Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TRIEVENT: Wikinger vertreiben Engelsstimmen

180 Sänger und Instrumentalisten haben am Wochenende zur Wikingerschlacht gerufen. Dem Ruf folgte auch ein Hollywood­-Regisseur.
Simon Bordier
Chor – hier mit Solistin Dominique Lüthi –, Bläser und Streicher boten dem Publikum bei den «TriEvent»- Aufführungen ein eindrückliches Konzerterlebnis. (Bilder Urs Hanhart)

Chor – hier mit Solistin Dominique Lüthi –, Bläser und Streicher boten dem Publikum bei den «TriEvent»- Aufführungen ein eindrückliches Konzerterlebnis. (Bilder Urs Hanhart)

Simon Bordier

«Die Kinder des Monsieur Mathieu», die 2004 Millionen Zuschauer in die Kinos lockten, sind immer noch nicht erwachsen. Vielmehr fühlt man sich in den Film zurückversetzt, sobald ein Chor die berühmt gewordenen Lieder des Films anstimmt: Wir sehen die Internatsanstalt in der Landschaft der Auvergne, den autoritären Internatsdirektor, die verwaisten Internatsjungen und verfolgen gebannt, wie der sensible Musiklehrer Monsieur Mathieu aus der wilden Horde einen Chor aus Engelsstimmen formt. Dieser Effekt stellte sich auch am Freitag im Theater Uri ein, wo 180 Chorsänger, Orchestermusiker und Gesangssolisten zur ersten von drei «TriEvent»-Aufführungen mit live gespielter Filmmusik geladen hatten. Bereits zum vierten Mal nach 2008, 2011, 2014 ging dieser Grossanlass mit Amateur- und Profimusikern aus ganz Uri und anderen Kantonen über die Bühne. Dabei herrschte nicht nur auf der Bühne Grossandrang, sondern auch im Publikum: Alle drei Vorstellungen am Wochenende waren ausverkauft; insgesamt rund 1600 Besucher wohnten dem Event bei.

Musikalische Streicheleinheiten

Bezeichnend für den Charme des Anlasses waren die Lieder des französischen Films. An die engelhafte Leichtigkeit der Knabenstimmen kam der gemischte Erwachsenenchor (Leitung: Aaron Tschalèr) im Theater Uri nicht ganz heran. Die Sopranstimmen bewegten sich im Lied «Cerf-Volant» aber souverän, sodass man sie, wie es der Titel nahelegt, quasi wie Drachen am Himmel verfolgen konnte. Und auch in «Caresse sur l’océan», zu Deutsch: «Streicheln über dem Ozean», sparten die Sänger und die Solistin Marita Kohler an der Oboe nicht mit musikalischen Streicheleinheiten. Chor und Orchester mischten sich vorzüglich und verkörperten damit eindrücklich die Philosophie des Films, dass nämlich durch gegenseitiges Zuhören, Empathie und viel Engagement in kurzer Zeit eine Gemeinschaft wachsen kann.

Die Leidenschaft der Amateurmusiker und das Know-how der Profis mischten sich auch in Actionmusik auf einmalige Weise. Von kindlicher Unschuld konnte keine Rede mehr sein. Gespannt wurde die Suite aus dem Film «Northmen» erwartet, einer Wikingersaga in Hollywood-Manier, die der Urner Regisseur Claudio Fäh (40) 2014 in die Kinos gebracht hat. Die Musik dazu stammt vom deutschen Filmkomponisten Marcus Trumpp (41). Er hat eigens für «Tri- Event» eine Suite der Filmmusik verfasst, sodass sich die 180 Protagonisten unter der souveränen Leitung von Michel Truniger wacker ins Wikinger-Abenteuer stürzen konnten.

Perfekte klangliche Kulisse

Zunächst schaukelten sich die Streicher mit Tremoloklängen hoch und gaben so eine Vorstellung vom Wikingerschiff, wie es sich seinen Weg durch die Wogen bahnt. Dazu raunten die Posaunen, die Hörner trumpften siegessicher auf, und der Chor steuerte nicht minder eindrückliche «Aah»-Laute bei – die klangliche Kulisse war perfekt. «Richtige» Kinobilder vermisste in diesem Moment wohl niemand. Für einen Höhepunkt sorgten die Schlagzeuger mit ihrem Kriegsgetrommel, ohne aber ihre Bühnenkollegen zu überrumpeln. Der Regisseur und der Komponist aus Hollywood, die für die Uraufführung der «Northmen-Suite» eingeflogen worden waren, dürften sich über den Kampfgeist gefreut haben.

Überzeugende Urner Solistin

Nach der Pause standen Gesangssolisten im Mittelpunkt. Für Gänsehaut-Momente sorgte insbesondere ein Chormitglied: die Urner Sopranistin Lise Kerkhof, die dem Song «The Hanging Tree» aus der Filmreihe «Die Tribute von Panem» mit ihrer feinen, leicht rauen Stimme einen persönlichen Charakter gab. Sie schien den Text weniger zu singen als zu rezitieren und überliess es den rein intonierenden Streichern rund um Konzertmeister Christian Zgraggen, den Klang aufzufächern. Nach einem behutsam aufgebauten Crescendo kam die Solistin dann aber umso eindrücklicher aus sich heraus, der Chor stimmte in ihren Gesang mit ein, bis die Stimme der Solistin schliesslich im Gesamtklang spurlos verschwand. Viel Schmelz verbreitete die Musical-Sängerin Dominique Lüthi in Susan Boyles «I Dreamed A Dream» aus dem Musical «Les Miserables» sowie in Phil Collins’ «You’ll be in My Heart» aus «Tarzan». Damit eroberte sie nicht zuletzt das Herz von Rolf Sommer, dem charmanten Moderator des Abends. Starke Akzente setzten zudem der Beboxer Roberto Stella im Duell mit Schlagzeuger Christian Portmann sowie die jungen Urner Rapper Christian Indergand und Patrick Bissig mit dem Rap «Hoselupf».

Der kurze Abstecher in den Hip-Hop zeigte aber auch die Grenzen in Sachen üppiger Programmgestaltung: Mitten unter den süffigen Musical-Songs hatte der Sprechgesang keinen einfachen Stand. Auch eine kurze Programmbeschreibung wäre hilfreich gewesen, um eine bessere Vorstellung der Werke und Interpreten zu erhalten.

Fünfte Auflage im Jahr 2017

Nach den äusserst hochstehenden Vorstellungen vom vergangenen Wochenende darf man gespannt sein, was das sichtlich begeisterte Publikum beim nächsten «TriEvent» vom 15. bis 17. Dezember 2017 erwartet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.