TRIBSCHEN: Urner beleben Luzerner Freilichtbühne

Am 13. Juni feiern die Luzerner Freilichtspiele Premiere mit der Komödie «Stadt der Vögel». Mit dabei sind auch ein Urner und drei Urnerinnen, die dem hiesigen Publikum bekannt sein dürften.

Carmen Epp
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Sie wirken beim Luzerner Freilichtspiel «Stadt der Vögel» mit (von links): Corinne Gnos, Olivia Arnold, Antonia Bucher und Walter Sigi Arnold. (Bild: Carmen Epp (Luzern, 7. Juni 2017))

Sie wirken beim Luzerner Freilichtspiel «Stadt der Vögel» mit (von links): Corinne Gnos, Olivia Arnold, Antonia Bucher und Walter Sigi Arnold. (Bild: Carmen Epp (Luzern, 7. Juni 2017))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

In Luzern sind die Vögel los. Sie hüpfen herum, machen Radau, rufen «Fuck Zeus!» und wollen die Macht an sich reissen. Mittendrin: Walter Sigi Arnold.

Der 58-jährige Urner spielt die Hauptrolle in der an Aristophanes angelehnten Komödie «Stadt der Vögel», die ab 13. Juni unter der Regie von Annette Windlin auf Tribschen, einer kleinen Landzunge am Luzerner Seebecken, aufgeführt wird.

Urner verleitet die Vögel zum Aufstand

Arnold spielt Makarios, einen Athener, der zusammen mit einem Freund nach einem Ort sucht, wo alle glücklich leben können. Auf ihrer Suche treffen sie auf Thereus, der, halb Mensch, halb Vogel, von letzteren als so etwas wie ein König geachtet wird. Durch Thereus gelingt es Makarios, die Vögel zu überreden, einen utopischen Staat zwischen der Welt der Götter und jener der Menschen zu bilden. ­Makarios’ Überredungskünste fruchten, und so erschaffen sich die Vögel ein eigenes Reich namens «Wolkenkuckucksheim».

Arnold hat in seiner langjährigen Karriere als Profischauspieler schon in einigen Stücken mitgewirkt. Trotzdem verlangt ihm «Stadt der Vögel» einiges ab, wie er sagt. Nicht, weil er beim Freilichtspiel Wind und Wetter ausgesetzt ist. «Wenn man im Spiel ist, hat man eine andere Energie. Da gehen die 90 Minuten schnell vorbei, auch wenn es regnet.» Es sei vielmehr die Rolle, die ihn fordert. «Makarios leitet das ganze Stück, führt die Geschichte und zieht sie weiter. Diese ständige Präsenz ist auch physisch eine Herausforderung.»

Zwei Urnerinnen werden zu Eule und Elster

Neben dem Urner ist auch eine Urnerin während des ganzen Stücks auf der Bühne zu sehen: Corinne Gnos. Die 37-jährige Erstfelderin steht seit ihren Anfängen beim Jugendtheater in Altdorf vor 20 Jahren immer wieder auf der Theaterbühne, zuletzt im Januar mit Momänt & Co. Bei «Stadt der Vögel» spielt Gnos eine Eule, die Makaros und seinen Freund als erste entdeckt und als Dienerin von Thereus für dessen Wohlergehen sorgt. Die grösste Herausforderung für sie sei es, in die Rolle einer Eule zu schlüpfen. «Wir haben zusammen mit dem Choreografen lange an den Bewegungen gefeilt», erzählt sie. «Wie läuft ein Vogel? Welche Eigenarten hat er? Wie bewegt er sich, wenn er schnell ist, wie langsam?» Mittels Videos und Bildern hätten dann alle ihre Vögel studiert und probiert, deren Bewegungen in die menschliche umzusetzen. «Das ist schon recht anspruchsvoll», so Gnos.

Dem pflichtet auch Antonia Bucher bei. Die in Luzern wohnhafte Exil-Altdorferin hat bei den Tellspielen 2016 ihre Lust am Theater entdeckt und spielt nun bei «Stadt der Vögel» eine Elster. Auch sie nennt als grosse Herausforderung, sich einen Vogel «zu eigen zu machen». «Wir sind das Ganze sehr spielerisch angegangen, was den Bewegungen automatisch die gewünschte Leichtigkeit verlieh.» 90 Minuten lang in diesen «Vogelbewegungen» zu verharren, sei ganz schön anstrengend. «Nach den Proben bin ich fix und fertig, ins Fitness brauche ich nicht mehr zu gehen.» Trotzdem betont die 56-Jährige den Spass, den sie trotz der Anstrengungen mit dem Team habe.

Vom schüchternen Küken zur wütenden Götterbotin

Eine weitere Urnerin im 30-köpfigen Schauspielerkollektiv ist Olivia Arnold. Obwohl die Schattdorferin gerade mal 19 Jahre alt ist, hat sie schon einige Bühnenerfahrungen sammeln können: Nach einem Auftritt als Elfjährige beim Jugendtheater Altdorf, dem Stück «Dracula» beim Gräwichor und dem Musical «Annie» im Theater Uri, zwei Tellspielen und den Freilichtspielen in Andermatt wirkt Arnold bereits zum zweiten Mal bei den Luzerner Freilichtspielen mit.

In «Stadt der Vögel» spielt Arnold gleich zwei Rollen. Zunächst als schüchternes, ängstliches Küken, das gerade erst aus dem Ei geschlüpft ist. Dann – mit einem «kurzen, impulsiven Auftritt» – als Götterbotin Iris. Sie wird von Zeus, hungrig nach Opferdunst, geschickt, um mit den Menschen zu verhandeln, wird aber im Reich der Vögel aufgehalten. «Iris ist genervt, weil sie keine Lust hat auf die Vögel, die sie alle nicht ernst nehmen», erklärt Arnold. Obwohl sie noch nie eine wütende Figur spielen musste, falle ihr die Rolle gar nicht schwer, sagt Arnold. «Im Gegenteil, sie macht grossen Spass!»

Schon in ihrer Schulzeit habe sie davon geträumt, eine Schauspielschule zu besuchen, sagt Arnold weiter. Nach ihrer Lehre und durch den Zuspruch von Theaterleuten, darunter auch Gisela Widmer, die Autorin von «Stadt der Vögel», wird ihr Traum im September wahr.

Hinweis

«Stadt der Vögel – eine luftige Komödie» auf Tribschen wird vom 13. Juni bis 29. Juli 27-mal aufgeführt. Tickets gibt’s beim LZ-Corner in Luzern, Stans und Altdorf; unter Telefon 041 311 15 22 (Montag bis Freitag, 8 bis 11 Uhr) und unter www.freilichtspiele-luzern.ch