Tourismus 2020
So massiv bremst Corona die Hotels im Kanton Uri

2020 gab es im Kanton Uri 50'000 Übernachtungen weniger als im Vorjahr. Ausländische Gäste fehlten. Dafür stürmten die Schweizer den Bergkanton im Sommer und Herbst. Touristiker sprechen von einer Chance.

Anian Heierli
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Schönreden kann man die Situation nicht. Die Coronapandemie führte im Kanton Uri zu einem deutlichen Rückgang der Logiernächte. Gemäss Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) gab es im Jahr 2020 rund 50'000 Übernachtungen weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 16,4 Prozent.

Aus einer gemeinsamen Mitteilung der Uri Tourismus AG und der Andermatt-Urserntal Tourismus GmbH geht jedoch hervor, dass es innerhalb des Kantons grosse regionale Unterschiede in Bezug auf den Rückgang gibt. Gemessen an den Logiernächten war die Ferienregion Andermatt nahezu krisenresistent: Trotz Corona gab es in der Hotellerie rund 180'000 Übernachtungen. Gegenüber 2019 entspricht das einem Minus von 5 Prozent. «Positiv hervorheben möchte ich, dass im Dorf Andermatt die Logiernächte lediglich um 0,5 Prozent zurückgegangen sind», so der zuständige Tourismusdirektor Thomas Christen.

Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen: In der Ferienregion Andermatt gingen die Logiernächte lediglich um 5 Prozent zurück.

Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen: In der Ferienregion Andermatt gingen die Logiernächte lediglich um 5 Prozent zurück.

Bild: PD

Im Oktober kamen 18 Prozent mehr Gäste als 2019

Vor dem Hintergrund der Pandemie nennt er diesen marginalen Rückgang der Gästezahlen sogar «ausgezeichnet». Thomas Christen erklärt: «Während des Lockdowns im März und April 2020 hatten wir 50 und 95 Prozent weniger Gäste. Das zeigt, wie stark die Auslastung im Sommer und Herbst gewesen ist.» Tatsächlich habe es im Juni, September und November einen Zuwachs von 13 Prozent gegeben. Im Oktober waren es sogar 18 Prozent.

Thomas Christen, Tourismusdirektor von Andermatt, sagt: «Wer das Meer liebt, wird wohl auch in Zukunft wieder in den Süden fahren.»

Thomas Christen, Tourismusdirektor von Andermatt, sagt: «Wer das Meer liebt, wird wohl auch in Zukunft wieder in den Süden fahren.»

Bild: PD

Das Coronajahr erschwerte die Ein- und Ausreisebedingungen an der Landesgrenze. Das führte dazu, dass mehr Schweizer im Kanton Uri Ferien machten, während die Zahl der Gäste aus dem Ausland zurückging. In der Ferienregion Andermatt übernachteten 130'000 Schweizer, was einer Zunahme von 15'000 Logiernächten oder 13 Prozent entspricht. Das freut den Tourismusdirektor Thomas Christen. Dennoch glaubt er nicht, dass sämtliche neu gewonnenen Schweizer Gäste nach überstandener Pandemie wieder kommen. «Wer das Meer liebt, wird wohl auch in Zukunft wieder in den Süden fahren», sagt er. Seine Einschätzung:

«Wenn sich die Coronalage beruhigt, gleicht sich das Verhältnis zwischen einheimischen und ausländischen Touristen wohl wieder an Vorjahre an.»

Deutlich härter trifft die Pandemie das Urner Unterland. Für diese sogenannte Ferienregion Uri gab es im Jahr 2020 bei den Logiernächten ein Minus von 36 Prozent. Insgesamt waren es 70'000 Übernachtungen. Auch hier gibt es grosse regionale Unterschiede. Laut Maurus Stöckli, Geschäftsführer der Uri Tourismus AG, sind die Gemeinden Spiringen und Unterschächen beste Beispiele dafür. Hier habe man sogar eine Zunahme der Logiernächte festgestellt, sie lag im einstelligen Prozentbereich.

Dank den temporären Stellplätzen für Wohnmobile verzeichnete Unterschächen trotz Corona mehr Übernachtungen.

Dank den temporären Stellplätzen für Wohnmobile verzeichnete Unterschächen trotz Corona mehr Übernachtungen.

Bild: Christian Tschümperlin (21. Juli 2020)

Laut Stöckli führte unter anderem das Projekt Temp Camp im Schächental zu den steigenden Übernachtungen. Im Rahmen des Projekts wurden zusätzliche temporäre Stellplätze für Wohnmobile und Campingbusse geschaffen. «Allein in Unterschächen gab es dadurch im Sommer während 3 Monaten zusätzlich 10 Stellplätze», sagt Stöckli. Die Auswertungen des Projekts hätten gezeigt, dass 50 Prozent der Camper sicher wieder im Kanton Uri Ferien machen wollen.

Maurus Stöckli, Geschäftsführer der Uri Tourismus AG, sieht in der Pandemie sogar Chancen.

Maurus Stöckli, Geschäftsführer der Uri Tourismus AG, sieht in der Pandemie sogar Chancen.

Bild: PD

Stöckli sieht insofern die Pandemie sogar als Chance, die Region bei Schweizer Touristen bekannter zu machen. Dafür brauche es eine gute Kommunikation. Als Beispiel dafür nennt er den Weitwanderweg Via Alpina, der nicht nur quer durch Europa, sondern auch durch den Kanton Uri führt. Etappen sind der Urner Boden, Altdorf und Engelberg. So vermarktete Schweiz Tourismus die Via Alpina. Und auch Moderator Nik Hartmann wanderte für die TV-Show «SRF bi de Lüt» 2019 die Route ab. «Das spürten wir 2020», sagt Stöckli. «Es gab mehr Wanderer, die entlang der Strecke übernachteten.»

Einbruch bei den Reisegruppen

Camper, Wanderer und Surfer besuchten im Sommer zahlreich das Urner Unterland. Übers ganze Jahr deutlich zurückgegangen sind dafür geschäftliche Übernachtungen und ausländische Reisegruppen. Stöckli sagt:

«Der Einbruch bei Hotels, die auf ausländische Gruppen spezialisiert sind, ist mit 50 bis 90 Prozent enorm.»

Maurus Stöckli und Thomas Christen schauen insgesamt aber positiv in die Zukunft. «Die Schweizer haben ihr eigenes Land entdeckt, was wir an den vermehrten französischsprachigen Gästen feststellten», sind sie sich einig. Trotz der fehlenden ausländischen Touristen blicke man verhalten optimistisch in die Zukunft. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»