THEATER: «Urchig auf Knopfdruck»

Walter Sigi Arnold steht bald als Baron von Münchhausen auf der Bühne. Der Schauspieler über Lügengeschichten, den Urner Dialekt und seine Pläne.

Interview Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
Walter Sigi Arnold ist bereit für die Münchhausen-Tournee. (Bild Markus Zwyssig)

Walter Sigi Arnold ist bereit für die Münchhausen-Tournee. (Bild Markus Zwyssig)

Er ist einer der bekanntesten Schauspieler der Zentralschweiz. Kommende Woche feiert der 55-jährige Walter Sigi Arnold mit seinem neusten Stück, das sich um den Baron Münchhausen dreht, Premiere im Theater Uri. Gemeinsam mit Arnold steht der 64-jährige Carlo Ghirardelli auf der Bühne (siehe Box).

Walter Sigi Arnold, erzählen Sie gerne Lügengeschichten?

Walter Sigi Arnold: Das liegt in der Natur der Sache. Als Schauspieler muss man sehr oft erfundene Geschichten erzählen. Aber als Privatperson ist es nicht mein Naturell zu lügen.

Als Baron Münchhausen müssen Sie in nächster Zeit besonders viel lügen. Fällt Ihnen das schwer?

Arnold: Nein, denn es sind alles fantastische Geschichten. Es ist sehr schön, diese zu erzählen. Denn Münchhausens Texte haben eine Fantastik mit einer gewissen Poesie. Dazu kommt, dass die Geschichten oft eine sehr gelungene Pointe haben. Ich denke da insbesondere an Münchhausens Jagdabenteuer. Selber bin ich ja kein Jäger, aber vielleicht ist es vergleichbar mit deren Latein. Die übertreiben wohl auch das eine oder andere Detail.

Wie wollen Sie das Publikum mit den mehr als 200 Jahre alten Münchhausen-Texten packen?

Arnold: Wir erzählen die Texte in der Originalsprache. Da erfinden wir gar nichts dazu. Es war ganz klar unsere Absicht, diese Sprache in ihrer wunderbaren Artistik des Goethe-Zeit-Stils zu verwenden. Das Stück nehmen wir aber in unsere Zeit durch die Art und Weise, wie wir Münchhausen darstellen und mit Hilfe der Kostüme und des Bühnenbildes. Zudem gibt es bei uns sogar zwei: einen etwas jüngeren und einen älteren Münchhausen.

Viele Ihrer Stücke feiern in Altdorf Premiere. Weshalb kommt der Kanton Uri zu dieser Ehre?

Arnold: Ich bin hier aufgewachsen. Im Theater Uri haben wir fantastische Produktionsbedingungen. Zweieinhalb Wochen vor der Premiere können wir im Altdorfer Saal proben. Wir können alles stehen lassen, weil der Saal zurzeit frei ist. Das findet man sonst kaum irgendwo in einer Stadt. Das ist speziell und sehr angenehm.

Sie wohnen und leben in Luzern. Was verbindet sie heute noch mit Uri?

Arnold: Die Familie lebt im Kanton Uri: die meisten Geschwister und meine Mutter. Ich habe viele Kollegen aus früheren Zeiten, zu denen ich immer noch regelmässig Kontakt habe. Ich bin immer noch sehr stark mit Uri verbunden. Auch die Urner Sagen, die ich zusammen mit Schlagzeuger Beat Föllmi immer wieder erzähle, verweisen auf meine Wurzeln.

Müssen Sie sich heute stark anstrengen, wenn sie urchigen Urner Dialekt sprechen?

Arnold: Im normalen Alltag spreche ich einen sehr stark abgeschliffenen Dialekt. Wenn ich aber zum Beispiel mit meiner Mutter spreche, oder wenn ich Sagen erzähle, kann ich praktisch per Knopfdruck in den urchigen Urner Dialekt wechseln.

Bringt Ihnen der Urner Dialekt einen Exotenbonus?

Arnold: Bei den Urner Sagen und beim Bissig Bärti aus Erstfeld ja, da schon, aber bei meiner hauptsächlichen Tätigkeit als Schauspieler und Sprecher spielt die Mundart eher eine untergeordnete Rolle. Da rede ich meistens Hochdeutsch.

Was liegt Ihnen mehr, die Bühne oder der Auftritt vor der Kamera?

Arnold: Ich habe eindeutig viel mehr Kontakt zur Bühne und zum Theater als zum Fernsehen. Ich bin eher der Theatermensch als der Filmschauspieler. Ich bin aber auch Sprecher in Tonstudios und in der Blindenbücherei in Zürich. Zum Radio pflege ich gute Kontakte. So mache ich immer wieder bei Hörspielen mit. Das Fernsehen ist sehr Zürich orientiert. Früher war ich noch öfter bei Victor Giacobbo und bei «Total Birgit» mit dabei.

Ab Januar 2015 führen Sie Regie beim neusten Stück der Theatergruppe Momänt & Co. Was machen Sie lieber, selber spielen oder Regie führen?

Arnold: Da es zwei ganz unterschiedliche Dinge sind, ist dies schwer zu sagen. Aber doch, ja, selber zu spielen, ist mir schon sehr wichtig. Deshalb nehme ich auch nicht so viele Regieanfragen an. So alle zwei Jahre eine Regie zu machen, ist etwa gerade das ideale Verhältnis. Und besonders wenn man eine so wunderbare Truppe hat wie die Theaterleute von Momänt & Co. Das Team ist mit acht Personen nicht zu gross, alle bringen bereits viel Theatererfahrung mit und man muss daher nicht bei null beginnen. Und mit «Uchrüt» von Fitzgerald Kusz, in einer Urner Mundartfassung von Marco Schenardi, haben wir auch wieder ein sehr passendes Stück gefunden. Zudem spielt die Urner Rockband The Krabbers live auf der Bühne im Stück mit.

Wie erleben Sie die Kulturszene in Uri?

Arnold: Toll finde ich, dass sehr viele unterschiedliche Sachen hier möglich sind. Freude habe ich an Projekten wie «Wysel» von Franz-Xaver Nager. Ein Stück, das in Uri produziert und hier Premiere gefeiert hat, wird anschliessend an mehreren Orten in der Schweiz aufgeführt. Da kommt das Neue für einmal vom Land und nicht aus der Stadt. Auch mit «Münchhausen» gehen wir einen ähnlichen Weg. Uri hat ein grosses und vielseitiges Kulturangebot. Vor allem wenn man bedenkt, dass hier nur knapp 35 000 Einwohner leben.

Welche Rolle möchten Sie unbedingt einmal spielen?

Arnold: Eine Traumrolle habe ich nicht. Viel wichtiger ist mir, dass ich gute Themen und einen guten Stoff auf die Bühne bringen kann. Eine gute inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff ist mir wichtig.

Welche weiteren Pläne gibt es nach Münchhausen und der Regie bei Momänt & Co.?

Arnold: Angedacht ist eine grosse Lesung des Romans «Die Liebe in den Zeiten der Cholera» von Gabriel Garcia Marquez. Danach soll wieder ein neues Theaterstück, eine Uraufführung kommen. Doch das sind erst Pläne für die nähere Zukunft.

Reich werden Sie wohl nicht mit der Theaterarbeit. Wie schwierig ist es, mit Kultur durchs Leben zu kommen?

Arnold: Ich kann gut davon leben. Mittlerweile verfüge ich über ein grosses Netzwerk. Meine Arbeit als Sprecher, die Lesungen oder eigenen Projekte wie «Münchhausen»: Das ist sehr vielseitig. Zum Beispiel bin ich auch als Lesekurier beim «Home Delivery Leseservice» tätig. Das sind Lesungen, die man sich nach Hause bestellen kann, wie eine Pizza, die per Kurier kommt. Wir lesen Krimigeschichten, erzählen über die lieben Nachbarn, oder bringen Weihnachtsgeschichten ins Haus. Bei so viel Abwechslung habe ich noch nie das Bedürfnis gehabt, einmal etwas anderes zu machen.

Am Donnerstag ist Premiere

Das Stück «Münchhausen – das Original» mit Walter Sigi Arnold und Carlo Ghirardelli feiert am kommenden Donnerstag, 23. Oktober, um 20 Uhr im Altdorfer Saal im Theater Uri Premiere. Am Freitag, 24. Oktober, um 20 Uhr, sowie am Sonntag, 26. Oktober, um 17 Uhr finden zwei weitere Aufführungen statt. Danach spielen Arnold und Ghirardelli in Luzern im Brockenhaus. «Das wird etwas Spezielles, zwischen all den Möbeln aufzutreten», sagt Arnold. Weitere Vorstellungen führen die beiden Schauspieler nach Baden, Solothurn, Schwyz, Zug, Thalwil, Beromünster, Stans und St. Gallen.
Billette für die Aufführungen im Theater Uri sind beim Ticket Center Uri, Telefon 041 874 80 09, erhältlich.