TOURISMUS-RESORT: Andermatt: Es wird sich sehr vieles verändern

Das Sawiris-Feriendorf soll dem Kanton Uri einen jährlichen Mehrumsatz von 500 Mio. Franken bescheren, prognostiziert der Regierungsrat. Es gibt aber auch Probleme zu bewältigen.

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Blick auf das heutige Andermatt. (Bild Keystone)

Blick auf das heutige Andermatt. (Bild Keystone)

«Die Grössenordnung der Auswirkungen von Bau und Betrieb des Tourismusresorts ist enorm», heisst es in der Antwort des Regierungsrats auf die Interpellation von Max Clapasson. Falls dieses wie geplant realisiert werde, dürfte für die Urner Volkswirtschaft ein «ausserordentlicher Wachstumsimpuls» resultieren.

10% mehr Umsatz als heute
Im Vollbetrieb ergebe sich bei einer durchschnittlichen Bettenauslastung von 53% gegenüber heute ein prognostizierter Mehrumsatz von jährlich 500 Mio. Franken, was einer Zunahme von gut 10% aller heutigen Umsätze im Kanton Uri entspricht.

Laut einer Studie werden durch das Tourismusresort Andermatt pro Jahr zirka 260 Millionen Franken Wertschöpfung geschaffen, was rund 17% der aktuellen Wertschöpfung des Kantons Uri entspricht.

35% mehr Arbeitsplätze
Zudem würden bis zu 4900 neue Arbeitsplätze geschaffen, was rund 35% der aktuell vorhandenen Arbeitsplätze in Uri entspricht.

Wird das Tourismusresort nach aktuellem Kenntnisstand realisiert, beläuft sich der zusätzliche jährliche Gesamtsteuerertrag (Gemeinde-, Kantons- und Kirchensteuer) bei Endausbau nach geltendem Steuergesetz auf mutmasslich 23,4 Mio. Franken, heisst es weiter.

Gastgewerbe profitiert am meisten
Eine spezifische Aussage zu den besonders nachgefragten Berufsgattungen und Qualifikationsprofilen sei derzeit noch nicht möglich. Für den eigentlichen Bau des Resorts sind vor allem Bauleute gefragt. Vom grössten absoluten Umsatzzuwachs mit rund 237 Mio. Franken dürfte das Gastgewerbe profitieren, was vor allem mit den Ausgaben der Resort-Gäste für Übernachtung und Verpflegung begründet werden kann.

Obschon viele der prognostizierten Veränderungen die Funktionsfähigkeit der jeweiligen Märkte betreffen und in erster Linie durch die privaten Akteure auf diesen Märkten anzugehen sind, sieht der Regierungsrat daneben auch staatlichen Handlungsbedarf. Im Vordergrund stehe die Konzentration auf die Bereitstellung optimaler staatlicher Rahmenbedingungen; konkrete, direkte Markteingriffe oder der Auftritt des Staates als Marktteilnehmer seien nicht opportun.

«Starke und nachhaltige Beeinflussung»
Die Anzahl Arbeits- und Übernachtungsplätze ist im Verhältnis zu den heute bestehenden Einwohner-, Arbeitsplatz- und Bettenzahlen hoch. Das bestehende soziale Gefüge wird durch das Tourismusresort «stark und nachhaltig» beeinflusst, heisst es weiter. Die sozialen und kulturellen Effekte, die in verhältnismässig kurzer Zeit (schon nach wenigen Jahren) eintreten, stellten für den Regierungsrat Herausforderungen dar. Diese seien vom Kanton – gemeinsam 10 und in enger Kooperation mit den betroffenen Gemeinden – anzugehen.

Eine umfassende Strategie zur Integration der Arbeitskräfte im Umfeld des Resorts liege bislang nicht vor, heisst es in der Antwort zu einer Interpellation betreffend Integration und Wohnform von Urs Dittli. Zu vieles sei momentan noch unklar und offen.

Uri wird jünger und ausländischer
Mit der Zuwanderung vorwiegend jüngerer Arbeitnehmenden wird die Altersstruktur der Gesamtbevölkerung verjüngt. Die Realisierung des Resorts und der damit verbundene Zuzug von neuen Arbeitnehmenden mit ihren Familien wirkten sich günstig auf die Demografie aus. Durch den Betrieb wird der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung in der Urner Gesellschaft steigen. Eine Studie rechnet damit, dass gesamthaft rund 2050 ausländische Personen durch den Resortbetrieb nach Uri ziehen. Damit würde der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung von 8.5 Prozent im Jahr 2006 auf über 12% nach voller Inbetriebnahme des Resorts steigen.

Eine starke Zuwanderung von jungen Familien führt dazu, dass die Zahl der Kinder im Schulalter zunimmt. Dies könne zum einen Auswirkungen auf die Bildungsinfrastruktur (Schulräume, Lehrpersonal), zum andern Einfluss auf die Bildungsinhalte haben. Der Erwerb von Sprache ist ein Schwerpunkt der Bundesförderung. Es werde notwendig sein, die Situation vor allem bei der gestaffelten Aufnahme des Betriebs vor Ort in den betroffenen Gemeinden genau und bewusst zu verfolgen und darauf gestützt die notwendigen Massnahmen einzuleiten.

Familien sollen sich ansiedeln
Eine grosse Herausforderung wird gemäss der Medienmitteilung darin bestehen, dafür zu sorgen, dass neue Erwerbstätige auch im Kanton Uri Wohnsitz nehmen: «Dazu genügt es wohl nicht, nur den notwendigen Wohnraum zu schaffen.» Um auch für Familien attraktiv zu sein, bei denen beide Elternteile erwerbstätig sind, müssten bedarfsgerechte Tagesstrukturen zur Verfügung gestellt werden.

Mit der Realisierung und dem Betrieb des Resorts wird die Nachfrage nach Wohnraum stark ansteigen. Im heutigen Zeitpunkt sei der dadurch ausgelöste Wohnungsbedarf allerdings schwierig abzuschätzen, da das Ausmass davon abhängt, wo die zusätzlich Beschäftigten ihren Wohnsitz haben bzw. welche Wohnform diese Beschäftigten wählen. Insgesamt rechnet die Studie für die Unterbringung der Beschäftigten und ihrer Angehörigen mit einem Bedarf von rund 3700 Wohnungen.

Medizinische Versorgung gewährleisten
Die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion prüft gegenwärtig in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Uri Möglichkeiten, wie der Rettungsdienst sowie die medizinische Grundversorgung im Urserntal dem künftig erhöhten Bedarf angepasst werden können, heisst es in einer Interpellation betreffend die medizinische Versorgung, das Bildungswesen und die Sicherheit von Anita Schuler.

scd