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THEATER: Die Stütze der Freilichtspiele

Heidi Danioth zieht bei den Freilichtspielen in Göschenen die Fäden im Hintergrund, und dies seit der ersten Produktion vor bald zwanzig Jahren. Sie lebt regelrecht für das Theater.
Elias Bricker
Bild: Eveline Beerkircher.

Bild: Eveline Beerkircher.

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Die erste Nervosität ist gewichen und der grosse Druck ein bisschen abgefallen: Am Freitag feierte das Freilichtspiel «Göschenen am Meer» Premiere. Mittendrin stand auch Heidi Danioth: Sie hat auch in diesem Jahr wieder eine Sprechrolle.

Bei der 68-jährigen Andermatterin dreht sich seit Wochen alles um die Theateraufführungen in Göschenen. In ihrem Büro in Andermatt türmen sich Theaterplakate und Ordner mit Unterlagen. Denn bei Heidi Danioth laufen sämtliche Fäden zusammen. Sie steht nämlich nicht nur als Schauspielerin auf der Bühne, sondern amtet auch als Sekretärin der Freilichtspiele.

«Ohne Heidi läuft bei uns nicht viel»

Aktuell muss sie tagtäglich unzählige Anfragen und E-Mails von Zuschauern und Journalisten beantworten. «Momentan ist alles ein bisschen stressig», gibt sie zu. «Das geht vorüber.» Denn als Sekretärin ist sie auch für die Organisation des Ticketverkaufs verantwortlich. Zudem rekrutiert sie zusammen mit Karin Lan­genegger die vielen freiwilligen Helfer, welche im Hintergrund mitwirken – von den Platzeinweisern, über das Servicepersonal der Theaterbeiz bis hin zu den Parkplatzverantwortlichen.

«Heidi Danioth lebt für die Freilichtspiele», sagt OK-Präsident Christoph Gähwiler. «Sie ist unsere grosse Stütze. Sie arbeitet sehr effizient. Zudem weiss sie immer genau, was wie wo läuft und ist daher für alle Mitwirkenden jeweils die Anlaufstelle für alle möglichen Fragen. Ich arbeite sehr gerne mit ihr zusammen.»

«Ich habe einen sehr verständnisvollen Mann»

Als Sekretärin wohnte Heidi Danioth in den vergangenen anderthalb Jahren 18 OK-Sitzungen bei. Gleichzeitig ist sie aber auch noch Vorstandsmitglied des Kulturforums Andermatt Gotthard und hat so bereits grosse Vorarbeit geleistet, bevor das Organisationskomitee den Lead übernahm. Der Vorstand des Kulturforums arbeitete etwa eng mit dem Autor zusammen und begleitete so die Entstehung des Stücks. Zudem suchte der Vorstand danach auch einen Regisseur.

Trotz des grossen ehrenamtlichen Aufwands, lässt es sich Heidi Danioth trotzdem nicht nehmen, jeweils selber bei den Freilichtspielen mitzuspielen. Meist hat sie dabei auch eine grössere Sprechrolle inne. In diesem Jahr spielt sie Hanna Anderhalden, die Frau eines Kraftwerk-Verwaltungsrates aus Göschenen. «Das Theaterspielen ist für mich das Sahnehäubchen meiner Arbeit», sagt Danioth. «Ich liebe es einfach, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und die Figuren richtig auszuleben.»

Und als ob das nicht schon genug wäre, betreibt Heidi Danioth zusammen mit ihrem Mann Herbert in Andermatt auch noch einen Bazar mit Souvenirs, Tabakwaren und Zeitungen – aber nur noch bis September. Dann ist Schluss. Dennoch stellt sich die Frage, wie bringt die energiegeladene Frau das alles unter einen Hut? «Ich habe einen sehr verständnisvollen Mann», sagt sie. «Zudem sind wir bei den Freilichtspielen wie eine grosse Familie. Diese trägt mich.»

Heidi Danioth ist zudem bei den Freilichtspielen die Frau der ersten Stunde. Früher spielte sie gelegentlich Volkstheater mit dem Theaterverein Andermatt. Doch irgendwann im Jahr 1997, im Ausgang, morgens um 2 Uhr in einer Bar, kam die Idee auf, in Andermatt anlässlich des Jubiläums der Historischen Reisepost Freilichtspiele zu organisieren.

Es blieb bekanntlich nicht einfach bei der nächtlichen Schnapsidee. Mit viel Engagement ging Heidi Danioth mit ihren Mitstreitern auf Suche nach Sponsoren, einem Autor, einem Regisseur und Schauspielern. «Natürlich stiessen wir am Anfang auch ein bisschen auf Skepsis», blickt Danioth zurück.

Doch das Stück «D Gotthardpost» wurde ein riesiger Erfolg, sodass es nach 1999 auch in den Jahren 2000, 2002 und 2005 wieder aufgeführt wurde. «Mit den Jahren wurden unsere Projekte immer grösser und professioneller», sagt die Theaterfrau. «Wir wurden auch mutiger.» Der grösste Erfolg feierte das Theaterensemble mit «D Gotthardbahn» 2007 in Göschenen. Über 33000 Personen wollten das Stück sehen. 2010 brachte das Ensemble «Suworow» und 2013 «Tyyfelsbrigg» auf die Bühne. «Natürlich durfte bei allen Stücken die Postkutsche nicht fehlen – so auch in diesem Jahr nicht», sagt Danioth. «Die Kutsche gehört einfach zu uns. Mit ihr hat alles angefangen. Zudem ist sie nach wie vor ein Publikumsmagnet.»

«Die Hotels profitieren stark vom Theater»

Trotz des Erfolgs: In den vergangenen Jahren sei es schwieriger geworden, die Freilichtspiele durchzuführen. «Wir haben immer mehr Konkurrenz», sagt Danioth. Denn als «D Gotthardpost» 1999 erstmals aufgeführt wurde, gab es schweizweit gerade einmal fünf Freilichttheater. «Und wir waren damals die einzigen mit gedeckten Tribünen und Mikrofons», erinnert sich Danioth. «Heute aber gibt es jeden Sommer in der Schweiz mehr als hundert Freilichtspiele.»

Doch das Kulturforum Andermatt Gotthard lässt sich von der Konkurrenz nicht einschüchtern. «Es braucht einfach immer wieder neue Ideen», sagt die Theaterfrau. «Für unsere Region sind die Freilichtspiele sehr wichtig.» Denn diese hätten auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. «Gerade die Hotels in der Region profitieren sehr stark vom Theater», so Danioth. Viele Zuschauer würden den Theaterbesuch zudem mit einem Ausflug in der Region verknüpfen. Deshalb werde es die Freilichtspiele noch lange geben: «Bei uns machen auch viele Junge mit. Sie sind unsere Zukunft.»

Hinweis

Mehr zu den Freilichtspielen gibt es im Internet unter www.goeschenen-am-meer.ch.

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