Ürner Asichtä
Vorwärts, mutig, marsch

Kolumnist Stefan Fryberg macht Werbung für die Corona Impfung.

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Stefan Fryberg.

Stefan Fryberg.

Bild: PD

Ich weiss, auch Ihnen hängt Covid-19 allmählich zum Hals heraus. Wem nicht? Aber wir müssen mit dem Virus leben, ob es uns passt oder nicht. Neuerdings fällt mir das um einiges leichter. Ich bin schon zum zweiten Mal geimpft – und fühle mich enorm erleichtert, ja, wie neugeboren.

Was doch so ein winziger Pik in den Oberarm erzielen kann. Nicht eine Sekunde habe ich an der Wirksamkeit des Impfstoffs gezweifelt. Geschweige mir über ernste Nebenwirkungen Gedanken gemacht. Mit dem Vorwurf, fahrlässig gehandelt zu haben, kann ich gut leben. Mein Vertrauen in die Wissenschaft ist eben um ein Vielfaches grösser als der Glaube in das über Internet zusammengestiefelte Halbwissen jener, die sich berufen fühlen, mit dem Eifer der einst wortgewaltigen Missionare die Welt vor den unlauteren Absichten der profitgierigen Chemieriesen zu retten.

Was sind wir doch für eine Gesellschaft von Zweiflern, Nörglern und Kritikern geworden. Alles und jedes wird hinterfragt und in Abrede gestellt. Sicher, seit der Aufklärung wissen wir, dass wir den eigenen Verstand gebrauchen und nicht eingeschüchtert alles glauben sollen, was man uns vorsetzt. Nur: Man kann vor lauter Zweifel und Zagen auch nicht mehr vom Fleck kommen. Da lobe ich mir unsere Vorfahren, die in vielen Dingen um einiges mutiger als wir waren. Hatte man früher das Ziel vor Augen, steht heute der Weg dahin vielfach im Zentrum. Alles muss bis ins letzte Detail richtig aufgegleist sein. Nichts darf dem Zufall überlassen werden. Und ja, alles so regeln, dass später keine Vorwürfe gemacht werden können. Das mag ja alles gut und recht sein. Doch wir bezahlen dafür einen teuren Preis. Was früher in wenigen Monaten abgewickelt wurde, kann heute Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.

Ein Beispiel gefällig? Kaum war Anfang Januar 1872 die Finanzierung der Gotthardbahn gesichert, legte die für den Bau verantwortliche Gotthardbahngesellschaft los. Drei Monate später, am 5. April, erschien in den grössten europäischen und amerikanischen Zeitungen ein Inserat, das die «Ausführung des Alpentunnels der Gotthardbahn» öffentlich ausschrieb. Bis zum nächsten 18. Mai, also in 43 Tagen, waren die Offerten einzureichen. Am 7. August wurde der Vertrag mit Louis Favre unterzeichnet. Und am 12. September begann man in Göschenen und Airolo mit dem Tunnelbau.

Alles muss seine Richtigkeit haben. Sicher. Aber sind wir nicht auf dem besten Weg, vor lauter Prüfen, Absicherungen und Klären von Detailfragen in einen Aktivismus zu verfallen, der ausser einer Flut von Papieren nichts mehr zu Stande bringt? Kaum äussert jemand eine Idee, spicken flugs zahlreiche Warnfinger in die Höhe. Bedenken hier, Einsprüche da. Mit dem Resultat, dass für längere Zeit alles beim Alten bleibt.

Wer nichts Falsches machen will, ist geneigt, nichts zu machen. Dies mag die eine oder den anderen auch zum Trugschluss bewegen, sich nicht gegen Covid-19 impfen zu lassen. Mit dem Resultat, dass bei zu wenig Impfungen tatsächlich für längere Zeit alles beim Alten bleibt: hohe Fallzahlen, Überlastung der Spitäler, Anstieg der Todesfälle, Masken tragen, kein Feierabendbier, geschweige Ferien am Meer. Wer will das schon? Ich schwöre bei allen Heiligen: Impfen tut nicht weh. Im Gegenteil, wetten, auch Sie fühlen sich nach dem Pik wie neugeboren.