Ürner Asichtä: «Die Partei kann man wechseln wie die Unterwäsche»

Ruedi Bomatter schreibt über die Strategie der Parteien, politisch unerfahrene Personen auf die Liste zu nehmen, um Stimmen zu holen.

Ruedi Bomatter
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Im März dieses Jahres haben wir unser Kantonsparlament, den Landrat, neu bestellt. In den Proporzgemeinden waren die Parteien fleissig bemüht, der Wählerschaft ein möglichst breites Angebot an Kandidatinnen und Kandidaten zu präsentieren. Dabei fanden sich auf den Listen auch Personen, welche kaum politische Basisarbeit geleistet haben, ja bis zur Präsentation der Listen nicht einmal Mitglied einer Partei waren.

Ein solches politisches Greenhorn ist auch Michael von Mentlen. Die SVP Altdorf hat den 22-jährigen Elektroinstallateur auf die Liste gelockt – mit welchen Versprechungen auch immer. Doch seine Wahlchancen waren – nicht zuletzt aufgrund seines bescheidenen politischen Leistungsausweises – eher bescheiden. Nichtsdestotrotz hat er der SVP Listenstimmen eingebracht, wohl vorwiegend aus dem Lager der jüngeren Wählerschaft. Auf den ersten Blick scheint die Rechnung für die SVP aufgegangen.

Doch auf den zweiten Blick sieht es anders aus: Nach dem Wegzug des glücklosen Regierungs- und Nationalratskandidaten Pascal Blöchlinger verliert die SVP im Urner Landrat mit ihrem ehemaligen Parteipräsidenten ein sehr prominentes Mitglied. Gemäss Urner Wahlgesetz rückt in diesem Fall die nichtgewählte Person mit den meisten Stimmen auf der Liste nach. Dies wäre der Jurist André Gisler. Da dieser aber inzwischen zum Staatsanwalt gewählt wurde und nun auf der Besoldungsliste des Kantons steht, kommt er für das Landratsamt nicht mehr in Frage. Also erbt Michael von Mentlen den freiwerdenden Sitz, da er auf der SVP-Liste unter den Nichtgewählten am zweitmeisten Stimmen für sich gewinnen konnte. Doch mit diesem Resultat sind zumindest einige der SVP-Exponenten nicht ganz zufrieden. Andere Kandidaten hätten dieses Amt eher verdient, da sie auch etwas für die Partei geleistet hätten. Das mag richtig sein. Doch Fakt ist, dass der politisch unerfahrene Michael von Mentlen 17 Stimmen mehr erhalten hat, als der neue kantonale SVP-Präsident Fabio Affentranger, der ungleich mehr für die Partei gemacht hat.

Doch man kann die Frage auch umkehren: Was haben die Parteien für ihre neuen Kandidatinnen und Kandidaten getan? Ziemlich wenig, was die SVP betrifft. Keine Vorstellungsrunde, kein Briefing, keine Anweisungen für das Verhalten während des Wahlkampfes, keine politische oder persönliche Unterstützung seitens der erfahreneren Parteikollegen. Da ist es verständlich, dass sich der Jungpolitiker etwas «vorig» und verschaukelt vorkommt. Die Parteien, und damit meine ich nicht nur die SVP, wären gut beraten, ihren jungen und unerfahrenen Vertretern die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, sonst könnte der Schuss auch nach hinten losgehen. Denn die Partei kann man wechseln wie die Unterwäsche, selbst als gewähltes Mitglied im Landrat muss man dazu niemanden fragen.