THEATERPREMIERE IN ALTDORF: Helden stehen einsam im Licht

Die Suche nach dem Helden in der eigenen Brust wird hier zur tragikomischen Reise: Das Stück «Im Heldenland» zeigt das grosse Potenzial junger Urner Kultur.

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Denise Wintsch, Marco Sykora und Mario Schelbert (von links) im «Heldenland». (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Denise Wintsch, Marco Sykora und Mario Schelbert (von links) im «Heldenland». (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Da stehen die sieben: allein im kalten Licht. Ausgeleuchtet bis ins Innerste. Der karge Raum, in dem der Sarg des letzten grossen Helden an der Decke schwebt, wird zur Bühne für ihre Versuche, sich selbst zu inszenieren. Jeder Anlauf muss zuerst scheitern, endet in der Flucht ins eigene Schneckenhaus. «Im Heldenland», die neue Produktion des theater(uri), zeigt Menschen, die getrieben sind von der verzweifelten Hoffnung, sich als Held ins rechte Licht zu rücken - aber auch vom Verlangen, ihre Unzulänglichkeiten zu verbergen.

«'s lyyt y yysärä Händ»
Am Anfang des Stücks, das am Samstag Premiere feierte, steht Erna (herausragend: Corinne Gnos), die Biografin des letzten grossen Helden. Sie sitzt wie in Stein gemeisselt, eingehüllt in die abgöttische Bewunderung für den Verstorbenen, eine Festung des Vertrauens: «Syy Wäg isch myy Wäg.» Doch der Glanz des Toten reicht nicht aus für eigene Grösse, und so versteckt sich die Fanatikerin hinter Phrasen glorifizierten Heldentums: «An einem Helden ist alles verzeihlich, ausser der Schwäche.» Die religiöse Verzückung, mit der Erna die anderen Trauergäste (notfalls an den Haaren) zur Trauerfeier zerrt, schlägt um in Hysterie, als «sein» Andenken Kratzer bekommt. Noch so eifrig kann sie da seine Pokale polieren. Ein Arschloch sei er gewesen, sagt der Sohn (Philipp Motelli), dem im Schatten des Vaters kein Raum geblieben ist. Und die dümmliche Schönheitskönigin (Silvia Arnold) entlarvt ihn ungewollt als lüsternen Patriarchen. Nur die fragile Pflegerin Helene (Madlen Arnold) findet den Mut, den Helden loszulassen: «Flyyg dü jetzt», sagt sie, sie weiss: «'s lyyt y yysärä Händ.»

Also begeben sich die sieben Menschen auf die Suche nach dem Helden in der eigenen Brust. Es ist eine absurde, skurrile, eine tragische und ungeheuer komische Reise. Auf ihrem Weg balancieren die Protagonisten zwischen Momenten der Echtheit und Nähe und Augenblicken der Selbsttäuschung.

Manuela Kalbermatten

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Urner Zeitung.