«Ürner Asichtä»: Fernweh

Der Kanton Uri ist für Fränzi Stalder ein Paradies auf Erden. Wenn sie Kondensstreifen am Himmel sieht, bekommt sie trotzdem Fernweh.

Fränzi Stalder
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Fränzi Stalder, PR-Fachfrau

Fränzi Stalder, PR-Fachfrau

Bild: Urner Zeitung

Ein wenig habe ich sie schon vermisst: die Kondensstreifen am Himmel. Sie zu beobachten, löst in mir unweigerlich immer ein klein wenig Fernweh aus. Da ich im Moment nicht weiss, wann meine nächste grössere Reise über den Ozean möglich sein wird, halte ich mich diesen Sommer wohl an Goethes «Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?».

Wer mit offenen Augen und ein wenig Fantasie im Urnerland auf Reisen ist, entdeckt immer wieder (und ich gerade immer öfter) einen schönen Flecken Erde. Würden im Weiler Gwüest nicht noch ein paar Häuser stehen, ich wähnte mich in der Göscheneralp wohl wie in Kanada: Gletscher, Seen, Wald und hohe Berggipfel. Auf der Wanderung ins Chelenalptal staunte ich nicht schlecht, als die roten Felsen mich an Down Under erinnern liessen. Die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee ähnelt den Fjorden in Norwegen oder in Neuseeland. Das wildromantische Maderanertal kann es locker mit einem Grand-Teton-Nationalpark in den USA aufnehmen. Weitwanderwege kreuzen nicht nur die schottischen Hügellandschaften, sondern auch den Kanton Uri: Via Alpina, Via Gottardo und der Jakobsweg, um nur eine kleine Auswahl aufzuzählen. Palmen und mediterranes Klima vermitteln Ferienfeeling in Bauen. Und erst die Fortbewegungsmittel. Ein Hauch von Transsibirischer Eisenbahn versprüht eine Fahrt mit der Furka Dampfbahn.

Dank Föhn sausen die Surfbretter nur so über den Urnersee (ok, die Wellen sind wohl in Hawaii etwas höher, aber immerhin). Einige unserer Seilbahnen lösen bei manch einem sicherlich einen Adrenalinschub aus, welcher sonst wohl nur dank einem teuren Outdoor-Adventure-Anbieter ermöglicht werden kann. Die Tierwelt in Uri wird auch immer vielfältiger. Lamas und Yaks sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Wer sich ein wenig aus dem Urnerland wagt, ist jetzt sogar innert kürzester Zeit in Afrika (die Lewa Savanne im Zoo Zürich beherbergt Giraffen, Zebras und Nashörner). In Sachen Kulinarik können wir mit Italien, der Türkei und Japan mithalten.

Schau! Ein Kondensstreifen am Himmel. Fernweh beschreibt die Sehnsucht, vertraute Verhältnisse zu verlassen und sich die weite Welt zu erschliessen, meint Wikipedia. Der Kanton Uri ist ein Paradies auf Erden, meine ich. Aber meine Sehnsucht nach neuen Kulturen, Sprachen, Landschaften, unentdeckten Winkeln und vor allem authentischen Erlebnissen, wie sie nur im jeweiligen Land möglich sind, hört eben nicht an der Kantonsgrenze auf