«Ürner Asichtä»

Neujahrsvorsatz Nummer 57

Mely Schillig will eine Kolumne schreiben – aber bewusst eine, die sich nicht auf das Coronavirus bezieht. Schnell merkt sie, dass das gar nicht so leicht ist.

Mely Schillig
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Mely Schillig, Gastronomin.

Mely Schillig, Gastronomin.

Bild: PD

Was schreibe ich in meiner ersten Kolumne im 2021? Oder einfacher zu beantworten, was schreibe ich nicht in meiner ersten Kolumne im 2021? Ich schreibe nicht über Corona. Zu einfach und erwartet wäre die Themenwahl als Urner Gastronomin. Die fehlende finanzielle Unterstützung gepaart mit unendlich langweiliger, nervtötender Bürokratie. Dazu das Ungewisse: wie weiter, wie lange noch, oder eben nicht? Aber auch die wunderbare Kehrseite dazu. Die unglaublich kreative Unterstützung meiner Gäste. Die extrem motivierenden Worte und Taten – einfach unbeschreiblich! Und doch, Sie sehen und lesen es, schon hat es sich eingeschlichen: das «C-Dings». Aber ich will meine Kolumne und somit den Start ins 2021 frisch und anders gestalten. Jawohl! Was würde ich schreiben, wenn, ja genau, wenn dieses miese, fiese «C-Dings» nicht da wäre?

Anfang Januar. Nehmen wir 2020 oder 2019 – egal, einfach nicht 2021. Der Jahreswechsel ist erst einige Nächte her und mit ihm auch die alljährlichen Neujahrsvorsätze. Kaum heraufbeschworen und daran geglaubt, es zu vollführen, schon wieder verworfen und verworren im Alltag des Seins. Was nehmen sich Frau und Herr Schweizer zum Jahreswechsel so alljährlich wieder und immer wieder vor?

Nummer 1: mehr Sport machen. Gute Idee! Und schon schleicht sich hämisch grinsend das «C-Dings» in meinen Kopf und raunt verächtlich: Na klar, hast ja genug Zeit, da die Beiz zu ist. Halt, Stopp! Sei ruhig! Geh weg! Meine Kolumne! Ohne Dich!

Nächster Versuch. Nummer 2: mit dem Rauchen aufhören. Bin Nichtraucher. Nächster Punkt. Nummer 3: abnehmen. Unnötig. Nächster Punkt. Nummer 4: Muskeln aufbauen. Ja, da wäre bestimmt ein gewisses Potenzial vorhanden. Zeit hätte ich genug, da die Beiz zu ist. Ach, nein, jetzt sind wir wieder bei Punkt Nummer 1. Aber Hallo? Sind wir denn hier beim« Leiterli-Spiel»? Zurück zum Start?

Resigniert lese ich weiter bis Punkt Nummer 8: öfter Zahnseide verwenden (echt jetzt, das steht auf Nummer 8 der Liste von Frau und Herr Schweizer?). Ich kämpfe mich weiter durch, gesünder ernähren, mehr Wasser trinken, beim ersten Weckerklingeln aufstehen (halloho, wer macht denn das nicht?), mehr schlafen (na, eben, vergessen Sie also bitte sofort den vorherigen Punkt), mehr Zeit mit der Familie verbringen (guter Vorsatz! Und Zeit habe ich ja genug weil ... ach, lassen wir das), mehr sparen, Ausgaben senken (das kommt ja wohl aufs gleiche raus), auf die nächste Gehaltserhöhung hinarbeiten (hmm, ob ich beim Erwerbsersatz eine Gehaltserhöhung beantragen soll?), bis hin zu mehr spenden (mache ich sofort nach der Gehaltserhöhung).

Oder auf Platz Nummer 35: öfters lächeln. Ein schöner Vorsatz. Nur leider sieht das keiner unter der Maske. Und Zack, hat sich das miese, fiese, nervige «C-Dings» wieder und wieder und wieder in meine Kolumne eingeschlichen! Los, husch, husch, verzieh dich! Komm schon! Lass mir diesen einen Triumph, du mieses, fieses, kleines, gemeines «C-Dings», du, und halt dich aus meiner Kolumne raus! Ich sehe schon, das wird schwierig.

Ich räume ein, dass das «C-Dings» momentan kaum wegzudenken ist. Zu dominant versprüht es seine verpestete Sache. Immer wieder stellt es sich vor alles und jeden. Drängelt sich vor und schubst alles andere bei Seite. Und nun frage ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie soll das weitergehen? Was machen wir damit? Und ja, für mich persönlich habe ich eine Lösung gefunden. Sie ist ganz einfach – eigentlich: Ich nehme dieses miese, fiese, kleine, gemeine, hässliche «C-Dings» und «scheisse» drauf. Entschuldigen Sie die Wortwahl. Doch genau das mache ich. Ich lasse mir meine Freude am Leben nicht nehmen! Tanze weiter durch den Schnee oder den Regen und geniesse, was es zu geniessen gibt. Und das wäre einiges! Punkt Nummer 57: nicht alles so ernst nehmen.