TRIATHLON: Ein Härtetest der speziellen Art

Die Ausdauerspezialistin Trix Zgraggen (47) stellt sich einer neuen Herausforderung. Die Altdorferin startet an der Premiere eines ganz besonderen Wettkampfs.

Urs Hanhart
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Nach fast zehnmonatiger Pause zurück auf der Wettkampfbühne: die 47-jährige Trix Zgraggen aus Altdorf. (Bild: Urs Hanhart)

Nach fast zehnmonatiger Pause zurück auf der Wettkampfbühne: die 47-jährige Trix Zgraggen aus Altdorf. (Bild: Urs Hanhart)

Genau vor einem Jahr hat Trix Zgraggen in sensationeller Weise als erste Schweizerin das «Race across America» für sich entschieden. Bei ihrem Parforceritt von der West- zur Ostküste der USA über fast 5000 Kilometer fuhr die Altdorferin die Konkurrenz in Grund und Boden. Nur wenig später eroberte die 47-jährige Urnerin bei der Tortour, dem längsten Nonstop-Radrennen in der Schweiz, in neuer persönlicher Bestzeit den 2. Platz. Danach beendete Zgraggen ihre überaus erfolgreiche Ultracycling-Karriere. Mittlerweile ist die zähe Vollblutathletin wieder zu ihren sportlichen Wurzeln zurückgekehrt. Anfang Juli bestreitet die Altdorferin den Gigathlon – ein Wettkampf, den sie vor ihrem Umstieg ins Lager der Radspezialistinnen schon zweimal (2004 und 2006) gewonnen hatte.

Formtest der Superlative

Zgraggen hat seit fast zehn Monaten kein Rennen mehr absolviert und sich vollständig auf das Training konzentriert. Als einzigen und gleichzeitig letzten Formtest im Hinblick auf den Gigathlon hat sich die gelernte Servicefachfrau ein besonderes Rennen ausgesucht. Sie startet am Swissman-Triathlon, der morgen seine Premiere erlebt. Bei dieser Erstauflage dürfen lediglich 50 ausgewählte Topcracks teilnehmen, darunter Zgraggen als einzige Urnerin. Der Swissman beinhaltet die klassische Ironman-Distanz (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen), führt jedoch über eine brutal harte Strecke. Auf dem Weg von Brissago bis zur Kleinen Scheidegg gilt es, nicht weniger als 5000 Höhenmeter zu überwinden. Die Radstrecke von Ascona nach Brienz hat es ganz besonders in sich, müssen doch die Teilnehmer mit dem Gotthard, der Furka und dem Grimsel gleich drei hohe Alpenpässe erklimmen. Und auch der abschliessende Marathon ist alles andere als ein Zuckerlecken. Es handelt sich um einen veritablen Berglauf.

«Der Swissman-Triathlon ist eine tolle neue Herausforderung. Ich freue mich sehr auf diesen Wettkampf», verrät Zgraggen, warnt aber zugleich vor übertriebenen Erwartungen: «Ganz vorne werde ich in diesem illuster besetzten Feld nicht mithalten können. Ich habe mich drei Jahre lang komplett auf das Radfahren konzentriert. Deshalb fehlt mir in den anderen Disziplinen noch die nötige Basis. Ich fühle mich zwar gut in Form, kann aber aufgrund der fehlenden Wettkampfpraxis nicht so recht abschätzen, wo ich momentan im Vergleich zur Konkurrenz stehe. Daher kommt mir dieser Test sehr gelegen.» Die ehemalige Ultracycling-Königin konnte im Winter aus beruflichen Gründen nur sechs bis acht Stunden pro Woche ins Training investieren. Ab Mitte April hat sie ihr Pensum auf bis zu 20 Stunden hochgeschraubt.

Fahrt durch heimisches Gebiet

Die Athleten müssen morgen extrem früh aus den Federn. Bereits um 5 Uhr erfolgt der Start zum Schwimmen im noch immer eiskalten Lago Maggiore. Anschliessend haben die Athleten maximal 19 Stunden Zeit, um das gigantische Pensum hinter sich zu bringen und am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau zu finishen. Zielschluss ist um Mitternacht. Zgraggen hat sich eine Endzeit von 15 Stunden zum Ziel gesetzt. Ganz besonders freut die 160 Zentimeter grosse und 50 Kilogramm leichte Ausnahmekönnerin, dass ein Teil der Velostrecke durch heimatliche Gefilde führt. Zwischen dem Gotthardmätteli und dem Furkapass wird für rund 20 Kilometer auf Urner Terrain geradelt. Gemäss ihrer Marschtabelle will die Urschweizerin um zirka 11 Uhr in Hospental passieren. Das Dach der Tour, also die über 2400 Meter hohe Furka, möchte sie um zirka 12.30 Uhr erreichen. Zu ihrer Taktik sagt Zgraggen: «Der Schlussrang ist für mich zweitrangig. Ich möchte in erster Linie die Wettkampfatmosphäre geniessen, werde aber natürlich trotzdem mein Bestes geben.»