ÜRNER ASICHTÄ
Auf und davon

Die Kolumnistin Sarah Kempf äussert sich zur Aufbruchstimmung am 1. Mai.

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Sarah Kempf

Sarah Kempf

Bild: PD

Der 1. Mai ist für uns Urnerinnen und Urner nicht unbedingt ein spezieller Tag. In Ländern auf der ganzen Welt und schweizweit in diversen Kantonen gilt er jedoch als Feiertag. So zum Beispiel in Basel, Jura, Neuenburg und auch in Zürich, der Stadt meines Arbeitgebers. Es ist der Tag der Arbeit, der Tag der Arbeiterbewegung, der Maifeiertag oder der internationale Kampftag der Arbeiterklasse.

Dieser Protesttag hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. 1886 mobilisierte die Arbeiterbewegung in den USA die Werktätigen zur Durchsetzung des Achtstundentages. Vielerorts kam es zu Massenstreiks und Demonstrationen, hauptsächlich in den Industrieregionen. Ähnliches geschah bereits 30 Jahre zuvor am 1. Mai in Australien. Der Tag war und ist bis heute ein Mittel für die Arbeiterklasse, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Dass Menschen sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, finde ich wichtig und richtig, aber bitte mit Toleranz, Anstand und Respekt. Die Überschattung der Demonstrationen durch Gewalt muss und darf nicht sein.

In Zürich gibt es seit meinem Geburtsjahr (das verrate ich hier jetzt aber nicht) das «1. Mai-Komitee»: ein Verein, der jährlich ein Volksfest organisiert, um sich an diesem Tag für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmende einzusetzen. Denn die sozialen Ungerechtigkeiten sind nach wie vor vorhanden, leider. Auf Anliegen gewaltlos, dafür mit Feierlichkeiten aufmerksam zu machen, entspricht meiner Einstellung. Somit bleibt die Thematik in Erinnerung, anstelle eines fahlen Nachgeschmacks von Radau.

In Übersee war der 1. Mai traditionell auch der «moving day», also der Tag, an dem viele Menschen ihre Stelle oder den Wohnort wechselten. Dieses Aufbrechen trifft heuer auch bei mir zu – und zwar gleich im Doppelpack. Es ist mal wieder Zeit für einen Tapetenwechsel. Mein Weg führt mich von der turbulenten und grössten Schweizer Stadt in die Bündner Berge, «auf und Davos!»

Die Freude ist riesig, aber gleichzeitig spüre ich auch, wie intensiv die letzten Wochen für mich waren. Eine beeindruckende Bewerbung schreiben, Vorstellungsinterviews vorbereiten, Persönlichkeitstests absolvieren, Wunschbedingungen aushandeln und nach der Zusage der neuen Stelle den bisherigen Arbeitgeber informieren: Das kostete Energie! Gleichzeitig ein neues Zuhause suchen, Nachmieter für die bisherige Wohnung finden, Schachteln packen, Putz-Offerten einholen, mich am alten Ort ab- und am neuen Ort wieder anmelden… Meine Gedanken fuhren Karussell. Aber jetzt ist's geschafft!

Liebe Urnerinnen und Urner, ich freue mich, meine nächste Kolumne aus den Bergen zu verfassen. Etwas Alpenluft inspiriert mich bestimmt zu guten Themen. Für heute wünsche ich uns und der ganzen Welt einen friedlichen und bewegten Frühlingstag. Geniessen wir ihn und seien wir dankbar, wenn wir arbeiten dürfen und können. Denn ohne Fleiss, kein Preis!

Sarah Kempf, Anwaltsassistentin