Theater Uri in Altdorf
Urner Neujahrskonzert: Himmlische Klänge, teuflisch gut gespielt

Sebastian Bohren begeisterte im Theater Uri zusammen mit dem Kammerorchester Basel. Nicht nur das Publikum war begeistert, sondern auch die Musikerinnen und Musiker auf der Bühne.

Markus Zwyssig
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Am Urner Neujahrskonzert im Theater Uri spielte Sebastian Bohren mit dem Kammerorchester Basel.

Am Urner Neujahrskonzert im Theater Uri spielte Sebastian Bohren mit dem Kammerorchester Basel.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2022)

Mit der Serenade «Eine kleine Nachtmusik» von Mozart stimmte das Kammerorchester Basel auf das Urner Neujahrskonzert ein. Marc Minkowski hielt den Taktstock beim Konzert im Theater Uri beschwingt. Gekleidet war er etwas unkonventionell mit legerem Gilet. Organisator Karl Baumann konnte den 59-jährigen Franzosen kurzfristig als Ersatz für Riccardo Minasi verpflichten, der krankheitshalber ausgefallen war.

Chic mit Fliege gekleidet und mit jugendlichem Elan betrat Sebastian Bohren die Bühne. Locker hielt er seine Geige. Nichts war von der Anspannung zu spüren, die auch er wohl trotz Routine noch immer vor derart grossen Leistungen haben dürfte. Er spielte das Violinkonzert Nr. 5 von Mozart souverän und heimste vor der Pause grossen Applaus ein. Der 34-jährige Violinist hat vor geraumer Zeit das türkische Konzert, wie das Werk auch genannt wird, auf CD veröffentlicht und war damit bei der Fachpresse auf Begeisterung gestossen.

Eine Fülle an Klangfarben entfaltete das Kammerorchester Basel nach der Pause mit der Sinfonie Nr. 33 von Mozart. Dazu trug insbesondere der Einsatz der Bläser bei.

Darauf setzte Sebastian Bohren mit der «Teufelstrillersonate» zum Schlussfeuerwerk an. Giuseppe Tartini erzählt über sein Werk, der Teufel persönlich sei ihm im Trum erschienen und habe auf seiner Geige gespielt. Als der italienische Barockkomponist aufwachte, konnte er sich nur noch an den teuflischen Doppeltriller erinnern, an dem sich heute die Violinisten die Finger wund üben. Auf der Bühne im Theater Uri bewies Sebastian Bohren, wie packend das Stück gespielt werden kann. Kein Wunder, wollte der Applaus fast nicht mehr enden. Als Zugabe gab es am Urner Neujahrskonzert die «Sicilienne» von Maria Theresia von Paradies und von Béla Bartók ein Duo für zwei Violinen zu hören.

Organisator verspricht: In zwei Jahren gibt es wieder ein Neujahrskonzert

Beat Jörg nach dem Konzert.

Beat Jörg nach dem Konzert.

Florian Arnold / Urner Zeitung

Das zahlreich erschienene und altersmässig gut gemischte Publikum war begeistert über den gelungenen musikalischen Auftakt zum neuen Jahr. Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg zeigte sich überzeugt: «Für mich ist das Urner Neujahrskonzert immer ein schöner Jahresstart. Organisator Karl Baumann-Simmen ist es einmal mehr gelungen ein hochstehendes Orchester mit einem Solisten, der brilliert hat, ins Theater Uri zu bringen.»

Als sensationell bezeichnete Susanne Döhnert, Präsidentin der Dätwyler Stiftung, das Konzert. Mit der Ausstrahlung und Spielfreude des Solisten Sebastian Bohren sei der Funke total aufs Publikum gesprungen.

Lisa Huonder aus Bürglen ist begeistert.

Lisa Huonder aus Bürglen ist begeistert.

Die 23-jährige Lisa Huonder aus Bürglen versucht alle zwei Jahre das Neujahrskonzert zu besuchen. «Es war super, ich bin hellbegeistert. Das Mozart-Violin-Konzert hat mir am besten gefallen.» Vor allem jene Stellen, welche die Streicher perkussiv spielten, was besonders eindrücklich wirkte. Selber habe sie 12 Jahre Querflöte gespielt, «aber nie auf so einem Niveau», sagte sie und lachte.

Karl Baumann, Organisator

Karl Baumann, Organisator

Wahnsinnig schön sei das Konzert gewesen, sagte Karl Baumann-Simmen. «Den Leuten hat es gefallen. Für mich ist es wichtig, dass jeder zufrieden nach Hause geht. Und ich denke, das ist auch diesmal wieder gelungen.» Und er versicherte: In zwei Jahren wird es wieder ein Urner Neujahrskonzert geben.

Angetan vom Publikum und vom festlichen und geschichtsträchtigen Saal

Gefallen hat es aber nicht nur dem Publikum, sondern offensichtlich auch den Musikerinnen und Musikern. Grandios sei es gewesen im Theater Uri, sagte Solist Sebastian Bohren. «Der Saal ist sehr stimmungsvoll, festlich und geschichtsträchtig.» Auch Dirigent Marc Minkowski, der während der Proben den Saal inspizierte, konnte erfreut feststellen, dass sich der Klang im Raum gut verbreitet.

Lob hatte Sebastian Bohren auch für die Urnerinnen und Urner. «Das Publikum versteht die Musik». Es sei wie bei Konzerten, die von vielen Menschen mit Abos besucht werden. «Wahrscheinlich besuchen sie alle zwei Jahre das Urner Neujahrskonzert. Das spürt man als Musiker auf der Bühne.» Bei Konzerten mit einem bunt zusammengewürfelten Publikum sei es nämlich viel unruhiger im Saal.

Dirigent Marc Minkowski lobte das Urner Publikum und den guten Konzertsaal.

Dirigent Marc Minkowski lobte das Urner Publikum und den guten Konzertsaal.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2022)

Sehr erfreut zeigte sich Sebastian Bohren darüber, dass Marc Minkowski als Dirigent gewonnen werden konnte. «Er ist älter als ich und gehört einer anderen Generation an. Das war ein Gewinn. Er bringt ein wahnsinniges Wissen mit.» Das strahle er mit jedem Auftakt aus, den er gebe. Zudem betonte Sebastian Bohren, dass fürs Proben trotz Dirigentenwechsel gleich viel Zeit zum Proben zur Verfügung gestanden habe, wie dies auch bei Minasi der Fall gewesen wäre.

Enormer Steigerungslauf trotz wenig Schlaf

Am Abend zuvor hatten die Musikerinnen und Musiker in Genf gespielt. Sebastian Bohren konnte gemäss eigenen Angaben erst morgens um 3 Uhr einschlafen. Und dann folgte die mehrstündige Reise von Genf nach Altdorf. «Wir gingen das Konzert im Theater Uri zu Beginn ein bisschen lockerer an», sagte der Solist. Das sei aber auch aufgrund der Abfolge des Konzertprogramms so geplant gewesen. «Ein Neujahrskonzert muss ein enormer Steigerungslauf sein, bis der Saal zu einem Hexenkessel wird. Ich finde, es ist mir gelungen, meine bestmögliche Version der Teufelstrillersonate zu spielen.»

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