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Tragischer Unfall in Schattdorf stellt Gericht vor schwierige Schuldfrage

Ein Siebenjähriger springt auf die Strasse, wird von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Hätte der Fahrer die Gefahr vorhersehen und das Tempo anpassen müssen? Oder trifft ihn keine Schuld? Diese Fragen muss nun Landgerichtsvizepräsident Heinz Gisler als Einzelrichter beantworten.
Carmen Epp

Kurz vor Weihnachten 2016 veränderte sich das Leben eines Buben in Schattdorf schlagartig und für immer: Auf dem Heimweg von der Schule sprang der damals Siebenjährige vom Trottoir auf die Strasse, wo er von einem Auto erfasst und dabei schwer lebensgefährlich wurde. Wie durch ein Wunder überlebte der Bub den Unfall. Nach 17 Tagen auf der Intensivstation musste er sich vier Operationen unterziehen und während 14 Monaten in der Reha-Klinik stationär behandelt werden, um wieder sprechen, essen und laufen zu lernen.

Nun muss sich der damals 19-jährige Fahrer, der den Knaben mit seinem Auto erfasst hatte, vor Landgericht wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft Uri fordert eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und eine Busse von mindestens 675 Franken. Ausserdem soll der Beschuldigte die amtlichen Kosten von über 11'200 Franken tragen.

«Albtraum aller Eltern und Autofahrer»

An der Verhandlung vor Landgerichtsvizepräsident Heinz Gisler vom Dienstag, 26. März, wurde schnell klar: Sowohl das Schicksal des Buben als auch jenes des Fahrers machen betroffen. Staatsanwältin Beatrice Kolvodouris bezeichnete den Unfall denn auch zutreffend als «Albtraum, sowohl aller Eltern als auch aller Autofahrer». Doch auch wenn der Unfall anderen Verkehrsteilnehmern ebenso hätte passieren können, entbinde ihn das nicht von seiner Verantwortung, so Kolvodouris.

Gemäss Unfallgutachten sei der Beschuldigte zwar im Rahmen der erlaubten Innerorts-Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Trotzdem hätte er das Tempo drosseln sollen, als er die Kinder auf dem Trottoir gesehen habe. Bei Kindern im Strassenverkehr müsse man schliesslich jederzeit mit allem rechnen, so die Staatsanwältin. Statt das Tempo anzupassen, sei der Beschuldigte mit 47 bis 50 km/h mit dem Knaben kollidiert. Dabei hätte der Zusammenprall gemäss Unfallgutachten gar vermieden werden können, wenn das Tempo auf 36 Stundenkilometer gedrosselt worden wäre.

Für Kolvodouris steht fest: Der Fahrer hat die Folgen seines Verhaltens «aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf keine Rücksicht genommen», weshalb er zu bestrafen sei.

Bub leidet noch immer unter den Folgen

Die Eltern des Buben verlangen als Privatkläger vom Beschuldigten eine Entschädigung von knapp 15'000 Franken. Obwohl der Unfall nun über zwei Jahre zurück liegt und er inzwischen wieder zu seinen Eltern und den zwei jüngeren Brüdern nach Schattdorf zurückkehren konnte, leide der Bub noch immer unter den Folgen des Unfalls, führte der Anwalt der Privatklägerschaft aus. So sei er zum Gehen auf eine Schiene angewiesen, habe mit Spastiken zu kämpfen und bleibe wohl einseitig gelähmt.

Aufgrund der Verletzung des Nackens könne er bei einem Sturz nach wie vor querschnittgelähmt werden, so der Anwalt der Privatklägerschaft weiter. Trotzdem hegten die Eltern und auch der Bub keinen Hass auf den Beschuldigten. «Fehler können passieren», so der Anwalt. «Dass er sein Fehlverhalten bis heute nicht einsieht, ist unverständlich.»

Verteidiger sieht die Schuld beim Buben

Das wollte der Verteidiger des Fahrers nicht gelten lassen. Sein Mandant habe sich nicht falsch verhalten und sei deshalb freizusprechen, die Kosten seien dem Staat aufzuerlegen.

Natürlich sei der Unfall tragisch gewesen, hielt der Verteidiger fest. «Er wäre aber vermeidbar gewesen, wenn der Bub sich korrekt verhalten hätte.» Anders als die Staatsanwaltschaft behauptet, habe sein Mandant nicht voraussehen können, dass der Siebenjährige plötzlich auf die Strasse rennen könnte. Vielmehr könne man davon ausgehen, dass auch Kinder wissen, dass die Strasse den Autos und das Trottoir den Fussgängern gehöre. «Es tut mir leid, was passiert ist», sagte der Beschuldigte. «Aber ich habe das nicht kommen sehen.»

Das Urteil wird den Parteien im Dispositiv zugestellt.

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