«ÜRNER ASICHTÄ»
Nichts wird uns dieses Jahr die Frühlingsfreude nehmen

Gastronomin und Mutter Melanie Schillig hat genug vom Winter: Sie spricht vom wagemutigen Öffnen des obersten Winterjacken-Knopfs.

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Melanie Schillig.

Melanie Schillig.

Bild: PD

Ich denke, ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage: «Ich habe mich noch nie so sehr auf den Frühling gefreut wie jetzt.» Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie der Winter seinen eisigen Koffer packt und den langen dicken Schall von der Landschaft zieht. Sich seinen grossen Hut aufsetzt und zum Hinterausgang hinausschleicht. Platz macht für Licht und Wärme. Raum gibt.

Wagemutig öffnen wir den obersten Knopf unserer Winterjacke. Recken unsere weissen Schwanenhälse, wie Pflanzen stetig Richtung Licht wachsend, gierig in die warmen Sonnenstrahlen. Geniessen.

Der Garten wird von der dürren, trockenen Winterlast befreit und die ersten Schneeglöcklein zeigen ihre weissen Köpfe. Rauchig duftend ziehen bereits vereinzelt Grilldüfte durch unser Wohnquartier und spätestens jetzt ist es an der Zeit, den Balkon zu entstauben. Die leichten Turnschuhe werden hervorgesucht und die Mützen verstaut. Soll man die Skier auch wegräumen oder gibt es noch eine gemütlich warme Frühlingsfahrt auf dem weichen Sulz? Trotzig rede ich mir ein, die Handschuhe morgens in der Frühe seien nicht mehr vonnöten. Alles deutet auf den Frühling hin.

Wir freuen uns auf Piratenspiele bis spät in den Abend und dünne Jacken, bei denen sich endlich nicht mehr alles im Reissverschluss verklemmt. Auf die ersten verkohlten Cervelats direkt vom Feuer und auf Spaziergänge im Wald. Auf länger werdende Tage und kürzere Nächte. Wir freuen uns auf Sandkastenparties, Regenwurmausgrabungen und Velofahrten. Auf das Gefühl von warmem Asphalt auf den nackten Fusssohlen und auf ein kühles Bier am Abend mit dem ersten leichten Sonnenbrand auf den Schultern.

Wir freuen uns auf überschäumende Lebensfreude und den Geruch von Frühlingsregen auf sonnengewärmtem Boden. Auf klebrige Kinder-Glacé-Hände und auf Winterfell-Katzenhaare in der ganzen Wohnung. Mit tränenden Heuschnupfen-Augen versichern wir uns gegenseitig, dass uns nichts und wieder nichts von unserer Frühlingsfreude abbringen wird. Den Lärm des Rasenmähers des Nachbarn ertragen wir auch sonntagmorgens mit stoischer Gelassenheit.

Nichts wird uns dieses Jahr die Frühlingsvorfreude nehmen. Nicht nach diesem endlosen langen Winter zu Hause. Nein, unmöglich. Hallo Frühling, schön, bist du da.