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«Ürner Asichtä»: Der Mensch ist, was er isst

Am vergangenen Samstag hat in Altdorf ein No-Food-Waste-Aktionstag statt. Ruedi Bomatter berichtet in seiner Kolumne, was man dabei lernen konnte.
Ruedi Bomatter

Ruedi Bomatter

Rund 7,7 Milliarden Menschen leben auf dieser Erde, so viele, wie noch nie zuvor. Und wir produzieren Lebensmittel für über 12 Milliarden Menschen. Das müsste doch ausreichen, dass alle Menschen einen vollen Teller vor sich haben, könnte man denken.

Aber eben: Rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen im Abfall. Während wir gegen Fettleibigkeit, Diabetes und ernährungsbedingte Kreislauferkrankungen kämpfen, leiden über 800 Millionen Menschen an Unterernährung, eine weitere Milliarde an Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen. Täglich sterben Erwachsene und auch Kinder einen grausamen Hungertod.

Das macht mich nicht nur betroffen, ich schäme mich auch dafür. Wir scheuen keinen Aufwand, um exotische Lebensmittel aus dem hinterletzten Winkel dieses Planeten auf unsere Teller zu bringen, unsere Resten zurück zu führen, liegt aber nicht mehr drin. Damit lässt sich auch kein Geld verdienen. Innerhalb des Ablaufdatums von sensiblen Lebensmitteln sind wir in der Lage, weltweit Waffen, Munition und anderes Kriegsmaterial bereit zu stellen, aber bei der Nahrung funktioniert das nicht – eine traurige Welt!

Doch was kann ich als Einzelner gegen diese ungerechte Verteilung und sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln unternehmen? Das hat der No-Food-Waste-Aktionstag vom vergangenen Samstag in Altdorf aufgezeigt, ein wirklich toller Anlass. Verantwortungsbewusstes Einkaufen, die sinnvolle Portionierung und Zubereitung, die korrekte Lagerung sowie die konsequente Verwertung von Resten tragen dazu bei, dass weniger Nahrungsmittel im Abfallkübel landen. Das sind zwar nur kleine Schritte, aber zumindest in die richtige Richtung.

Noch habe ich die Hoffnung auf eine Welt ohne Hunger nicht ganz verloren. Unser Ernährungsverhalten wird sich in den nächsten 20 Jahren noch einmal stark verändern. Das Umweltbewusstsein und der Druck, die Ressourcen besser zu verteilen, nimmt zu. Neue Technologien bei der Produktion, beim Transport und bei der Lagerung werden auch neue Lösungsansätze aufzeigen. Die Erschliessung neuer Ressourcen wie beispielsweise die Verarbeitung von Insekten oder Algen werden einen weiteren Beitrag leisten. «Vertical Farming» und «Urban Growing» werden die Produktion und auch das Bewusstsein verändern.

Es braucht aber weitere Anstrengungen auf politischer und auf gesellschaftlicher Ebene. Es darf einfach nicht sein, dass tonnenweise geniessbares Obst und Gemüse auf den Feldern liegen bleibt, nur weil es aufgrund von Farbe, Form oder Grösse den Normen nicht entspricht oder dem anspruchsvollen Markt nicht genügt. Und schliesslich braucht es auch wirtschaftliche Anreize und diese funktionieren bekannterweise nur über das Portemonnaie. Mit einer vorgezogenen «Entsorgungsgebühr» auf überschüssige Lebensmittel könnte der Transport in die bedürftigen Regionen auch wirtschaftlich interessant werden.

Ruedi Bomatter, Altdorf, freischaffend in der Kommunikationsbranche

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