Kolumne
«Ürner Asichtä»: Ein typisch schweizerischer Kompromiss

Schauspieler und Buchautor Urs Althaus äussert seine Gedanken zur Kleiderwahl für einen besonderen Anlass.

Urs Althaus
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Urs Althaus

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Kaum zu glauben, aber ich war unsicher. Unsicher, was ich anziehen sollte. Ich, der auf so vielen Partys auf der Welt von Berühmtheiten eingeladen war und bin. Doch an diesem Sonntag vor wenigen Wochen fiel mir die Entscheidung echt schwer, als ich frisch geduscht halbnackt vor meinem Kleiderschrank stand. Am liebsten hätte ich die Unterschächner Sonntagstracht angezogen, kombiniert mit modernem Look. Oder einfach das blaue Urner «Hirthämmli» mit Kapuze, modisch kombiniert. Doch schliesslich entschied ich mich für das graue Jackett, ein schwarzes T-Shirt und Hosen mit blauen, modischen Schuhen. So ging ich an meine erste Ständeratswahlfeier in meinem Leben und erwies meiner Freundin Heidi Z’graggen die Ehre.

In diesem Moment wollte ich Urs sein, hatte jedoch nicht den Mut, mich nach meinem Buchtitel «Ich, der Neger» zu kleiden. Also suchte ich nach einem typisch schweizerischen Kompromiss. Ich war gespannt, wie sich die anderen geladenen Gäste kleiden und wie sie auf mich reagieren würden. Auf mich, den parteilosen Protestanten an einer CVP-Feier.

Ich wollte pünktlich sein und kam getreu der Erziehung meiner Mama 15 Minuten zu früh an. Einige der Gäste kamen in schönen Urner Trachten, ich sah aber auch viele individuell Gekleidete. Eines aber hatten wir gemeinsam: Wir waren alle hier, um mit Heidi zu feiern.

Die Wahlfeier war einzigartig und hat mich tief beeindruckt. Ich habe so viele Menschen getroffen. Viele kannte ich von früher. Und von vielen wusste ich gar nicht, wie bedeutend sie in der Urner Politik sind. Beeindruckt hat mich auch, dass Heidi Z’graggen parteiübergreifend beglückwünscht wurde.

Und so waren meine Befürchtungen umsonst.

Unsere neue Ständerätin ist ebenso wie der wiedergewählte Ständerat Josef Dittli im Patronatskomitee von unserem Verein «Grand Opera Willhelm Tell». Sie haben mein Opernprojekt von Anfang an unterstützt. Das Gleiche gilt auch für den Urner Regierungsrat, die Dätwyler Stiftung, BDO, Firma Arnold Co. und Urnerinnen und Urner, die unseren Verein unterstützen.

Vor kurzem durften wir das Projekt der Zentralschweizer Regierungskonferenz im Kloster Einsiedeln vorstellen und hoffen sehr, dass wir die nötigen 1,3Millionen gemeinsam zusammenbringen, um den Tell auf dem Rütli 2021 aufzuführen. Ich bin sicher, dieses Projekt ist nachhaltig für Uri und die Region. Und es bedeutet mir sehr viel. Ich würde mich enorm freuen, wenn wir gemeinsam dieses Projekt realisieren würden. Ob ich zur Premiere im Hirthemd, im Tell-Look oder im eleganten Anzug kommen werde, dafür entscheide ich mich später.

Urs Althaus, Schauspieler und Buchautor