Teufelsstein hat einen «Zwilling» im Tessin

Im Val Lavizzara steht ein Felsbrocken, der dem Göschener Teufelsstein nicht nur optisch, sondern auch durch seine Sage ähnelt.

Christof Hirtler
Merken
Drucken
Teilen

Majestätisch präsentiert sich der Teufelsstein unterhalb des Dorfs Göschenen am Eingang zur Schöllenen. Knapp 13 Meter ragt der rund 2000 Tonnen schwere Felsblock neben der Autobahn A2 in die Höhe. Umwoben mit seinen Sagen und Mythen ein Unikat, könnte man meinen. Doch auch im Tessiner Val Lavizzara, einem Seitental des Maggiatals, steht ein Teufelsstein, der seinem Urner «Zwillingsbruder» nicht nur optisch, sondern auch durch seine sagenhafte Geschichte ähnelt.

Noch heute lebendig ist die Legende vom «Sasso del Diavolo». Die Bewohner eines Dorfes im Lawizzaratal erregten durch ihre besondere Frömmigkeit den Teufel. Der schickte darauf seinen schrecklichsten und furchtbarsten Teufel mit dem Namen Barbariccia aus, das Dorf zu vernichten. Rasend vor Wut stieg dieser in die Berge, brach in teuflischem Zorn von den Gipfeln einen grossen Felsbrocken ab, nahm ihn auf die Schulter und stürmte mit Riesenschritten wild tobend hinab, die Häuser der frommen Menschen zu zerstören.

Plötzlich war der Stein 
zu schwer für den Teufel

Als er jedoch entkräftet und verschwitzt im Tal ankam, stand da eine liebliche Frau unter einem blühenden Kirschbaum. Sie lud ihn ein, den Felsblock abzusetzen und einen Moment auszuruhen. Das tat Barbariccia. Als er seinen Weg fortsetzen wollte, war die Frau – sie war niemand anderes als die Mutter Gottes – verschwunden. Der Teufel versuchte nun vergeblich, den riesigen Stein auf seine Schultern zu wuchten, um sein Vorhaben zu Ende zu führen. Gepackt von Wut und Verzweiflung, Feuer und Flamme speiend – man sieht noch heute die schwarzen Spuren auf dem Felsen – mühte er sich ab, den Block vom Boden zu heben; alle Anstrengungen waren aber vergebens. Elend und erschöpft blieb ihm am Ende nichts anderes übrig, als fluchend zur Hölle zu fahren und sich beschämt in die hinterste Höhle des Abgrunds zurückzuziehen.