Geschäftsbericht
Trotz eines erfolgreichen Sommers fehlten der Treib-Seelisberg-Bahn die Gäste

Die sehr guten Sommermonate vermochten das Defizit in der Kasse im letzten Jahr nicht zu kompensieren. Es fuhren 42'000 Gäste weniger zum Seelisberg.

Christoph Näpflin
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Die Treib-Seelisberg-Bahn stand im letzten Jahr an 77 Tagen still und musste einen Gästerückgang von 42 Prozent in Kauf nehmen.

Die Treib-Seelisberg-Bahn stand im letzten Jahr an 77 Tagen still und musste einen Gästerückgang von 42 Prozent in Kauf nehmen.

Bild: Christoph Näpflin

Seit 105 Jahren verkehrt die romantische Standseilbahn von Treib zum Seelisberg. Sie erschliesst nicht nur das Bergdorf über dem Urnersee ganzjährig, sondern wird auch von vielen Ausflugs- und Feriengästen benützt. Die Bergbahn verkehrt von 06.32 Uhr am Morgen bis 19.00 Uhr am Abend und vermittelt so zu und von jedem Schiffskurs in Treib einen Anschluss. Übers Jahr sind das fast 10'000 Fahrten oder 11'500 Kilometer Fahrleistung. Nebst den ordentlichen Revisionsarbeiten war der Bahnbetrieb im März zusätzlich für die Erneuerungen des 33-jährigen Zugseils sowie die Schienenaufleger in der Tal- und Bergstation ausser Betrieb. In dieser Zeit verkehrte ein Kleinbus zwischen Treib und Seelisberg. Zusammen mit dem durch die Pandemie bedingten Betriebsstopp war die Bahn im letzten Jahr 77 Tage lang überhaupt nicht im Einsatz. Eine Situation, welche es noch nie so gegeben hat. Da Schiff und Bergbahn vom 20. März bis zum 4. Juni 2020 stillstanden, konnte der öffentliche Verkehr von Seelisberg auf die andere Seeseite in Zusammenarbeit mit dem Kanton Uri mit dem TSB-Kleinbus zwischen Seelisberg und Flüelen Bahnhof sichergestellt werden.

Das Gästeumfeld wurde auf den Kopf gestellt

Die Pandemie stellte im letzten Jahr neue Regeln für den Gästeverkehr auf. Ausländische Gäste und Gruppenreisende, welche vor allem bei wechselhafter Witterung für eine gute Grundauslastung sorgen, fielen mehr oder weniger ganz weg. Dafür gab es mehr Einzelgäste aus der ganzen Schweiz, speziell aus der Romandie, welche in den Sommermonaten für einen sehr guten Betrieb sorgten. Dennoch konnten diese sehr erfolgreichen Sommermonate die Ausfälle in den Frühlingsmonaten nicht kompensieren. Zum Jahresende waren 42 Prozent oder 42'000 Fahrgäste weniger mit der Bergbahn unterwegs als in den Vorjahren mit entsprechender Auswirkung auf den Verkehrsertrag. «Dank einer Kurzarbeitsentschädigung für den Tourismus-Betriebsteil der Treib-Seelisberg-Bahn AG während der Betriebseinschränkungen sowie einem Covid-Kredit konnten wir die Liquidität sicherstellen und auch unsere langjährigen Mitarbeitenden das ganze Jahr hindurch weiter entlöhnen», erklärte Verwaltungsratspräsidentin Barbara Merz Wipfli die spezielle Situation.

Das Zugseil der Bahn ist ersetzt worden.

Das Zugseil der Bahn ist ersetzt worden.

Bild: Christoph Näpflin

Neues Zugseil und Erneuerung der beiden Stationen

Nach 33 Jahren im Einsatz wurde im Frühjahr 2020 das Zugseil der Treib-Seelisberg-Bahn ausgewechselt. Das alte Zugseil erfüllte bis am Schluss die Sicherheitsanforderungen und konnte für Hilfsprojekte beim Bau von Hängebrücken weiter verwendet werden. Neu ruhen die beiden Bahnwagen in den Stationen auf einer Stahl- statt Betonkonstruktion.

«Diese Arbeiten konnten glücklicherweise gerade noch vor dem Beginn der Pandemie fertiggestellt werden. Zusammen mit dem Zugseil hat die Treib-Seelisberg-Bahn AG in dieses Projekt 300'000 Franken investiert»,

fasste Barbara Merz Wipfli den Aufwand dafür zusammen. Trotz der verschiedenen Massnahmen zur Kosteneinsparung und der Einführung von neuen Angeboten wie der «Geschichtsreise Seelisberg-Rütli» hinterlässt das Pandemiejahr ein Loch von 39'000 Franken in der Jahresrechnung 2020. «Mit etwas Wetterglück und weiter sinkenden Zahlen bei den Ansteckungen sind wir zuversichtlich, dass dieses Jahr deutlich besser wird als das Vorjahr» ist die Verwaltungsratspräsidentin überzeugt.