Ürner Asichtä
Bergluft statt Stadtduft

Sarah Kempf zog es von der Stadt in die Bündner Berge. Während die Kolumnistin in Zürich den attraktiven ÖV genoss, schätzt sie in Davos ihr langes Wochenende. Und immer wieder zieht es die Heimweh-Urnerin nach Spiringen.

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Sarah Kempf.

Sarah Kempf.

Bild: Urner Zeitung

Seit knapp drei Monaten lebe ich nun als Wochenaufenthalterin in Davos. Ich bin von Zürich, der grössten Metropole der Schweiz, in die höchstgelegene Stadt Europas gezogen. Ein Kulturschock? Nein. Die Schweiz ist und bleibt die Schweiz. Meine Heimat. Dennoch, Unterschiede gibt's.

Seit ich in Davos lebe, arbeite ich in einem 80-Prozent-Pensum. Der Montag ist mein freier Tag. Ich empfinde es als grossen Luxus, einen Tag für mich zu haben und gleich noch ein langes Wochenende dazu. Während das hier in Davos finanziell möglich ist, war es in Zürich kaum denkbar. Meine Lebenskosten waren deutlich höher: Wohnungsmiete, kulturelle Angebote, kulinarische Verlockungen, attraktive Einkaufsverführungen, kostenpflichtige Sportmöglichkeiten … Klar hätte ich verzichten können, aber wer mich kennt, weiss: «Probieren geht über Studieren!»

Inzwischen habe ich mein Generalabonnement gekündigt. Gemäss meiner Berechnung zahlt es sich nicht mehr aus. Die praktischen Zeiten der zahlreichen Tramverbindungen sind vorbei. Das war echt komfortabel! In Davos fahre ich für gewöhnlich mit dem Velo zur Arbeit. Weder dichter Verkehr noch Rotlichter stoppen mich.

Ich bin eine Heimweh-Urnerin und pendle regelmässig zwischen Davos und Spiringen. Die ÖV-Verbindungen sind mir zu umständlich, darum bevorzuge ich die Fahrt mit dem Auto. Das ist bequemer und schneller. Zu schnell manchmal! Schon dreimal ist mir Post von der Polizei ins Haus geflattert. Ich gebe zu, Tempo 80 auf der Autobahn und 30 innerorts sind nicht meine Geschwindigkeiten. Ich muss mich aber unbedingt zügeln, sonst wird das auf Dauer nichts mit dem freien Tag.

Dass ich lieber Winter als Sommer habe, kommt mir hier oben auf 1560 Metern über Meer entgegen. Während im Unterland Hitzetage den Juni dominierten, blies hier oft ein Wind. «Kauf dir besser eine trendige Windjacke statt ein neues Sommerkleid», meinte meine einheimische Laufkollegin kürzlich, als wir gemeinsam zum Wolfgangpass rannten.

In Zürich verbrachte ich etliche Mittagspausen mit einem Schwumm in der Badi Tiefenbrunnen. Das habe ich sehr genossen. Auch das feierabendliche Treibenlassen in der Limmat, vom Drahtschmidlisteg zur Kornhausbrücke, habe ich geliebt. Für solche Aktivitäten sind die Temperaturen des Davosersees oder der Landwasser definitiv zu kalt. Jedenfalls für mich. Bis ich über den Hüften im kühlen Nass bin, ist die Mittagszeit schon längst vorbei.

Darum verbringe ich die jetzigen Mittage mit Laufen, Biken oder Fussballspielen mit Arbeitskollegen. Apropos Sport: In Davos ist eindeutig Outdoor statt Indoor angesagt. Dank dem Naturparadies gleich vor der Türe ist das naheliegend. Besonders die Seitentäler rund um Davos faszinieren mich. Ich gebe aber ehrlich zu, dass mir die Gipfelaussichten der Urner Bergwelt imposanter erscheinen.

Liebe Urnerinnen und Urner, ich wünsche Ihnen allen eine tolle Sommerzeit – wo auch immer Sie diese verbringen werden. Ich werde die Vorzüge meiner zwei «Zuhause» Spiringen und Davos geniessen, aber bestimmt auch einen Ausflug nach Zürich unternehmen. Meinen geliebten Starbucks-Kaffee ersetzt nämlich weder der Kaffee in der «Alten Post» noch der im «Kaffeeklatsch».

Sarah Kempf, Anwaltsassistentin, Davos/Spiringen

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