Kolumne
«Ürner Asichtä»: Mehr als Kochen oder Wohnung putzen

Unser Autor erzählt, wie er im Mai in den Genuss des zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs kam und wie er diesen verbracht hat.

Tobias Arnold
Tobias Arnold
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Nehmen wir an, die Leserschaft der «Urner Zeitung» ist repräsentativ für die Urner Bevölkerung: Dann sagte ein Viertel der erwachsenen Leserinnen und Leser dieser Kolumne mit Schweizer Pass am 27. September 2020 «Ja» zum bezahlten zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Ein Drittel lehnte die Vorlage ab und vier von zehn blieben der Urne fern. Der Ablehnung im Kanton Uri stand eine Annahme der Vorlage mit über 60 Prozent auf nationaler Ebene gegenüber. Und so kommt es, dass ich mit der Geburt meines Sohnes Anfang Mai als einer der ersten Männer in diesem Land in den Genuss dieses bezahlten Urlaubs komme. Wieso nicht diese Kolumne nutzen, um einen Erfahrungsbericht vorzulegen?

Also: Mein Sohn kam an einem Freitag zur Welt. Auch mit der alten Regelung hätte ich an diesem Tag nicht arbeiten müssen. Ich wäre sogar ein Glückspilz gewesen, da ich erst am Montag, also am vierten Lebenstag des Sohnemanns, wieder zur Arbeit hätte gehen müssen. Nun konnte ich den Computer an diesem vierten Tag jedoch getrost ruhen lassen und meine erste Woche des Vaterschaftsurlaubs antreten. Was macht ein Vater in so einer Woche? Wickeln musste ich, da das zweite Kind, nicht mehr von Grund auf lernen. Aber es kommen andere Aufgaben dazu: Für die grosse Schwester bedeutet das Brüderchen eine nicht zu unterschätzende Veränderung. Da kann väterlicher Beistand, während die Mutter noch im Spital umsorgt wird, nicht schaden.

Zu Hause im sogenannten «Wochenbett» ist natürlich die Mutter der «Hero», wenn sie, egal zu welcher Tageszeit, den Hunger des Kleinen stillt und gefühlt die Hälfte des Tages dafür aufwendet. Fehl am Platz fühlt man sich da als Vater trotzdem nicht: Ich meine jetzt nicht einmal das Kochen oder das Putzen der Wohnung. Ein Zuwachs in der Familie fordert alle Familienmitglieder heraus und stellt den Alltag so richtig auf den Kopf. Als Vater will auch ich zur Bewältigung dieser Herausforderung beitragen und nicht in 20 bis 30 Jahren dann mal meine Frau erzählen lassen, wie sie das alleine meistern musste. Natürlich wäre es ohne bezahlten Vaterschaftsurlaub möglich gewesen, die Ferientage für die Geburt meines Sohnes aufzusparen. Mit dem faden Beigeschmack, dass ich nun im Sommer zwei Wochen Familienferien mit Arbeiten tauschen müsste.

Ich will hier nicht jene kritisieren, die vergangenes Jahr den Vaterschaftsurlaub abgelehnt haben. Ich bin mir der Argumente dagegen durchaus bewusst und weiss, dass meine zwei Wochen nicht gratis sind. Ich glaube letztlich ist es eine Abwägung: Sind uns solche zwei Wochen, wie ich sie erleben durfte, das Geld wert? Als junger Mann, der mitten in der Phase der Familienplanung steht, mag ich diese Frage anders beurteilen als ein pensionierter Mann. So möchte ich damit abschliessen, dass es bei Abstimmungen meiner Meinung nach nicht «richtig» oder «falsch» gibt. Es gibt schlicht unterschiedliche Perspektiven und meine Perspektive habe ich mit dieser Kolumne offenbart.