Trotz Coronavirus: Die Krankensalbung ist für Altdorfer Christen noch immer möglich

Den Gottesdienst der Kirchgemeinde Altdorf können Gläubige ab Sonntag via Livestream mitverfolgen. Derweil sorgt die Absetzung von Generalvikar Martin Kopp auch bei Pfarrer Daniel Krieg für Unverständnis.

Lucien Rahm
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Derzeit kann auch Pfarrer Daniel Krieg (Mitte) keine Gottesdienste mit Besuchern mehr abhalten, setzt dabei aber nun auf Livestream.

Derzeit kann auch Pfarrer Daniel Krieg (Mitte) keine Gottesdienste mit Besuchern mehr abhalten, setzt dabei aber nun auf Livestream.

Bild: Paul Gwerder (Altdorf, 29. September 2019)

Normalerweise stehen die Türen der Pfarrkirche Altdorf allen offen, die am gemeinsamen Gottesdienst teilnehmen möchten. Wegen der aktuellen Situation finden die Messen momentan aber mit maximal drei Teilnehmern statt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. «Die Kirche müssen wir jeweils abschliessen, um nicht gegen die aktuell gültigen Weisungen zu verstossen», sagt der Altdorfer Pfarrer Daniel Krieg. Die Messe, der je nachdem auch der Diakon oder der Pastoralassistent mit dem erforderlichen Abstand beiwohnen, wird also im privaten Rahmen abgehalten. Danksagungen und andere Anliegen der Kirchenangehörigen, um welche diese ihn bitten, würden aber miteinfliessen, so Krieg.

Ansonsten steht die Pfarrkirche den Gläubigen aber zu den regulären Öffnungszeiten zum Besuch offen, auch kann weiterhin Weihwasser aus dem Behälter mit nach Hause genommen werden. Derzeit würde insbesondere die Kerzenecke rege genutzt, sagt Krieg. Den Kontakt zu ihm würden die Kirchenangehörigen nun aber vor allem via Telefon und E-Mail aufnehmen.

Krankensalbung mit Mundschutz

Wenn jemand ein persönliches Gespräch mit dem Pfarrer wünscht, so ist auch dies in Notfällen noch immer möglich. «Wenn jemand im Sterben liegen würde, dann würde ich diese Person für die Krankensalbung nach wie vor besuchen gehen.» Dies aber natürlich unter Einhaltung der nötigen Vorsichtsmassnahmen, versehen mit Mundschutz. Auch ein Treffen im Pfarrhaus sei je nachdem denkbar, wenn dabei ausreichend Abstand gehalten wird.

Anders als die Krankensalbung wird das Spenden von anderen Sakramenten derzeit nach Möglichkeit verschoben. Dazu zählen Taufen, Hochzeiten und auch die Erstkommunionen in den Urner Pfarreien, die ursprünglich am 19. April hätten stattfinden sollen. Immer noch abgehalten werden Beisetzungen auf dem Friedhof, die aber im engen Angehörigenkreis stattfinden. «Auch dabei gilt es, Distanz zueinander zu halten», sagt Krieg. Der zugehörige Gottesdienst werde jedoch meist auf einen späteren Zeitpunkt festgelegt.

Livestream ist ab kommendem Sonntag verfügbar

Abgesehen von diesen direkt ersichtlichen Auswirkungen der Corona-Situation sei das Virus selbst jedoch nicht das dominierende Thema in seinen Gesprächen mit den Gläubigen. «Man spricht über persönliche Anliegen, die man sonst vielleicht im Gottesdienst eingebracht hätte.» Für diese Leute – oftmals sind es allein lebende Personen – sei es wichtig zu wissen, dass auch ausserhalb des Gottesdienstes jemand für sie da ist.

Den Messen wird man aber schon bald wieder beiwohnen können – von zu Hause aus per Livestream. «Wir sind in der Lage, bereits am Sonntag um 10 Uhr den Gottesdienst übertragen zu können», sagt Krieg. Abrufen kann man diesen auf der Webseite der Kirchgemeinde.

Abgesetzter Generalvikar soll gewürdigt werden

Nicht nur mit der Umstellung des Kirchenbetriebs hat sich Pfarrer Krieg in den vergangnen Tagen befasst. Auch die Absetzung des Urschweizer Generalvikars Martin Kopp hat ihn beschäftigt. Zusammen mit knapp 140 Seelsorgerinnen und Seelsorgern aus dem Gebiet des Generalvikariats Urschweiz hat Krieg einen Protestbrief unterschrieben, der diese Woche an den apostolischen Administrator des Bistums Chur zugesandt worden ist. Krieg sagt:

«Man kann bei diesem Thema nicht einfach still bleiben.»

Es sei zudem unbegreiflich, dass man Kopps Verdienste einfach mit einem Satz abhandle, wie das die Bistumsleitung gemacht habe. «Das geht nicht.» Auch viele Kirchenbürger würden erwarten, dass man hierzu Stellung bezieht. «Wenn möglichst viele Seelsorgerinnen und Seelsorger dahinter stehen, setzt das ein Zeichen – auch für die Leute und für Martin Kopp.»

Ob der Brief letztlich etwas bewirken könne, sei schwer zu sagen. Darin wird gefordert: «Wir erwarten, dass die Bistumsleitung das langjährige Wirken von Dr. Martin Kopp in einer Weise, die seiner Leistung gebührt, verdanken wird.» Eine Wiedereinsetzung Kopps, wie sie derzeit zum Beispiel eine Online-Petition verlangt, hält Krieg dagegen eher für illusorisch. «Er müsste ja dann wieder mit diesen Leuten zusammenarbeiten.» Mit dem nun zerrütteten Verhältnis zwischen Kopp und der Bistumsleitung sei das aber schwierig vorstellbar.

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