Über 100 Designer sollen nach Uri kommen: Andermatt zeigt «grüne» Mode

Die «Green Fashion Week» bringt nachhaltige Designerstücke ins Urserntal. Die Veranstalter haben Grosses vor.

Christian Tschümperlin
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Die Models Veronica Faverzani und Daniela Christiansson am Sasso San Gottardo.

Die Models Veronica Faverzani und Daniela Christiansson am Sasso San Gottardo.

Bild: PD

Der rote Teppich wurde der «Green Fashion Week» bereits in grossen Städten wie Abu Dhabi, Dubai, Los Angeles, Las Vegas oder Rom ausgerollt. Vom 27. bis 30. Mai bringt das Festival seine nachhaltige Luxusmode dieses Jahr nach Andermatt. Der viertägige Mode-Event ist weltweit gefragt, seit Nachhaltigkeit zum Top-Thema wurde. Die Köpfe hinter der Veranstaltung setzen aber nicht erst seit gestern auf einen Bewusstseinswandel in der Kleiderindustrie.

«Unsere Familie war vierzig Jahre lang im Modegeschäft tätig», sagt Guido Dolci aus Mailand, Gründer der Modeagentur GD Major. «Als wir herausfanden, dass unsere Industrie der weltweit zweitgrösste Umweltverschmutzer nach Öl ist, gaben wir in unserer Stadt eine Pressekonferenz.» Sein erwachsener Sohn Mikel Dolci hatte daraufhin die Eingebung, die «Green Fashion Week» zu gründen. 2015 fiel der Startschuss in der lombardischen Hauptstadt.

Es melden sich Designer aus aller Welt

Diese Tage ist das Ehepaar Guido und Elke Dolci mit Mikel in Andermatt und trifft alle Vorbereitungen für die Show. «Wir hatten verschiedene Treffen mit unseren Partnern von Andermatt Tourismus und Andermatt Swiss Alps», sagt Mikel Dolci. Mehrmals klingelt Guido Dolcis Telefon während des Gesprächs.

«Uns ereilen Anfragen von Designern aus aller Welt. Beantworten können wir nicht jede.»

Über 100 Designer sind interessiert. «Andermatt ist schön aber klein. Es ist schwierig aber nicht unmöglich, sie alle unterzubringen.» Deshalb klären die Dolcis nun ab, ob auch Teile des Militärareals für die Veranstaltung offen stehen könnten. Weitere Lokalitäten sind die Andermatt Konzerthalle, das Andermatt Village, Konferenzräume im Radisson Blu und das Museum Sasso San Gottardo.

Sogar von den grössten Mode-Marken auf dem Planeten wurden die Dolcis kontaktiert. «Leider mussten wir vielen eine Absage erteilen, weil sie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen nicht erreichen», sagt Guido Dolci. Mit «Greenwashing» haben die Modeexperten aus Mailand nichts am Hut. Der Versuch, sich durch PR-Aktionen ein ökologisches Image zuzulegen, passt ihnen nicht ins Konzept. Mit dem Finger auf andere zeigen wollen sie ebenfalls nicht. «Wir möchten die Schönheit fördern, damit die Leute das neue Konzept lieben lernen», sagt Elke Dolci. Die Zeiten seien vorbei, als Nachhaltigkeit hässlich war. Heute sei nachhaltige Mode alternativ und luxuriös zugleich. Auf eine Teilnahme hoffen darf, wer mindestens sieben der siebzehn UN-Ziele erreicht. Diese Ziele haben sich nicht nur der Umwelt verschrieben, sondern auch dem Menschen. Die Kleider sollen umweltfreundlich und zu fairen Löhnen hergestellt werden.

Die Modenschau-Reihe feiert in Andermatt ihren zehnten Geburtstag. Dass es so weit kam, war ein Glücksfall, wie Mikel Dolci berichtet. Auf Vermittlung der Tessiner-Filmförderung haben er und sein Vater im vorletzten Jahr mit einer italienischen Filmcrew eine Expedition zur Gotthardfestung Sasso San Gottardo unternommen. Bei den Dreharbeiten ging es um den alternativen Science-Fiction-Thriller «Defectum». Dieser zeigt, was passiert, wenn die Menschheit nicht baldmöglichst nachhaltig handelt. Durch den Drehort führte Damian Zingg, Museumsleiter im Sasso San Gottardo. Im Stollen kam man auf die «Green Fashion Week» zu sprechen. Aus Jux lud Zingg Vater und Sohn ein, mit der Modenschau am Gotthard zu gastieren. Zu dessen Überraschung willigten beide ein.

«Wir haben uns in die Natur in Andermatt verliebt. Hier liegt das Herz Europas», sagt Mikel. Man suche nicht das grosse, sondern das gute Publikum. Mit dem Internet und den Medien wolle man die Botschaft in die Welt hinaustragen. Natürlich sei es ein neues Konzept, den Event in einem kleinen Städtchen durchzuführen. Aber: «Wir mögen es, neue Dinge auszuprobieren, wie wir es immer getan haben.» Mikel Dolci hatte bereits erste Ideen, was aus Andermatt einmal werden könnte, sollte alles glatt über die Bühne gehen:

«Wir möchten Andermatt als Welthauptstadt der Nachhaltigkeit etablieren.»

Schliesslich seien die Schweizer ja Vorreiter in dieser Frage. Bei Andermatt Swiss Alps (ASA) freut man sich über diese Aussichten: «Die ‹Green Fashion Week› ist eine spannende Veranstaltung, die dazu beiträgt, Andermatt international noch besser bekannt zu machen», sagt ASA-Mediensprecher Stefan Kern. «Zudem ist Nachhaltigkeit ein Thema, das sehr gut zu Andermatt und auch zur neuen Initiative Andermatt Responsible passt. Wir würden uns freuen, wenn sich die ‹Green Fashion Week› in Andermatt etabliert.»

Elke Dolci: «Die Zukunft gehört Greta»

In Zukunft leistet auch die Jugend einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mode, davon sind die Dolcis überzeugt. Elke Dolci findet es toll, was Greta Thunberg ausgelöst hat: «Die jungen Leute wollen so leben, wie wir gelebt haben. Sie wollen die Natur so sehen, wie wir sie gesehen haben. Sie haben am meisten Angst. Ihre Bewegung wird viel verändern.»

Hinweis: Die «Green Fashion Week» in Andermatt findet statt vom 27. Mai bis zum 30. Mai in verschiedenen Lokalitäten. Tickets gibt es über die App Green Fashion Week. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite der Modenschau: www.greenfashionweek.org