Urner Schweinezüchter steht vor Gericht

Weil er drei kranke Ferkel zum Schlachthof gebracht haben soll, muss sich ein Schweinezüchter vor dem Urner Landgericht verantworten. Er beteuert, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben.

Carmen Epp
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Das Landgericht muss sich mit Ferkelhintern beschäftigen. (Bild: Pius Amrein, Juli 2016)

Das Landgericht muss sich mit Ferkelhintern beschäftigen. (Bild: Pius Amrein, Juli 2016)

Was am Dienstag vor dem Urner Landgerichtsvizepräsidium verhandelt wurde, war nichts für schwache Mägen. Gegenstand der Verhandlung waren drei Ferkel mit einem sogenannten Mastdarmvorfall – einem an sich bereits unappetitlichen Befund. Mehr noch: Bei einem der Ferkel soll der vorgefallene Darm bereits nekrotisch gewesen sein, also teilweise abgestorben, «ausgetrocknet, brösmelig und rissig», wie die Staatsanwältin veranschaulichte.

In diesem Zustand soll ein Urner Schweinezüchter im Februar 2016 die drei Ferkel zusammen mit 48 gesunden Tieren zu einem Schlachthof in Schwyz gebracht haben. Indem er zumindest das Ferkel mit dem nekrotischen Mastdarmvorfall über mehrere Tage nicht behandelt respektive es nicht früher geschlachtet oder getötet hat, habe er dem Tier unnötige Schmerzen zugefügt. Weiter bestehe bei einem Mastdarmvorfall die Gefahr, dass Krankheitserreger in den Blutkreislauf des Tieres gelangen, was die Qualität des Fleisches und damit auch die Gesundheit des Konsumenten gefährde. Der Beschuldigte habe die drei Ferkel auf dem Begleitdokument jedoch wieder besseren Wissens als gesund deklariert.

Die Staatsanwältin plädierte dafür, den Schweinezüchter wegen Tierquälerei und Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz sowie gegen Vorschriften über das Schlachten und die Fleischkontrolle zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 420 Franken sowie zu einer Busse von 2000 Franken zu verurteilen. Ausserdem soll er die Verfahrenskosten tragen.

Tierquälerei als absolutes No-Go

Der beschuldigte Schweinezüchter wies jede Schuld von sich. Er habe zweieinhalb Tage vor dem Schlachttermin bei drei seiner Ferkel einen Mastdarmvorfall festgestellt. Vor dem Transport ins Schlachthaus habe er noch Fieber gemessen und keine erhöhte Temperatur festgestellt. Danach habe er die drei Ferkel für den Transport nach Schwyz separiert und sie dort im Formular mit «Mastdarmvorfall 3 Stück» entsprechend deklariert. Er habe also nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Tierquälerei sei ein absolutes No-go, nicht nur moralisch, sondern auch finanziell. «Wenn ich wirtschaftlich handeln will, muss ich mit den Tieren gut umgehen. Etwas anderes gibt es gar nicht bei mir.» Alleine durch die Grösse und Ausstrahlungskraft seines Betriebs könne er sich den Vorwurf der Tierquälerei gar nicht leisten.

Dass das Ferkel, dessen vorgefallener Mastdarm bereits abgestorben sein soll, zu seinen Tieren gehört, bestritt der Schweinezüchter vor Gericht. Auf dem Foto, das dem Beschuldigten vor Gericht gezeigt wurde, seien weder Ohrenmarke noch Tätowierung zu erkennen. Das betonte denn auch die Verteidigerin des Schweinezüchters. Die Staatsanwältin könne nicht beweisen, dass das Ferkel mit dem angeblich bereits absterbenden Mastdarmvorfall, ihrem Mandanten gehöre. Schliesslich hätten sich bis zu 50 Tiere von verschiedenen Haltern in einer eingezäunten Bucht beim Schlachthof befunden.

Sollte das Gericht trotzdem zum Schluss kommen, das Ferkel habe dem beschuldigten Schweinezüchter gehört, so sei der Gesundheitszustand des Ferkels kritisch zu hinterfragen, so die Verteidigerin weiter. Der Grund: Während die Amtstierärztin in den Befragungen als Zeugin ein düsteres Bild des Gesundheitszustandes des Ferkels zeichnete, hatte sie vor Ort auf Massnahmen verzichtet. So müssten kranke Tiere von Gesetzes wegen von den gesunden separiert und so schnell wie möglich geschlachtet werden. Die Amtstierärztin habe aber nichts dergleichen veranlasst, sondern das Tier fünf Stunden bei den gesunden Ferkeln belassen, bevor es geschlachtet wurde. Auch auf eine mikrobiologische Fleischuntersuchung habe die Amtstierärztin verzichtet, obwohl eine solche bei einer Nekrose vorgeschrieben sei.

Staatsanwaltschaft habe Entlastendes ausgeblendet

Es würden sich demnach «extreme Zweifel» an der Glaubwürdigkeit der Amtstierärztin ergeben. Das hätte auch der Staatsanwältin auffallen müssen, befand die Verteidigerin. Überhaupt stellt sie der Staatsanwältin keine gute Noten aus. Sie habe Entlastendes systematisch ausgeblendet und unsorgfältig, ja gar flapsig gearbeitet. Für die Verteidigerin ist klar: Für ihren Mandanten kann nur ein Freispruch erfolgen. Das Gericht wird den Parteien das Urteil in den nächsten Tagen schriftlich im Dispositiv eröffnen.

Für den Schweinezüchter steht jetzt schon fest, dass er sich im Falle einer Verurteilung wehren wird. Dabei gehe es ihm nicht ums Geld, sondern um seinen Berufsstolz, der seit der Anklageerhebung stark angeschlagen sei: «Den Vorwurf der Tierquälerei kann und will ich so nicht im Raum stehen lassen!»