Ürner Aichtä
Mein Igel-Projekt

Kommunikationsexperte Ruedi Bomatter aus Altdorf zu den Igeln in seinem Garten.

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Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass sich in meinem Lieblingsgarten in Altdorf nach längerer Absenz endlich wider einmal ein Igel blicken liess. Die Freude war gross, denn in Anbetracht der letztjährigen Schneckeninvasion, die unserem Salat kaum eine Chance liess, war der stachelige Geselle äusserst willkommen.

Und schon wenige Tage später tauchte auch ein zweiter Artgenosse auf, ein Albino-Igel mit roten Augen und rosa Schnauze, eine eher seltene Laune der Natur. Und wieder wenige Tage später wurde ich nächtlicher Zeuge eines Igelka-russells, so wird das Paarungsritual dieser Tiere in der Fachsprache benannt: Das Männchen läuft im Kreise um die Dame seiner Wahl herum und wartet, bis das Weibchen für die Paarung bereit ist. Dabei durfte ich feststellen, dass es sich beim Albino um ein Weibchen handelt. Fortan nannte ich sie nur noch Schneeflittchen. Und wie so oft: Nomen est omen: in den folgenden Nächten sah ich, wie sich Schneeflittchen auch noch mit anderen paarungsbereiten Gesellen aus der Nachbar-schaft im Kreise drehte.

Eine ganze Igelfamilie im Garten, welche sich jeweils in der Dämmerung im Gänsemarsch auf Futtersuche macht, war seit Jahrzehnten nicht mehr im Garten zu sehen. Was also unternehmen, damit die Igel auch bleiben? Als selbsternannter Hobbywissen-schaftler startete ich im Internet eine grosse Recherche und legte verschiedene flankierende Massnahmen fest: Per sofort wurde der Einsatz von Schneckenkörnern, Insektiziden oder anderen Pflanzen- und Tiergiften im Garten strengstens untersagt. Auch der Einsatz des Fadenmähers wurde verboten. Als nächstes musste eine passende Behausung für die putzigen Kerle her. Nach genauer Anleitung des Igelzentrums Zürich bastelte ich aus alten Weinkisten zwei Igelhotels mit doppeltem Eingang, mit Styropor und Zeitungen ausgekleidet und mit Laub und Stroh ausgepolstert. Und es dauerte nicht lange, waren beide Hotelzimmer belegt, eines durch Schneeflittchen.

Der Sommer ging vorbei und der Herbst zog ins Land, doch eine Igelfamilie konnte nie gesichtet werden. Ende September unterzog ich die Hotelzimmer einer gründlichen Reinigung in der Hoffnung, dass diese als Gemach für den bevorstehenden Winterschlaf bezogen werden. Denn wenn ein Weibchen einen passenden Überwinterungsplatz gefunden hat, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie dort im Folgejahr auch ihre Jungen zur Welt bringt.

Grosse Ernüchterung, als ich bei einer winterlichen Kontrolle feststellen musste, dass beide Hotelzimmer verlassen waren. Ich hatte mein Igel-Projekt schon fast abgeschrieben. Doch vergangene Woche machte sich wieder ein Tier im Garten bemerkbar. Aufgrund der typischen Löcher im Rasen und der Hinterlassenschaft war für mich als Hobbyexperte klar, dass es sich dabei nur um einen Igel handeln konnte. Und durch sein Exkret verriet er mir auch, wo er die kalten Monate verschalfen hatte: In der hintersten Ecke des Geräteschuppens hatte er sein Winterquartier eingerichtet und dieses wohl dem Hotelzimmer vorgezogen. Und gerade einmal drei Tage später zeigte sich ein weiterer Igel im Garten. Dieser hat den Winter offensichtlich unter dem Holzboden des Gartenhauses verbracht. Gleich zwei Igel im Garten: das ist Grund genug, mein Igel-Projekt wieder zu lancieren in der Hoffnung, schon bald eine ganze Igelfamilie durch den Garten zotteln zu sehen.