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Traditionshaus Alte Post in Wassen schliesst im Dezember

Wassen verliert weitere 45 Hotelbetten. Für die «Alte Post» konnte weder eine familieninterne Nachfolgeregelung noch ein Käufer gefunden werden.
Bruno Arnold
Das Traditionshaus Alte Post an der Gotthardstrasse in Wassen beherbergt viele Stammgäste und Durchreisende. (Bild: Lucien Rahm, 17. September 2019)

Das Traditionshaus Alte Post an der Gotthardstrasse in Wassen beherbergt viele Stammgäste und Durchreisende. (Bild: Lucien Rahm, 17. September 2019)

Die «Alte Post» in Wassen zählt nicht nur zu den ältesten Gasthäusern im Kanton Uri, sondern wegen seiner Bauart und der Blumenpracht unter den Fenstern wohl auch zu den am meisten fotografierten. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende rustikale Haus diente zur Zeit des Säumerverkehrs über den Gotthardpass als Zoll- und Susthaus. Seit rund 50 Jahren ist die «Alte Post» im Besitz der Familie Arnold. Karl Arnold-Huber («Staldiger Kari») erwarb das Hotel damals von seinem Bruder Hans. 1992 ging der Betrieb in den Besitz von Karl Arnolds Sohn Hanspeter und von Schwiegertochter Marie-Claire Arnold-Bayard über.

Diese Familientradition dürfte nun aber zu Ende gehen. «Mitte Dezember höre ich auf», sagt Marie-Claire Arnold-Bayard, die Besitzerin und Betreiberin des Hotels Alte Post an der Gotthardstrasse in Wassen.

«Der Schritt tut weh, er ist aber unumgänglich.»

Seit Mitte der 1970er-Jahre ist die «Alte Post» ihr Arbeitsort. Seit dem völlig unerwarteten Tod ihres Mannes Hanspeter Arnold im November 2007 führt die 61-jährige Wirtin das Traditionshaus in Eigenregie. Immer wieder hat sie in den vergangenen vier Jahren vom Aufhören gesprochen, weil ihr die alleinige Verantwortung und die immer schwieriger werdende Suche von geeignetem Personal zu anstrengend geworden sind. Und doch hat sie das Traditionshaus im Frühjahr jeweils wieder geöffnet, um die vielen Stammgäste sowie die grosse Zahl von Durchreisenden aus dem In- und Ausland zu beherbergen und zu bewirten.

Tochter und Sohn gehen eigenen beruflichen Weg

«Eine familieninterne Nachfolgeregelung ist nicht zu Stande gekommen», bedauert die gebürtige Walliserin die aktuelle Situation. «Meine beiden Kinder gehen ihren eigenen Weg und wollen den Betrieb nicht weiterführen.» Eine Verpachtung war für Marie-Claire Arnold nie ein Thema. «In unserer Branche gibt es diesbezüglich zu viele negative Beispiele», begründet sie diesen Entscheid. In der Vergangenheit hat sie deshalb unzählige Gespräche mit potenziellen Käufern geführt. Ohne Erfolg.

Die Besitzerin ist allerdings nach wie vor überzeugt: «Ein Paar, das selber Verantwortung in der Küche respektive an der Front übernimmt, kann sich in der ‹Alten Post› eine gute Existenz aufbauen und längerfristig erfolgreich wirken.» Das sehen auch Gastro-Insider so. Ein Kenner der Situation in Uri erachtet es als «durchaus realistisch, dass im Traditionshaus in Wassen ein ansehnlicher Jahresumsatz erwirtschaftet werden kann, vor allem, wenn das Haus auch im Winter offen ist.» Neben dem Verkauf wurden aber auch Lösungen für eine andere Nutzung der ‹Alten Post› ins Auge gefasst – von der Verwendung der Zimmer als Unterkunft für Personal der Betriebe im Tourismusresort Andermatt bis hin zur temporären Vermietung der Räumlichkeiten im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels. Bisher ebenfalls ohne Ergebnis.

«Schliessungen sind nicht zu verhindern»

(bar) Günstige Hotelzimmer werden in Wassen ab 2020 also noch rarer sein, nachdem in jüngster Vergangenheit bereits drei andere Gastrobetriebe ihr diesbezügliches Angebot eingestellt haben. Thomas Christen, Direktor der Andermatt-Urserntal Tourismus GmbH, welche auch für die Vermarktung der Wassner Angebote sorgt, bedauert diese Entwicklung: «Selbstverständlich stimmt es mich traurig, wenn innerhalb der Ferienregion Andermatt traditionelle Häuser ihre Pforten schliessen, Betten wegfallen und Restaurationsbetriebe vor einer ungewissen Zukunft stehen», schreibt er auf Anfrage. «Gerne hätten wir das Ei des Kolumbus gefunden, um den Gemeinden und den Hoteliers damit eine perfekte Nachfolgelösung bieten zu können. Doch auch Aladins Zauberstab liegt nicht in unseren Händen.»

Für Christen glänzt das Urner Oberland mit einem tollen Übernachtungsangebot – vom Campingplatz über die Berghütte bis hin zum Fünfsternehotel. Jeder Gast wähle seine Unterkunft nach Kriterien wie Erreichbarkeit, Preis, Sport- und Kulturangebot, Erholungsfaktor et cetera aus. «Auch wenn wir uns das nicht immer gerne eingestehen: Ohne diese Möglichkeiten für den zahlenden Kunden werden Schliessungen nicht zu verhindern sein, und da reichen auch ein bis zwei Events pro Jahr nicht», so Christen.

«Das mag für Andermatt gelten», hält Marie-Claire Arnold fest. «Aber da die Hotelbetriebe in den drei Gemeinden des Urner Oberlands einen Grossteil des Umsatzes mit Übernachtungen während des sommerlichen Reiseverkehrs erwirtschaften, wird jedes Bett fehlen.» Verloren gehe aber auch ein weiterer Treffpunkt für die Dorfbewohner und die Vereine.

Anforderungen werden immer anspruchsvoller Auch Joe Herger, Präsident von Gastro Uri, verfolgt die Entwicklung im Unterland sowie im Reusstal mit Besorgnis. «Ich bedaure jede Schliessung», sagt der Attinghauser Krone-Wirt, «zumal es sich keineswegs um eine Gesundschrumpfung handelt. Im Gegenteil: Diese Betriebe fehlen merklich.» Anderseits habe er Verständnis für einen solchen Entscheid, da die Anforderungen und der Aufwand – gerade in Hotelbetrieben – immer anspruchsvoller würden und enorme Präsenzzeiten erfordere. «Ein Patentrezept kann aber auch Gastro Uri nicht anbieten», so Herger. Zudem sei es gerade für junge und motivierte Leute schwierig, einen Betrieb zu erwerben, da die Finanzierung immer schwieriger werde.

Der Entscheid der Besitzerin ist «unwiderruflich»

Heisst das nun: Marie-Claire Arnold-Bayard wird erneut über den eigenen Schatten springen und ab Frühjahr 2020 eine weitere Saison in der «Alten Post» anhängen? «Nein!», erklärt sie energisch.

«Jetzt ist endgültig Schluss. Im Dezember findet die ‹Üsstrinketä› statt, und danach drehe ich den Schlüssel endgültig. Unwiderruflich.»

Darauf deutet auch die Bemerkung in den E-Mail-Antworten hin: «Für das Jahr 2020 nehmen wir keine Reservationen entgegen. Falls sich keine Lösung abzeichnet, wird das Hotel per Ende 2019 geschlossen.»

Das Beizensterben ist seit geraumer Zeit in der ganzen Schweiz Thema. Veränderte Konsumgewohnheiten und Abwanderung sind der Grund. Für das Gemeindeleben ist die Schliessung eines Traditionshauses aber ein arger Verlust. Und so gibt es auch einige bislang erfolgreiche Rettungsversuche, so etwa in Spiringen, Freienwil (AG) oder Detligen (BE). Dort haben sich engagierte Dorfbewohner in einer Aktiengesellschaft, in Vereinen oder Interessengemeinschaften zusammengetan, um so das nötige Geld und Potenzial für den Weiterbetrieb ihrer Beiz aufzubringen.

Gemeinderat Wassen hat bislang keine Anfrage erhalten

Auf derartige Aktivitäten angesprochen, hält der Wassner Gemeindepräsident Felix Ziegler gegenüber der «Urner Zeitung» fest, dass der Gemeinderat die Entwicklung des Gastgewerbes im Dorf allgemein mit Sorge verfolge. Zur drohenden Schliessung der «Alten Post» meint er: «Der Gemeinderat Wassen hat bis heute keine Anfrage im Zusammenhang mit der Zukunft des Hotels erhalten. Sollte eine schriftliche Anfrage an den Gemeinderat Wassen eingehen, wird sich dieser selbstverständlich um eine mögliche Lösung im Rahmen seiner Befugnisse und Zuständigkeiten bemühen.»

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