Tiertransporteure sollen künftig besser planen

Die Kantonspolizei Uri hat ein Merkblatt für Nutztiertransporte am Gotthard herausgegeben. Dabei bietet sie Hilfe an – wer die Ratschläge aber ignoriert, muss mit Sanktionen rechnen, wie Sicherheitsdirektor Moretti bestätigt.

Florian Arnold
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Die Urner Sicherheitsdirektion verweist darauf, dass Nutztiertransporte schonend und ohne unnötige Verzögerung durchzuführen sind. (Archivbild: Luzerner Zeitung)

Die Urner Sicherheitsdirektion verweist darauf, dass Nutztiertransporte schonend und ohne unnötige Verzögerung durchzuführen sind. (Archivbild: Luzerner Zeitung)

Im vergangenen Juni sah sich die Kantonspolizei Uri mit Kritik konfrontiert: Tiertransporteure hatten sich beschwert, dass ihnen die Ausweichroute auf die Kantonsstrasse bei Stau auf der Autobahn verweigert werde. Nach einer Aussprache mit verschiedenen Akteuren hat nun die Kantonspolizei Uri ein Merkblatt erstellt, wie gestern bekanntgegeben wurde.

Die Polizei zeigt darin auf, was es beim Transport von Nutztieren auf der Gotthard-Autobahn zu beachten gilt. «Die Kantonspolizei Uri hat mit dem Kantonstierarzt der Urkantone, dem Schweizerischen Tierschutz STS, dem Schweizer Bauernverband, dem Schweizerischen Viehhändler-Verband, dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag sowie dem Bundesamt für Strassen Astra erarbeitet, was beim Transport von Nutztieren auf der A2 am Gotthard beachtet werden muss», teilte die Urner Sicherheitsdirektion mit.

Diverse Vorschriften sollen eingehalten werden

«Es gelten die Grundlagen der Strassenverkehrs-, Tierseuchen- und der Tierschutzgesetzgebung sowie die Vollzugshilfe Tiertransport-Vorschriften der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte.»

Nutztiertransporte seien schonend und ohne unnötige Verzögerung durchzuführen. «Es ist insbesondere auf eine ausreichende Kühlung der Tiere durch Fahrtwind zu achten.» Folgende Punkte werden herausgestrichen:

  1. Zentral sind die Vorbereitungen von Seiten des Herkunftsbetriebes, des Sömmerungsbetriebes sowie des Transporteurs. Dazu gehören insbesondere die Planung der Fahrstrecke, die Festlegung des Transporttages und der Transportzeit.
  2. Es ist wenn immer möglich eine Fahrroute zu wählen, welche die neuralgischen Staugebiete meidet. Die San Bernardino-Route stellt oftmals eine valable Alternative dar.
  3. Es sind Transportzeiten zu wählen, welche ausserhalb der bekannten Stautage und -zeiten liegen. Für Transporte von Kühen sind die frühen Morgenstunden zu nutzen. Damit kann verhindert werden, dass es bei den Tieren zu einem Hitzestau kommt.
  4. Die Mitarbeiter der Kantonspolizei Uri helfen unter der Telefonnummer 041 874 53 53 bei der Festlegung der optimalen Fahrroute sowie bei der Bestimmung der Transportzeit.
  5. Sofern ein Nutztiertransport unvorhergesehen in einen Stau gerät und dabei eine Notsituation entsteht, bietet die Kantonspolizei Uri Hand zu Lösungen.
  6. Keine Option für Nutztiertransporte bildet die Kantonsstrasse zwischen Amsteg und Göschenen. Auf dieser gilt für Lastwagen ein Fahrverbot.

Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti nimmt Stellung zu einigen Fragen:

Urner Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti. (Bild: PD)

Urner Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti. (Bild: PD)

Die Tiertransporte waren im Juni ein Thema in den Medien. Wäre ohne Druck der Medien kein Merkblatt ausgearbeitet worden?

Die beiden Ereignisse im Mai und im Juni haben in den Medien hohe Wellen geschlagen. Dies war folglich der Auslöser, dass sich alle betroffenen Akteure an einen Tisch gesetzt und ihre Anliegen und Interessen geäussert haben.

Welche Forderungen wurden dabei seitens der Tierhalter eingebracht?

Es war und ist das Anliegen aller Beteiligten, dass Nutztiertransporte schonend und ohne unnötige Verzögerung durchgeführt und die gesetzlichen Grundlagen eingehalten werden. Im erarbeiteten Merkblatt konnten die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden. Ich und auch alle anderen Akteure sind sehr zufrieden, dass in dieser Angelegenheit eine so gute, einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte.

Müssen Tierhalter mit Sanktionen rechnen, wenn sie sich künftig nicht an das Merkblatt halten?

Sollte ein Transporteur unvorhergesehen in einen Stau geraten, bietet die Kantonspolizei Uri Hand für eine Lösung. Wird jedoch festgestellt, dass die Notlage entstanden ist, weil die notwendigen Vorbereitungshandlungen nicht getroffen worden sind und auch keine Absprache mit der Kantonspolizei stattgefunden hat, werden wir Anzeige erstatten müssen. Denkbar wäre zudem auch ein Kostenersatz aufgrund des besonderen Aufwands der Kantonspolizei.

Nach wie vor gilt das LKW-Verbot auf der Kantonsstrasse. Was ist der Grund dafür – immerhin verkehren auch Postautos auf der Strecke?

Das Verbot auf der Kantonsstrasse gilt für alle schweren Motorwagen zum Sachentransport mit der Zusatztafel «Anlieferung gestattet bis ...». Der Grund für die genannte Fahrbeschränkung ist äusserst vielschichtig, so geht es etwa um die Lebensqualität in den betroffenen Gemeinden. Die Kantonsstrasse soll nicht als Ausweichstrecke für den Schwerverkehr dienen. Weitere Gründe sind die kantonsinterne Erschliessung mit privaten und öffentlichen Verkehrsmitteln, die grösstmögliche Verfügbarkeit des Strassennetzes, das Freihalten der einzigen Notfall- und Rettungsachse oder, aber nicht zuletzt, auch der betriebliche Unterhalt.

Und wie wird dann Hand geboten, wenn das Ausweichen auf die Kantonsstrasse keine Alternative darstellt?

Sollte ein Transporteur unvorhergesehen etwa wegen eines Unfalls in einen Stau geraten, könnte die Kapo Uri den Transport aus dem Stau begleiten, zum Beispiel via Rettungsgasse.