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THEATER: «Ich habe es noch keine Sekunde bereut»

Rolf Sommer führt Regie beim Musical «Pippin» mit einem 50-köpfigen Ensemble. Der 41-Jährige spricht im Interview über seine neue Rolle, die Arbeit mit den Laiendarstellern und warum die Weihnachtstage zu einem schlechten Zeitpunkt kamen.
Philipp Zurfluh
Rolf Sommer: «Wir wollen bei den Zuschauern die Lust am Musical wecken.» (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 28. Dezember 2017))

Rolf Sommer: «Wir wollen bei den Zuschauern die Lust am Musical wecken.» (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 28. Dezember 2017))

Interview: Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Am 13. Januar ist Premiere: Die Theatergruppe Eigägwächs mit rund 50 Laiendarstellern präsentiert das Musical ­«Pippin» im Theater Uri in Altdorf. Regisseur Rolf Sommer ist das Gesicht hinter der Produktion.

Rolf Sommer, Sie stehen beim Musical «Pippin» erstmals in Ihrer Laufbahn nicht als Schauspieler oder Musicaldarsteller auf der Bühne, sondern ziehen als Regisseur die Fäden im Hintergrund. Eine ganz neue Erfahrung für Sie?

Für mich ist die Rolle des Regisseurs eine riesengrosse Verantwortung, sie bedeutet mir sehr viel. Die Anfrage kam wie aus heiterem Himmel, denn ich war überhaupt nicht auf der Suche nach einem Job als Regisseur. Ich habe lange überlegt, doch diese Herausforderung konnte ich nicht ablehnen. Es ist total spannend, einmal die Person zu sein, die sagen darf, wie gespielt werden soll.

Was ist besonders reizvoll an dieser Aufgabe?

Die Zusammenarbeit mit den Darstellern. Ich freue mich, wenn die Schauspieler in den Proben aufblühen und sie das Stück zum Leben erwecken. Gleichzeitig kann ich meine langjährigen Erfahrungen als Schauspieler weitergeben.

Was machen Sie lieber?

Ich gebe zu, dass mich die Rolle des Regisseurs fasziniert. So bin ich durchaus offen für andere Regieaufträge und traue mir das zu. Das Berufsfeld zu wechseln, kommt zurzeit aber nicht in Frage.

Welcher Typ von Regisseur sind Sie?

Das ist eine gute Frage, jedoch fällt es mir schwer, sie zu beantworten. Ich arbeite sehr präzise. Es ist mein Anspruch, klare Anweisungen zu geben. Andererseits bin ich offen für neue Ideen und Inputs von Darstellern. Ich weiss, dass Schauspieler eine äusserst kreative Ader haben und sich manchmal auch als Regisseur in das Theaterstück einbringen wollen, das ist auch gut so. Die Darsteller sollen nicht als Roboter agieren. Kreativität und Fantasie dürfen bei mir durchaus Platz haben.

Sie treten in grosse Fussstapfen. Ihre Vorgängerin Lory Schranz hat sich über Jahre mit viel Herzblut in der Theatergruppe Eigägwächs engagiert und viele Stücke auf die Bühne gebracht. Eine schwierige Aufgabe.

Dessen war ich mir bewusst, als die Anfrage kam. Lory Schranz hat für die Urner Theaterszene Grossartiges geleistet. Ich wollte ihr Erbe weiterführen, das war mir von Anfang an klar. Deswegen habe ich mich anfangs auch mit ihr ausgetauscht. Ich wollte nicht alles auf den Kopf stellen, doch mir war wichtig, die Anzahl Darsteller zu beschränken. Denn ich traute mir nicht zu, beim ersten Mal gleich mit 100 Leuten zu performen. Der Vereinsvorstand ist auf meinen Wunsch eingegangen. Das war wohl die grösste Veränderung.

Sie sind ein Profi im Business und arbeiten mit 50 Laiendarstellern. Kann das funktionieren?

Es ist purer Spass. Ich habe es noch keine einzige Sekunde bereut und bin glücklich, die Herausforderung angenommen zu haben. Ich habe die Leidenschaft für das Theater nochmals neu entdeckt.

Wo liegen die grössten Heraus­forderungen?

Ich habe den Mitwirkenden schon bei der ersten Probe gesagt, dass ich sie als Profis betrachte. Mit professionellen Schauspielern würde ich nicht anders arbeiten. Natürlich sind Laiendarsteller nicht so geübt, doch gerade diese Tatsache macht meine Aufgabe so spannend. Ich versuche, bei allen die Leidenschaft für das Theaterspielen noch grösser werden zu lassen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Sind Laienschauspieler einfacher zu coachen?

Laiendarsteller sind einfacher zu führen, weil sie dem Regisseur «blind» vertrauen. Reibungen unter Profis kann es eher mal geben. Ich staune immer wieder, wie junge Darsteller über sich hinauswachsen können. Schwer beeindruckt bei den Proben hat mich zum Beispiel ein 12-Jähriger.

Erzählen Sie.

Er hat eine wichtige Rolle inne. Für mich ist er eine grosse Entdeckung. Für sein junges Alter hat er ein tiefes Verständnis, wie man schauspielert. Er «spielt» nicht einfach nur, sondern versetzt sich in die Situation und wirkt authentisch.

Wie merken Sie, dass Sie von den Darstellern nicht zu viel verlangen?

Vielleicht merke ich das gar nicht (lacht). Alle haben gewusst, worauf sie sich einlassen. Zu Beginn der Proben waren einige noch etwas skeptisch ob der Tatsache, dass alle alles können müssen. Tanzen, singen und spielen.

Auf der Bühne stehen wieder acht Menschen von der Stiftung Behindertenbetriebe Uri (SBU). Eine anspruchsvolle Aufgabe für Sie.

Ich bin sehr dankbar, mit diesen zusammenarbeiten zu dürfen, für mich ist es das erste Mal. Ich habe keine Bedenken, bin aber gefasst auf Überraschungen. Bis Weihnachten haben wir mit ihnen separat geprobt. Danach sind sie dazu- gestossen und wurden bestens ins Stück integriert.

«Pippin» ist eines der bekanntesten Broadway-Musicals überhaupt, doch der deutschsprachigen Öffentlichkeit nicht vertraut. Warum haben Sie sich für dieses Stück entschieden?

Dank dem Gewinn des New-York-Ateliers konnte ich das Musical erstmals sehen. Es hat mich vom Hocker gehauen. Ich habe aber nie im Leben daran gedacht, dass ich es mal inszenieren werde. Ich glaube, dieser viermonatige Aufenthalt in New York ist ein positiver Bumerang für den Kanton Uri, der mir diese Chance ermöglichte.

Wie kommt «Pippin» wohl beim Urner Publikum an?

Uns ist bewusst, dass wir mit diesem Stück ein Experiment wagen. Wir hoffen aber, dass der Funke auf das Publikum überschwappt. Wenn die Besucher von der Inszenierung berührt werden und dann noch das eine oder andere Tränchen verdrückt wird, haben wir die Aufgabe gut gemacht. Wir wollen bei den Besuchern die Lust am Musical wecken.

Über die Weihnachtstage standen keine Proben an. Konnten Sie während dieser Zeit vom Musical gedanklich etwas Abstand nehmen?

Die Festtage waren eine willkommene Abwechslung. Ich muss aber zugeben, dass ich am liebsten ohne Unterbruch weitergeprobt hätte. Als Regisseur bin ich mit meinen Gedanken täglich beim Musical und kann die Premiere kaum abwarten.

Diese ist in sechs Tagen. Worauf legen Sie jetzt noch den Fokus?

Jetzt wird noch an einzelnen Szenen gefeilt. Texte, Lieder und Choreografie verschmelzen immer besser ineinander zu einem einzigen Werk. Wir sind voll im Zeitplan.

Sie sind ein gefragter Schauspieler und kommen wenig zur Ruhe. Welches Projekt steht als nächstes auf dem Programm?

Bereits zwei Wochen nach der Premiere findet die Erstaufführung von «My Sohn, nimm Platz!» im Theater am Hechtplatz in Zürich statt, dort bin ich Regisseur und Schauspieler gleichzeitig. Es ist gerade eine sehr stressige Zeit, doch ich kann sie trotzdem geniessen.

Hinweis

Das Musical «Pippin» wird insgesamt zehnmal aufgeführt. Premiere ist am Samstag, 13. Januar. Weitere Aufführungen sind am 14., 19., 20., 21., 26., 27., 28. und 31. Januar sowie am 2. Februar, samstags um 18.30 Uhr, sonntags um 17 Uhr, alle übrigen um 19.30 Uhr. Tickets gibt es unter www.musical-pippin.ch oder bei Uri Tourismus AG (Tel. 041 874 90 09).

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