TELLSPIELE ALTDORF: Heidi Z'Graggen: «Da bekam ich Gänsehaut»

Noch nie zeigten Altdorfer Tellspiele so viel Tragik und Gewalt. Doch das Publikum zeigte sich begeistert. Einige der prominenten Premieregäste sagen warum.

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Regierungsrätin Heidi Z'Graggen. (Bild Keystone)

Regierungsrätin Heidi Z'Graggen. (Bild Keystone)

Rund 470 Zuschauer, darunter auch viele prominente Gäste, sahen am Samstag die Premiere der diesjährigen Altdorfer Tellspiele. Regisseur Volker Hesse, der das Stück neu inszeniert hat, arbeitet fast ohne Requisiten und ohne eigentliches Bühnenbild. Dafür wurde das theater(uri) komplett umgebaut. Ein 45 Meter langer «Catwalk» verläuft durch den Saal. Auf den Seiten sitzen die Zuschauer auf Pressspanplatten. Die Schauspieler agieren nicht nur auf der langen Bühne, sondern auch mitten im Publikum und sogar unter der Bühne.

Hesse setzt auf Frauenpower
Regisseur Volker Hesse zeigt die Protagonisten nicht als Helden, sondern als traumatisierte Figuren. Auf der kargen Bühne bringen aber nicht die Hauptdarsteller, sondern der lautstarke Frauenchor das Stück zum Tragen. Livemusik von Hackbrettspieler Töbi Tobler unterstreicht die verzweifelte Stimmung, stärker noch als die blutverschmierten Freiheitskämpfer.

«Nicht billig aufgetrumpft»
Roger De Weck, Publizist:«Dies ist etwas vom Besten, das ich seit langem gesehen habe. Altdorf darf stolz sein. Wir sahen einen einzigartigen Tell, der nie billig aufgetrumpft, aber trotzdem eine unglaubliche Kraft entfaltet hat. Volker Hesse zeigt ein intensives, wuchtiges, aber gerade so sensibles Stück. Die Europahymne, die am Schluss gesungen wird, soll uns die Lehre des Stücks aufzeigen. Genauso wie sich die Eidgenossen vor über 700 Jahren verbündeten, so verbünden sich heute die Europäer und wollen in Einheit und Frieden zusammenleben.»

Fredi M. Murer, Filmemacher:«Grossartig, wie Regisseur Volker Hesse das Drama von Schiller aufs Wesentliche gekürzt hat. Mit den Sprechchören bekam der Text eine ganz andere Gewichtung. So hatte ich das Gefühl, dass ich gewisse Passagen zum ersten Mal hörte. Der Frauenpower in dieser Inszenierung gefällt mir wahnsinnig gut.»

Heidi Z?graggen, Regierungsrätin:«Die Leistung der Laienschauspieler hat mich tief beeindruckt. Da bekam ich echt Gänsehaut. Man sah sehr viel Blut in dieser Inszenierung. Doch der Einsatz des Blutes ist angemessen. Bisher wurde dies nie gezeigt. Man vergisst allzu oft, dass Blut meist zu einem Umsturz oder zu einer Revolution dazugehört.»

Elias Bricker

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Luzerner Zeitung.