«ÜRNER ASICHTÄ»
Im Takt des Mondes

Sarah Kempf sinniert über den Vollmond vom Samstag und darüber, was die Mondphasen für einige Menschen bedeuten. Darüber hinaus gibt sie eine Eselsbrücke, wie erkennt werden kann, ob der Mond zu- oder abnehmen ist.

Sarah Kempf, Spiringen/Zürich
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Sarah Kempf, Spiringen/Zürich

Sarah Kempf, Spiringen/Zürich

Bild: PD

Jeden Monat ist er da. Bei klarem Wetter sieht man ihn in seiner vollen Pracht und er erhellt die Nacht beinahe zum Tag. Einige von uns spüren ihn besonders intensiv. Im Schnitt zeigt er sich alle 29 Tage. Heute ist es wieder so weit, es ist Vollmond.

Bereits unsere Vorfahren wussten um die Wirkung des Mondes auf den Menschen und die Natur. Landwirte haben schon früh nach Mondstand gearbeitet. Ihre Beobachtungen hielten sie als sogenannte Mondregeln fest. Sie erkannten, dass Vollmond für Gartenarbeiten eher ungeeignet ist. Eine einfache Regel: Was nach unten wächst, bei abnehmendem Mond pflanzen, was nach oben spriesst, bei zunehmendem Mond säen. Auch ein Wetterumschlag oder Temperaturwechsel bei Vollmond sei nicht selten, wurde überliefert.

Tatsächlich, der Trabant bewirkt mit seiner Anziehungskraft Ebbe und Flut, er bringt ganze Ozeane in Bewegung. Viele Menschen trauen ihm deshalb auch Einfluss auf ihren Körper und ihr Befinden zu. Der Tag des Vollmonds gilt als Tag mit starken Gefühlen – als Zeit der psychischen Gereiztheit. Man sagt, Menschen und Tiere seien unruhig, schliefen weniger tief oder lägen stundenlang wach. Von Operationen an Vollmond wird nach Möglichkeit abgeraten, da es angeblich zu verstärkten Blutungen und verzögerter Heilung kommt.

Inzwischen gibt es wohl fast in jedem Haushalt einen Mondkalender mit Empfehlungen und Tipps. In meinem Kalender steht für heute: «Überdenken Sie wegen der Unruhe des Vollmonds alle Arbeitsschritte genau, bevor Sie ein wichtiges Projekt beginnen.» Puh, zum Glück ist heute Samstag und ich muss nicht zur Arbeit! Mal ehrlich, sind solche Aussagen nicht bloss verallgemeinerte Auslegungen? Muss der Vollmond nicht einfach als Entschuldigung oder Ausrede herhalten, wenn wir mal wieder nicht schlafen können, genervt sind oder unkonzentriert Auto fahren? Ist der Vollmond tatsächlich der Auslöser für die Mondsucht, also das Schlafwandeln?

Ich weiss es nicht. Auf jeden Fall schlafe ich auch in diesen Nächten wie ein «Murmeli». Ein Gefühlsmensch bin ich das ganze Jahr hindurch und meine Ungeduld beim Autofahren ist nicht lunar bedingt. Aber ich gebe zu, der Mond fasziniert mich und viele Ratschläge befolge ich. Dennoch, meine Ferien verbringe ich wohl auch im Jahr 2050 lieber irgendwo auf der Erde, statt auf einer Reise zum kalten Nachbar Mond.

Als «Take-away» von meiner Kolumne verrate ich Ihnen noch den Tipp, wie sie erkennen können, ob der Mond in unseren Breitengraden ab- oder zunimmt. Ist die Wölbung der Mondsichel nach links gerichtet, ist er abnehmend. Wie im A bei der «Schnüerlischrift». (Ja, die habe ich tatsächlich noch gelernt in der Schule.) Ist der Bauch der Mondsichel nach rechts gewölbt, ist er zunehmend, wie beim Z.

Liebe Urnerinnen und Urner, wie geht es Ihnen? Spüren Sie ihn, den Vollmond? Vielleicht sogar stärker als den Föhn? Ein kleiner Trost, es geht nicht nur Ihnen so. Vollmond haben nicht nur wir, sondern die ganze Welt.

Sarah Kempf, Spiringen und Zürich, Anwaltsassistentin