Kolumne

«Ürner Asichtä»: Hier können Veränderungen stattfinden

Urs Althaus, Buchautor und Schauspieler, spricht über Chancen, die gerade jetzt gepackt werden können und sollten – Rassismus, aber auch die Kultur betreffend.

Urs Althaus
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Bild: Urner Zeitung

Kultur, Politik, Chancengleichheit, Corona. Das sind Schlagwörter unserer aktuellen Zeit. Ein altes Sprichwort sagt: «Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist.» Das Gleiche gilt für Länder. Weltweit flammen wieder mal Proteste gegen Rassismus auf, diesmal mit dem Unterschied, dass sich vor allem viele Junge, egal ob weiss, schwarz, rot oder gelb, für Chancengleichheit einsetzen.

Corona hat uns die Augen geöffnet und gezeigt, dass Rassismus nicht nur Weiss gegen Schwarz bedeutet, sondern dass alle nicht privilegierten Menschen, egal welche Hautfarbe sie haben, im selben Boot sitzen und um ihre Existenz kämpfen müssen. Da reicht es nicht, in die Kirche zu springen, zu beten und zu beteuern, dass vor Gott alle gleich seien. Statt Lippenbekenntnisse abzugeben, rufe ich alle dazu auf: Macht was! Kämpft für eure Kinder und die Zukunft und eine gerechtere Welt! Die Schweiz ist der richtige Ort dafür, dank der direkten Demokratie, der Macht des Volkes. Hier können Veränderungen stattfinden.

Auch für die Kultur lohnt es sich, zu kämpfen. Kulturschaffende habe es momentan schwer. Existenzen werden vernichtet oder sind bestenfalls bedroht. Leider ist auch unser Opernprojekt, Wilhelm Tell auf dem Rütli, der Coronakrise zum Opfer gefallen. Als Hauptsponsor hatten wir zuletzt eine Schweizer Versicherung im Rücken. Doch die hätte es gar nicht gebraucht, wenn alle «wenn’s passt Kulturliebhaber» ihren Beitrag geleistet hätten. Ich selber habe eine grosse Summe in das Projekt investiert. Erhofft hätte ich mir, dass es mir viele gleichgetan hätten, denen Kultur und Heimat am Herzen liegen.

So auch der Bund und die Kantone. Oder wie wär’s mit der Postauto AG? Schliesslich stammt das ikonische Posthornmotiv «Düü Daa Doo», das jedes Kind kennt, aus der Ouvertüre der Tell-Oper. Nach dem Postautoskandal ist das die ideale Gelegenheit, die eigene Reputation zu stärken – sozusagen als Wiedergutmachung und Entschuldigung für den Steuerzahler. Auf jeden Fall nehme ich nun amüsiert zur Kenntnis, wie gewisse Politiker jetzt nach einer 1.-August-Feier schreien.

Wer weiss, vielleicht kann unser Projekt doch noch irgendwann realisiert werden, wenn die Zeit dafür reif ist. Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Das hat sich erst kürzlich für mich ausgezahlt. 10 Jahre habe ich versucht, in Italien einen Verleger für mein neues Buch zu finden. Und ausgerechnet aus dem gebeutelten Land hat sich jetzt, aus heiterem Himmel, ein Verlag gemeldet. Das Buch erscheint am 7. August.

Urs Althaus, Schauspieler und Buchautor