Fall Walker: Teure Untersuchungen mit wenig Erkenntnissen

Zu den beiden Untersuchungen im Fall Walker, welche die Urner Regierung in Auftrag gegeben hat.

Florian Arnold, 
Redaktionsleiter
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Zugegeben, das Fazit ist schmeichelhaft: Die Regionalmedien, zu denen auch unsere Zeitung an vorderster Front gehört, haben ihre Chronistenpflichten im Fall Walker erfüllt und obendrein auch kritisch Bericht erstattet, ohne dabei einer Partei ein Übergewicht zu geben. Doch auch die nationalen Medien haben sich korrekt verhalten und gemäss ihrem Rollenbild gehandelt.

Die Frage sei erlaubt: Soll mit diesem rosafarbenen Fazit darüber hinweg getäuscht werden, dass die Medienuntersuchung zum Fall Walker 20000 Franken an Urner Steuergeldern verschlungen hat? Der Bericht ist zugegeben spannend zu lesen, vor allem für Medienaffine. Doch weder die darin enthaltenen Erkenntnisse, noch jene des juristischen Audits, das kaum weniger gekostet haben dürfte, haben viel Fleisch am Knochen: Weder Polizei, noch Medien, noch Gerichte, noch die Regierung haben grundlegende Fehler gemacht. Lediglich das veraltete Ausstandsgesetz soll geändert werden; die Medien sollen sich ihre ethischen Grundsätze wieder verstärkt vor Augen führen; die Gerichte mögen ihren Spielraum bei der Kommunikation mehr ausschöpfen; die Regierung darf sich weiter in Zurückhaltung üben. Und die Schelte, der Kripochef habe eine Aktennotiz unterlassen, wird mit einem Augenzwinkern vom Tisch gewischt.

Gab es da nicht noch eine ominöse DNA-Probe? War da nicht noch ein scheinbar unauffindbarer Zeuge, der in Frankreich in Haft sass? Nach der gestrigen Medienkonferenz glaubt wohl niemand mehr ernsthaft daran, dass sich jemand der Wahrheitsfindung in diesen offenen Punkten annehmen wird. Während des «laufenden Verfahrens» war es einfach, auf einen späteren Zeitpunkt zu verweisen. Auch wenn die Fragen fürs Gericht irrelevant wurden, interessierten die Antworten nach wie vor.

Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die dünn gesäten Ratschläge aus dem Bericht umgesetzt werden. Mehr zu kommunizieren – und das auf einer respektvollen und ethisch sauberen Basis – ist für alle Involvierten wichtig. Auf die Flurschäden, die der Fall Walker bei sämtlichen Beteiligten hinterlassen hat, kann in Zukunft wohl jeder verzichten.