Ürner Asichtä
Bristenlama

Unsere Kolumnistin berichtet vom Besuch auf einem Lamahof – und geht der Frage nach, ob wirklich alle Lamas spucken.

Fränzi Stalder, PR-Fachfrau
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Fränzi Stalder, PR-Fachfrau.

Fränzi Stalder, PR-Fachfrau.

Ein Hauch Südamerika liegt in der Luft. Mystische Nebelschwaden ziehen umher, die Strasse ist schmal, die Umgebung gebirgig. Wir befinden uns auf knapp 900 Meter über Meer. Stirn runzeln? Ertappt. Gerda und ihre Tochter Laura begrüssen meine Familie und mich auf ihrem Hof in Bristen. Meine Vorfreude auf unser bevorstehendes Lama-Trekking ist riesig. Seit ein paar Jahren lebt die Familie Fedier mit der Haltung von Lamas ihren Traum im Maderanertal. Im Stall lernen wir Lamazüchter Rolf kennen. Lamas spucken. Dies entspricht der Wahrheit, erklärte der Landwirt mit Bristner Dialekt. Sie spucken jedoch nur auf Menschen, wenn sie von diesen belästigt oder gequält werden. Ansonsten sind eher ihre Artgenossen den Spuckattacken ausgesetzt, da die Tiere ihr Revier verteidigen oder ihre Stellung innerhalb der Herde behaupten. Wir erfahren, dass Lamas zur Gattung der Neuweltkamelieden gehören, wovon es zwei Typen gibt: das Classic Lama und das Wooly-Lama. Lamas laufen auf zwei Lederballen und verursachen kaum Trittschäden. Ich muss Schmunzeln bei der Info, dass die Lamas auch immer am gleichen Ort ihr Geschäft erledigen. Vermehrt werden sie auch im Herdenschutz eingesetzt, um die Schafe vor dem Wolf zu beschützen.

Beschnuppern im wahrsten Sinn des Wortes ist angesagt. Die Lamas wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Ich rede meiner Lama-Dame gut zu und spüre, dass es passt zwischen uns. Schon eine stolze Erscheinung so ein Lama, denke ich mir, als das Tier direkt vor mir steht. Aber mit ihrem freundlichen Wesen hat sie mich schnell «im Sack».

So macht bergauf Spass. Die Lamas nehmen es gemütlich und geniessen auch die herrliche Aussicht auf das Reusstal und den Urnersee. Mit ihrem wogenden Gang wandern sie mit uns Kurve um Kurve nach oben. Wenn am Wegrand Tannenäste als Delikatessen locken, werden diese genüsslich verspiesen. Spannend ist auch während des Trekkings das Sozialverhalten der Tiere zu beobachten. Es gibt sowohl eine Anführerin als auch das «Laternli», welches schaut, ob alle da sind. Gerda und Laura beantworten während unserer Tour geduldig und kompetent all unsere Fragen. Bergab sind die Lamas dann auch mit flotterem Tempo unterwegs, aber dank der Tannenäste liegen noch genügend kurze Pausen drin. Als die Lama-Damen draussen vor ihrem Zuhause die Hengste entdecken, werden die Ohren gespitzt und die Köpfe gestreckt. Frühling liegt in der Luft.

Zurück auf dem Hof treffen wir auf die komplette Lama-Herde und die Jungtiere. Wir geniessen das Bad in der Menge und die gutmütigen Stupser von allen Seiten. Das Lama ist ein Nutztier. Familie Fedier verarbeitet vor allem das Lama-Fleisch und verkauft die Produkte direkt ab Hof. Dieser Versuchung konnten wir nicht widerstehen. Mit dem Grillieren der Lama-Bratwürste im Maderanertal endet ein unvergessliches Erlebnis.