Leserbrief
Über 65-Jährige werden entmündigt

Zu den Massnahmen des Kantons Uri, eine Ausgangssperre für über 65-Jährige zu verhängen.

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Dass es in diesen Zeiten besondere Regelungen braucht, ist unbestritten, und die bundesrätlichen Empfehlungen sind dafür richtungsweisend. Der Beschluss der Urner Regierung, dass über 65-Jährige nicht mehr einkaufen dürfen, sprengt indessen jedes Mass. Angeblich hält diese Altersgruppe die bisherigen Verhaltensregeln nicht ein, was das generelle Verbot zur Sippenhaft macht. In keinem anderen Land wurde bisher das Einkaufen beschränkt, auch nicht im viel stärker durch Corona betroffenen Italien oder an Orten, in denen eine Ausgangssperre besteht.

Da ich kein Auto habe, ist mir die Möglichkeit verwehrt, ausserhalb des Kantons einzukaufen. Ich fühle mich durch diese Vorschrift entmündigt. Ich werde von Dienstleistungen abhängig gemacht, die ich nicht benötige. Ich werde dazu gezwungen, jeden Tag 22 Stunden in meiner Wohnung zu verbringen, statt Velofahrten oder Wanderungen zu unternehmen. Dass mein psychisches Befinden darunter leidet, ist absehbar.

Aus meiner Sicht kann die Corona-Epidemie besser eingedämmt werden, wenn alle während des Einkaufs und bei Benutzung des öffentlichen Verkehrs eine waschbare Schutzmaske tragen. Vor dem Einkauf zieht man die Maske an, danach zieht man sie ab und wäscht sie zu Hause mit Seife aus, damit sie am nächsten Tag wieder verwendet werden kann. Dass solche Masken Mangelware sind, ist aus meiner Sicht kein Argument dagegen. Mittels Nachbarschaftshilfe kann Uri innert kurzer Zeit damit bedient werden.

Kurt Döbelin, Altdorf