Ürner Asichtä

Unvergessliche Weihnachten

Sarah Kempf blickt zurück auf eine aussergewöhnliche Weihnachtszeit und voraus auf ein hoffentlich vermehrt selbstbestimmtes Jahr 2021.

Sarah Kempf
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Sarah Kempf

Sarah Kempf

Bild: PD

Aus dem Radio tönt eines meiner Lieblingsweihnachtslieder «Fröhliche Weihnacht überall, tönet durch die Lüfte froher Schall. Weihnachtston, Weihnachtsbaum, Weihnachtsduft in jedem Raum …»

Wie schön, den Klang bekannter Weihnachtsmusik in den Ohren zu haben. Den ganzen Tag lang könnte ich sie hören. Ich singe mit und das Gefühl der Freude durchflutet mich. Es scheint, als wäre alles wie immer. Doch der Schein trügt. Dieses Jahr ist alles etwas anders. Unzählige Anpassungen haben wir in den vergangenen Monaten durchgemacht. Wir persönlich, und die ganze Welt. Was gestern galt, kann heute schon veraltet sein und muss morgen wieder neu beurteilt werden. Verrückt!

Wer mich kennt, weiss, dass ich eine Person bin, die ständig Veränderungen braucht. Ich bin Expertin im Zügeln, Neuem anzupacken, Weiterbildungen machen, mich beruflich zu verändern und die Welt zu entdecken. Ich liebe Neues und bin immer dabei, wenn es etwas auszuprobieren gibt. Doch 2020 war auch für mich zu viel in Sachen Veränderungen. Und ich weiss auch warum: Ich konnte nicht selbst entscheiden.

Dieses Virus hat uns alle eingeschränkt. Ich darf mein Grosi nicht mehr besuchen, wann ich will. Ich kann nicht mehr spontan mit Freunden Pizza essen gehen. Meine Trainings sind nur noch draussen mit einzelnen Personen erlaubt. Mir wird aufgebrummt, teilweise von zu Hause aus zu arbeiten. Zugfahren und Einkaufen sind nur noch mit Abstand und Maske vor dem Gesicht erlaubt. Hilfe! Hoffentlich sind diese Szenarien bald wieder vorbei – auf einmal sehne ich mich nach Beständigkeit und Harmonie.

Ich schaue aus dem Fenster – und lächle. Herrlich, die Natur ist verpackt in der Schneepracht. Weisse Weihnachten. Zusammen mit meiner Familie verbringe ich die Festtage wie seit Jahren in Davos. Die Tage geniessen wir draussen auf der Skipiste, der Loipe oder auf Winterwanderwegen. Abends sitzen wir gemütlich zusammen in der Wärme. Genüsslich lassen wir uns verwöhnen. Lauschen der Weihnachtsmusik im Hintergrund und summen zwischendurch mit. Gemütlich führen wir Gespräche aller Art, für die im hektischen Alltag keine Zeit bleibt. Es sind Momente der Unbeschwertheit.

Abrupt bin ich zurück in der Realität, als uns der Kellner kaum verständlich durch den Mundschutz verschiedene Desserts schmackhaft macht. Es ist kein schlechter Traum, Corona ist Wirklichkeit. Trotz allem, das vergangene Jahr hatte auch seine guten Seiten. Viele von uns nahmen sich mehr Zeit für sich selber, gönnten sich Ruhe und Besonnenheit. Doch davon habe ich langsam aber sicher genug! Ich will mein spontanes, selbstbestimmtes, lebendiges, attraktives Leben der Freiheit zurück. Zuversichtlich blicke ich aufs 2021.

Liebe Urnerinnen und Urner, bis wir uns wieder die Hände geben, umarmen und küssen können, braucht es wohl noch Zeit. Eine gehörige Portion Durchhaltewillen und Optimismus wünsche ich mir für uns alle. «Ä guätä Rutsch, bliebet gsund und verlieret d Läbensfräid nid.»