Kolumne

«Ürner Asichtä»: Weil es Spass macht?!

Ralph Aschwanden berichtet in seiner Kolumne von den Strapazen, mit der Familie Ski fahren zu gehen. Und er fragt sich, weshalb er dies trotzdem tut. 

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Ralph Aschwanden

Ralph Aschwanden

Ich bin auf dem Weg nach Andermatt. Mit dem Auto, meiner Frau und den Kindern. Skifahren ist angesagt. Nach rund 45-minütiger Vorbereitung haben wir es endlich ins Auto geschafft. Nach einer frühmorgendlichen, 45-minütigen Parforceleistung, um alle Familienmitglieder und alles Material ins Auto zu bringen.

Ein erstes Mal frage ich mich (leise): «Wieso tun wir uns das an?» «Weil es Spass macht», werden die einen sagen. Oder: «Weil wir die Sonne geniessen wollen.» Noch besser: «Wegen des Aprés-Ski.» Und dann gibt es jene, für die Skifahren einfach zur Schweizer Kultur gehört: «Wir haben das von unseren Eltern so gelernt.» Seit ich selber Kinder habe, habe ich von der Kategorie Spass und Aprés-Ski in den «Kultur-» und «Traditionsclub» der Skifahrer gewechselt. Für mich also gilt: Mit den Kindern draussen sein, eine traditionelle Sportart der Schweiz kennen lernen, Traditionen weitergeben. Deshalb geht man als Familie Ski fahren.

Nun – mittlerweile im stockenden Kolonnenverkehr die Schöllenen hoch – frage ich mich erneut (etwas lauter): «Warum tue ich mir das an?» Denn ein Blick in unser Auto und die notwendigen Skiutensilien für einen schönen Tag auf der Piste lassen nämlich eher auf einen zweiwöchigen Urlaub, denn auf einen Tagesausflug schliessen. Mehr als 70Objekte füllen mittlerweile unser Auto, wenn wir nach Andermatt fahren.

Das glauben Sie nicht? Ich habe nachgezählt: Vier Skihelme, vier Skibrillen, vier Sturmhauben (als Windschutz), vier Stirnbänder oder Mützen (für das Mittagessen ohne Helm), drei Sonnenbrillen sowie zwei korrigierte Brillen, acht Skistöcke, acht Skis, acht Skischuhe, zwei Rückenpanzer für die Kinder (besser wären ja vier für die ganze Familie), acht Skisocken, vier Skianzüge, acht Skihandschuhe, ein «Gschtätli» für die Kleinste (falls es mit dem freien Fahren nicht klappt), eine unbekannte Anzahl Sportriegel, zwei Wasserflaschen, vier Saisonabos und ein Rucksack für unterwegs. Und das meiste davon gilt es mit den Kindern anzuziehen, beim Anstehen herumzutragen – oder einfach nicht zu verlieren (insbesondere die Skiabos).

Spätestens auf der Piste – und nach 20-minütigem Anstehen beim Gütsch-Express – kommen mir erneut Zweifel (noch lauter). «Warum tun wir das unseren Kindern an?» Der Spassfaktor der Kinder scheint zumindest zeitweise nicht gerade hoch zu sein. Falls Sie selber Kindern das Skifahren beizubringen versucht haben, wissen Sie, dass die kleinen Rennfahrerinnen und Rennfahrer dazu neigen, sich gnadenlos zu überschätzen. Himmelhochjauchzend (und völlig sorgenfrei) wird nach dem ersten gelungenen Schwung losgedüst, nur um nach dem ersten Sturz zu schwören, nie wieder Ski zu fahren. Und das kann den ganzen Tag so weitergehen. Eine nervlich für die Eltern zuweilen aufreibende Fahrt – vergleichbar mit der ersten Fahrt auf der «Bluefire» im Europapark.

Wieder zurück im Auto, in der Hand einen der mitgeführten Sportriegel und losgelöst von allen Skischuhen, Skihelmen und Skibrillen, erzählen die Kinder dann, wie sehr ihnen der Tag im Schnee gefallen hat. Sie überbieten sich in Beschreibungen ihrer heldenhaften Meisterung «dunkelschwarzer» Pisten und ihrer «echt krassen Jumps». Stürze und Unsicherheiten werden verschwiegen – oder zu Heldentaten glorifiziert.

Und dann, genau dann, weiss ich jeweils, warum ich mir als das Ganze antue: Weil es den Kleinen Spass macht. Und ganz ehrlich: Mir auch.

Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport