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Trotz 20 Mandaten: Für Ständerat Josef Dittli gilt «Uri first»

Der Urner FDP-Ständerat hat 20 Mandate in Stiftungs- und Verwaltungsräten inne. Dennoch stehe für ihn das Parlament an erster Stelle.
Lucien Rahm
Josef Dittli meldet sich während einer Ständeratsdebatte zu Wort. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Bern, 11. März 2019)

Josef Dittli meldet sich während einer Ständeratsdebatte zu Wort. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Bern, 11. März 2019)

Bis zu 60 Arbeitsstunden hätten seine Wochen bisweilen: Ständerat Josef Dittli ist ein viel beschäftigter Mann. Normalerweise befindet er sich an einem Montagnachmittag, als das Gespräch für diesen Artikel stattfindet, in Bern, Basel oder Schwyz an einer Stiftungs- oder Verwaltungsratssitzung, oder in erstgenannter Stadt an einer Kommissionssitzung – wenn nicht gerade Parlamentssession ist. An diesem Nachmittag nimmt er sich Zeit, um in Altdorf zwei Medientermine und ein Treffen mit einem Freund wahrzunehmen.

Dass der 62-jährige FDP-Politiker viel Arbeit zu bewältigen hat, ist angesichts der 20 Mandate, die der Attinghauser in diversen Stiftungs- und Verwaltungsräten wahrnimmt, nicht verwunderlich. Rund 40 Prozent seiner Arbeitszeit würden sie ausmachen, wobei der Hauptanteil etwa vier dieser Engagements zukomme. Dazu zählt sein Präsidium des Krankenkassenverbands Curafutura, welches wöchentlich zwei Arbeitstage ausmacht – und ihm jährlich 140'000 Franken einbringt.

Die anderen 60 Prozent widmet Dittli seiner Arbeit in der kleinen Kammer. Gegenüber seinen anderen Aktivitäten habe diese Vorrang. «In erster Linie bin ich Vertreter meines Kantons. Das andere sind Nebenaufgaben, die zurückstehen müssen, wenn die Politik meine Präsenz und mein Engagement erfordert.» Gemäss der Website Politnetz hat Dittli während seiner ersten zehn Sessionen seit seinem Amtsantritt 2015 im Schnitt neun Prozent der Abstimmungen verpasst. Das liege vor allem an seinem Doppelmandat als Regierungs- und Ständerat, das er zu Beginn hatte, so Dittli.

Trotz der Vielzahl an Engagements: Seine Arbeit könne er dennoch mit der nötigen Hingabe erledigen.

«Die Belastung ist teilweise schon gross. Aber für mich stimmt es.»

Mit einer guten Planung sei ausreichend Erholungszeit möglich. Noch mehr Mandate wären für ihn derzeit aber nicht denkbar. «Dann müsste etwas anderes wegfallen.» Er lehne daher auch Anfragen ab. Dies aber nicht nur aus Zeitgründen, so Dittli: «Ich mache nichts, was ich ideologisch nicht verantworten kann.» Und diese Ideologie beinhaltet die folgenden Dinge: «liberale Grundwerte wie Selbstständigkeit, Freiheit, nicht mehr Staat als unbedingt notwendig; eine starke Marktwirtschaft, die aber doch auch eine soziale Abfederung bietet.»

Armee formte seine Persönlichkeit

Sein Weg hin zum hauptberuflichen Verwaltungsrat hat «Beppi», wie er von seinen Urner Bekannten liebevoll genannt wird, über ganz unterschiedliche Stationen geführt. Angefangen hat er als Primarschullehrer in Attinghausen. Das sei zwar spannend gewesen. «Aber irgendwann, nach fünf, sechs Jahren, wollte ich mich noch anders orientieren». Eigentlich habe er Jus studieren wollen. Doch dann wurde er als Armeeoffizier dazu ermuntert, zum Berufsmilitär zu werden. Auch auf seine Persönlichkeit habe die Armee einen Einfluss gehabt. «Sie war eine wesentliche Institution, die mich geformt hat – nebst dem Elternhaus und der Familie.»

Seine anderen Charakterzüge beschreibt Dittli so: «Ich meine, ein gutes Gespür für die Anliegen im Volk zu haben. Ich bin kommunikationsstark und vor allem auch sehr belastbar. Meine Führungsstärke und Sozialkompetenz kann ich immer wieder einbringen.» Erstmals konnte er das, als er 1988 als 31-Jähriger in den Attinghauser Gemeinderat eintrat, dem er 14 Jahre angehörte und diesen zuletzt vier Jahre lang präsidierte. Danach trat der zweifache Vater in die Urner Kantonsregierung ein. Hier wirkte er zwölf Jahre lang – zwei davon als Landammann. Nicht zuletzt dank der Goldverkäufe der Nationalbank, deren Erträge ab 2005 an die Kantone ausgeschüttet wurden, kam der Kanton Uri damals wieder aus den roten Zahlen heraus. «Wir konnten auf einen Schlag alle Schulden abtragen.» Auch der reformierte Nationale Finanzausgleich (NFA) eröffnete der damaligen Regierung neue Möglichkeiten. «Wir konnten massive Steuersenkungen vornehmen, auch für den Mittelstand», erinnert sich Dittli.

Die andere Sicht

«Ich schätze Kollege Josef Dittli sehr», sagt die Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer (Bild), die mit ihm in den Kommissionen für soziale Sicherheit und Gesundheit sitzt. Sie habe ihn kennen gelernt als jemanden «ohne politische Scheuklappen». Obwohl er ein Gesundheitspolitiker mit Interessenbindungen sei, lasse sich mit ihm gut zusammenarbeiten. «Er hört zu und kann sich auch für Anliegen einsetzen, die nicht im Kern seiner Verbandsinteressen liegen.» (lur)

Als sich ihm nach drei Legislaturen dann die Möglichkeit bot, auf die nationale Ebene zu wechseln, zögerte er nicht lange. «Ich hatte die Chance, nochmals etwas Neues kennenzulernen.» Nach vier Jahren zieht er eine positive Bilanz für sich. «Ich konnte relativ schnell Tritt fassen.» Auch für den Kanton Uri habe einiges erreicht werden können. Dazu zähle unter anderem das Agglomerationsprogramm, das dem Kanton einige Millionen Franken zukommen lässt. Gerne möchte er diese Arbeit vier weitere Jahre ausführen. «Mit meiner Erfahrung und meinem Netzwerk kann ich gute Beiträge leisten für den Kanton und das Land.» In der kommenden Legislatur steht für Uri beispielsweise wieder der Wirkungsbericht zum NFA an. Dieser könne Basis sein für dessen Neuausgestaltung. «Hier müssen wir aufpassen, dass wir die Errungenschaften für Uri halten können.»

Beizentour liegt keine drin

Wie viel Einfluss hat Dittli auf diese Entscheide? Einerseits hätten Urner Anliegen im Ständerat eine gute Chance, wenn er sie seinen zwölf FDP-Kollegen nahebringen könne. Wenn der Urner CVP-Ratskollege dasselbe mit seinen zwölf Parteikollegen mache, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, zu einer Mehrheit zu gelangen. In seinen drei Kommissionen sei das schwieriger.

Da bislang kein Gegenkandidat bekannt ist, kann Dittli den Wahlkampf ruhig angehen. Dennoch wolle er nicht einfach nichts tun. «Die Schwierigkeit ist immer, das richtige Mass zu finden: Was ist wirklich notwendig und wann ist es zu wenig?» Geworben wird unter anderem mit einer Inseratenkampagne zusammen mit dem FDP-Nationalratskandidaten Matthias Steinegger sowie auch mit der CVP-Ständeratskandidatin Heidi Z’graggen. Zudem gibt es einige «sehr grosse Plakate». Wofür Dittli keine Zeit haben wird, ist eine ausgedehnte Tour durch jede Dorfbeiz des Kantons. «Das ist auch nicht meine Art. Mich sollte man, hoffe ich, kennen.» Zeitlich erschwert wird die Präsenz im Kanton durch die Herbstsession in Bern, die am Montag beginnt – in der sich Dittli wieder für den Kanton Uri einbringen will.

Hinweis: Die «Urner Zeitung» porträtiert in den kommenden Wochen alle Urner Stände- und Nationalratskandidaten.

Drei heisse Fragen an Josef Dittli

Sie werden von manchen auch als «Wendehals» bezeichnet. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Josef Dittli: Von manchen? Das kann ich fast nicht glauben. Ich nehme an, dieses Gerücht geht zurück auf einen Artikel, in dem es hiess, ich hätte wegen meines Curafutura-Mandats die Meinung gewechselt. Das war konstruiert und trifft absolut nicht zu.

Sie sind Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Friedensförderung sowie auch Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe für ein freiheitliches Waffenrecht. Beisst sich das nicht?

Nein. Die Gruppe für ein freiheitliches Waffenrecht wurde gegründet, bevor der Bundesrat über die EU-Waffenrichtlinie zu verhandeln begann. Damit wollte man Druck aufsetzen, sodass der Bundesrat möglichst viel rausholt. Für mich hat er das Maximum erreicht. Darum war ich danach im Abstimmungskomitee, welches die ausgehandelte Umsetzung der Waffenrichtlinien befürwortete. Ich habe mich damit voll und ganz im Sinne einer gesunden Friedenspolitik eingesetzt. Die parlamentarische Gruppe für ein freiheitliches Waffenrecht hat sich ausserdem seit längerer Zeit nicht mehr getroffen.

Die FDP tritt ja neuerdings auch als Klimaschutzpartei auf. Was machen Sie selber fürs Klima?

Ich fahre, wenn immer möglich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass man im Bereich der Klimapolitik etwas macht. Beispielsweise befürworte ich eine moderate Klimaabgabe für Flugtickets. Aber wir sollten dabei den Weg des gesunden Menschenverstandes nicht ganz ausser Acht lassen. (lur)

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