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Andermatt: «Tempoverrückte» Skifahrer wollen Gemsstock erobern

In der Disziplin Speed-Skiing rasen Extremsportler mit über 200 km/h die Piste hinunter. In der Schweiz wurde zuletzt 2013 ein Weltcup-Rennen ausgetragen. Die Chancen stehen gut, dass bald Andermatt als Austragungsort zum Handkuss kommt.
Philipp Zurfluh
Der 48-jährige Reto Eigenmann aus Steinhausen in Aktion beim Saisonfinale in Andorra. (Bild: J. Farell Media, 12. April 2019)

Der 48-jährige Reto Eigenmann aus Steinhausen in Aktion beim Saisonfinale in Andorra. (Bild: J. Farell Media, 12. April 2019)

Einige bezeichnen sie als wahnsinnig, andere als mutig. «Ein bisschen verrückt sind wir schon», sagt der 48-jährige Reto Eigenmann und lacht. Die Rede ist von den Skifahrern, welche die Disziplin Speed-Skiing ausüben. Eigenmann ist seit rund eineinhalb Jahren Präsident des nationalen Verbandes FSSV (Fédération Suisse de Ski de Vitesse) und selber seit 10 Jahren aktiver und leidenschaftlicher Speed-Skirennfahrer.

Geschwindigkeitsskifahren – als Speed-Skiing bekannt – ist die schnellste nicht motorisierte Sportart der Welt. Speed-Skiing ist eine Extremsportart, die auch vom Internationalen Skiverband (FIS) anerkannt ist. Der Weltcup findet jedes Frühjahr in verschiedenen Skigebieten in Europa und Nordamerika statt. Und es ist durchaus möglich, dass diese bald auch in Andermatt Einzug hält – genauer gesagt am Gemsstock.

Bernhard Russi stellte Kontakt her

Vor rund einer Woche war eine Delegation des FSSV an zwei Tagen vor Ort und hat den sogenannten Bernhard-Russi-Run inspiziert. Die Skiarena Andermatt-Sedrun hat dies ermöglicht. Der Kontakt ist auch mit Hilfe von Bernard Russi zu Stande gekommen. «Unser Verband hält immer wieder Ausschau nach Skipisten, die sich für unsere Sportart eignen», erklärt Eigenmann, der in Steinhausen wohnhaft ist. «Wir haben von der Piste einen sehr guten Eindruck erhalten und konnten zehn Fahrten durchführen.» Die Strecke am Gemsstock sei für ein Weltcup-Rennen optimal geeignet. «Sie hat einen langen Auslauf und die Sicherheitsstandards sind ebenfalls gewährleistet.» Bei den Testfahrten wurden Spitzengeschwindigkeiten von 194 km/h erreicht. Laut Eigenmann seien Tempi von 215 km/h durchaus realistisch.

Die letzte Austragung eines Wettkampfs auf Stufe Weltcup auf Schweizer Boden fand 2013 in Verbier statt. Wegen des massiven Abschmelzens des Gletschers konnten dort keine Wettkämpfe mehr durchgeführt werden.

Speed-Skiing ist nichts für schwache Nerven und geht an die Substanz. «Als Zuschauer sieht Geschwindigkeitsskifahren einfach aus, ist es aber keinesfalls. Ein Körper hält nur rund drei Läufe pro Tag aus», meint der FSSV-Präsident. Eigmann sagt:

«Mich fasziniert es, die Gesetze der Physik umzusetzen. Und der Geschwindigkeitsrausch gibt mir einen Adrenalinkick.»

Neben den fahrerischen Fähigkeiten sei auch mentale Stärke gefragt. Die Athleten sind keine Profis und üben die Sportart nur als Hobby aus. Der Weltrekord wird derzeit vom Italiener Ivan Origone gehalten mit sage und schreibe 255 km/h. Dieser wurde 2016 in den französischen Alpen aufgestellt. Innerhalb von fünfeinhalb Sekunden beschleunigte er von 0 auf 200 km/h – schneller als ein Formel 1-Wagen. Die Frauen stehen den Männern in nichts nach. So hält Valentina Greggio aus Italien den Geschwindigkeitsrekord mit 247 km/h. Wo liegt das Limit? «Momentan gibt es keine Strecke, die wohl mehr als 260 km/h zulässt», so Eigenmann.

Die Ausrüstung der Athleten ist speziell. Zum einen ist sie ausschlaggebend um entsprechende Geschwindigkeiten erzielen zu können, zum anderen dient sie zum Schutz des Fahrers im Falle eine Sturzes. Die Skifahrer tragen einen massgeschneiderten Ganzkörper-Anzug aus Latex und ein aerodynamisch geformten Helm. An den Skischuhen sind zudem 30 Zentimeter grosse Spoiler aus Schaumstoff fixiert. Trotz der hohen Tempi gäbe es weniger Verletzungen als in vielen anderen Sportarten. Zu Unfällen kommt es selten. Der 48-Jährige möchte die Extremsportart bekannter machen – auch eine Art Volksrennen kann er sich in Andermatt gut vorstellen. «Leider wird heutzutage alles, was schnell und gefährlich aussieht, mit etwas Negativem behaftet», bedauert er.

Im Mai wohl werden die Verantwortlichen von der FIS über eine mögliche Durchführung am Gemsstock entscheiden. «Nun liegt es nicht mehr in unseren Händen, ich bin vorsichtig optimistisch. Es wäre super, wieder ein Rennen in der Schweiz zu veranstalten», so Reto Eigenmann.

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