Freiluftspektakel mit von der Partie. «Annette Windlin ist auch der Grund, warum ich wieder mitmachen will», so die Primarlehrerin.

Es wird keine unterwürfige Hedwig zu sehen sein

Ob sie eine starke Hedwig spielen werde? «Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Hedwig etwas von der klassischen, unterwürfigen Frauenrolle emanzipieren wird.» Sie wisse aber noch nicht, wer diese neue Hedwig genau sein werde. «Es geht jetzt darum, herauszufinden, wie der Tell und ich zusammenspielen», so die 37-Jährige. Denn Schenardi verkörpere nicht den klassischen Tell.

Guido Infanger aus Stans stellt den Gessler. «Ich bin ein Auswärtiger. Gessler war auch ein Auswärtiger. Vielleicht qualifiziert mich ja das», sagt er mit einem Augenzwinkern. Der 43-Jährige hat schon viel Erfahrung im Theaterspiel. «Ich habe schon oft mit Annette Windlin zusammengespielt, es ist unsere neunte gemeinsame Produktion.»

Welche Art von Gessler er sein wird, wolle er bei den Proben herausfinden. «Bösartigkeit kann man auf ganz viele verschiedene Arten darstellen. Ich werde ganz sicher kein Polteri personifizieren, so funktioniere ich nicht als Schauspieler. Es wird eher ein leiser Gessler sein. Vielleicht macht ihn ja das umso bösartiger.»

Qualität der Sprache, Schauspiel und Bewegungen als Kriterium

Zur traditionellen Rollenverteilung konnten Regisseurin Annette Windlin und Urner Regierungsrätin Barbara Bär zahlreiche Männer, Frauen und Kinder begrüssen. Es herrschte eine ausgelassene, familiäre Stimmung. Als erstes hatte Annette Windlin bekanntgegeben, wie sie zur Besetzung gekommen war. «Ihr wart alle beim Casting. Ich habe euch gesehen an den offenen Proben.» Dabei achtete sie auf die Qualität der Sprache, das Schauspiel und die Bewegungen. «Einige wollten eine kleine Rolle, andere eine grosse. Das haben wir zur Kenntnis genommen.» Natürlich habe man nicht jedem Wunsch entsprechen können. Es gehe nicht nur darum, wer der Beste sei. «Wir sind als Gruppe zusammen, es gibt Partner. Diese müssen altersmässig und von der Ausstrahlung her zusammenpassen.»

Sie habe mit vielen Varianten experimentiert. Eine Herausforderung waren dabei die Geschlechter: «Wir hatten 18 männliche Anmeldungen und bis zu 65 weibliche.» Das habe Konsequenzen gehabt. «Es werden starke Frauen auf der Bühne zu sehen sein.» Zudem verwies sie darauf, dass für die Rolle der Kämpfer noch Leute gesucht werden, die Kampfkunst können. Die Besetzung ist also noch nicht komplett. «Wir hätten gerne Verstärkung», so Windlin.