Theater erinnert an den Landesstreik in Uri

Am Freitag, 28. September, zeigen die «Ürner Spielliit» das Stück «Ai d Fraiä selled derfä stimmä!» im alten Lokdepot. Anschliessend berichtet die Historikerin Elisabeth Joris von den Geschehnissen von vor 100 Jahren.

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Das Ensemble «Ürner Spielliit» holt die Theaterbesucher in die Zeit des Landesstreiks zurück. (Bild: PD)

Das Ensemble «Ürner Spielliit» holt die Theaterbesucher in die Zeit des Landesstreiks zurück. (Bild: PD)

Im Jahr 1918 hatten sich soziale, ökonomische und politische Gegensätze zugespitzt. Die spanische Grippe wütete unter der Bevölkerung. Im November 1918 traten Arbeiter im ganzen Land in den Ausstand.

Im Kanton Uri kam der Eisenbahnverkehr fast völlig zum Erliegen, zahlreiche Betriebe wurden bestreikt. Ein achtköpfiges Komitee von SP und Gewerkschaften koordinierte diese Aktionen. Als Gegenreaktion entstand in Altdorf ein «Bürgerliches Aktionskomitee», ausserdem wurden Truppen im Kanton stationiert.

Ein prägendes und teilweise traumatisches Erlebnis

Das Ereignis ist unter dem Begriff «Landesstreik» in die Schweizer Geschichte eingegangen. Die Streikenden formulierten neun Forderungen. Unter anderem verlangten sie den 8-Stunden-Tag, die Gewährung des Frauenstimmrechts sowie die Einführung einer Alters- und Invalidenversicherung.

Doch nach drei Tagen wurde der Streik abgebrochen. Militäreinsätze und die Angst vor einem Bürgerkrieg bewogen die Streikleitung, das sogenannte «Oltner Aktionskomitee», den Ausstand zu beenden. Viele der Streikenden hatten mit juristischen Verfahren zu rechnen.

Teilweise traumatisches Erlebnis

Der Landesstreik war für alle Beteiligten – für die streikenden Arbeiter und ihre Familien, für die Soldaten im Einsatz und ihre Angehörigen, für die Spitzenverbände der Arbeitgeber und die Gewerkschaften ebenso wie für die involvierten Behördenmitglieder – ein prägendes, teilweise traumatisches Ereignis.

Heuer jährt sich der Landesstreik zum 100. Mal. Dies gibt Anlass zu zahlreichen Veranstaltungen im ganzen Land, wobei der Kanton Uri nicht zurückstehen soll: Zur Erinnerung an die Ereignisse von vor 100 Jahren findet am Freitag, 28. September, um 19.15 Uhr im alten Lokdepot in Erstfeld ein historisch-kultureller Abend statt.

Fokus auf die Rolle der Frauen und der Eisenbahner

Dabei wird das Theaterstück «Ai d Fraiä selled derfä stimmä!» von Lory Schranz und Lukas Meili mit dem Ensemble «Ürner Spielliit» gezeigt. Im Anschluss berichtet die Historikerin Elisabeth Joris von den Geschehnissen rund um den Landesstreik. Sie geht dabei speziell auf die Rolle der Frauen und der Eisenbahner ein. Den Abschluss macht Christoph Gautschi mit dem Schlagzeugensemble Musikschule Uri, das Auszüge aus «Sacre del Gottardo» aufführt, der Begleitmusik zur Eröffnung des neuen Gotthardtunnels.

Das Programm will ein breites Publikum anziehen und zum Nachdenken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anregen. Denn Fragen der sozialen Gerechtigkeit beschäftigen die Menschen in Uri und anderswo auch heute noch. Zum Abschluss des Abends bietet ein Apéro den Anwesenden die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Eindrücke auszutauschen. (pd/eca)

Der Eintritt ist frei, es wird eine Kollekte erhoben.