«Ürner Asichtä»
Die Rechnung mit dem Klima wird nicht aufgehen

Ruedi Bomatter aus Altdorf befasst sich in seiner Kolumne mit dem Phänomen der Weihnachten ohne Schnee und behauptet, dass unser Klimaschutz dem Klima ziemlich egal sei.

Ruedi Bomatter
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Ruedi Bomatter ist freischaffend in der Medienbranche tätig.

Ruedi Bomatter ist freischaffend in der Medienbranche tätig.

Bild: Markus Zwyssig
(Altdorf, 10. September 2019)

Endlich ist er da, der Winter. Ein ausgedehntes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa beschert uns kaltes, aber sonniges Wetter mit einer fantastischen Fernsicht. Doch noch vor zwei Wochen sah alles ganz anders aus. Als sich alle auf eine weisse Weihnacht freuten, brachte eine Südwestströmung warme und feuchte Luft in die Alpen und sorgte für Temperaturen im zweistelligen Bereich und für Regen bis über 2000 Meter über Meer. Ist das die viel diskutierte Klimaerwärmung oder bloss eine gelegentlich auftretende Wetterkapriole? Ein Blick in die Statistik zeigt, dass es sehr milde Weihnachten schon immer mal gab, und dass weisse Weihnachten im Flachland eher einer romantischen Vorstellung als der klimatischen Realität entsprechen.

In durchschnittlich knapp sieben von zehn Jahren erleben wir in der zweiten Dezemberhälfte eine mild-nasse Witterungsperiode. Diese Singularität wurde bereits vor über 80 Jahren definiert und wird in Fachkreisen als Weihnachtstauwetter bezeichnet. Nichtsdestotrotz stellen wir fest, dass sich das Klima verändert und die Temperaturen weltweit ansteigen. Doch der Klimawandel ist kein neues Phänomen. Er fand schon statt, als auf diesem Planeten noch keine Menschen lebten.

Da, wo Sie jetzt gerade diese Kolumne lesen, befand sich vor etwas mehr 10’000 Jahren noch ein mehrere hundert Meter mächtiger Gletscher, welcher von den Alpen her bis weit ins Mittelland hinaus reichte. Und dies war nur die letzte von mehreren aufeinanderfolgenden Eiszeiten. Wenn wir die Uhr noch weiter zurückdrehen, finden wir mehrere Phasen, wo in unseren Breitengraden tropischer Regenwald gedieh und die Temperaturen selbst im Winter nicht unter zehn Grad fielen. Das Klima hat sich in der Erdgeschichte immer wieder verändert und bei uns für tropische bis arktische Verhältnisse gesorgt, und das ohne Zutun des Menschen.

Ich will damit nicht sagen, dass unser Verhalten keinen Einfluss auf das Klima hat. Aber ich wage zu behaupten, dass diese Einwirkungen eher bescheiden sind. Alleine der Ausbruch eines grossen Vulkans, der Einschlag eines Meteoriten oder eine nur geringe Abweichung des Golfstroms hatten und haben auch künftig weit drastischere Auswirkungen auf unser Klima. So gesehen ist auch der Begriff Klimaschutz eher irreführend, denn das Klima als seit Urzeiten bestehendes dynamisches System lässt sich nicht schützen. Vielmehr geht es um den Schutz von uns Menschen und dessen, was wir in den letzten Jahrhunderten hier aufgebaut haben.

Das grosse Problem ist also nicht das sich stetig ändernde Klima, sondern der Mensch. Wir haben uns in den vergangenen Generationen ziemlich breit gemacht in der Hoffnung, dass sich nichts ändert – schon gar nicht das Klima. Heute wissen wir, dass diese Rechnung nicht aufgehen wird. Die zunehmende Erwärmung wird dramatische Auswirkungen auf unser Dasein haben. Ein Wegschmelzen des Permafrostes oder ein Anstieg des Meeresspiegels wird uns vor grosse Herausforderungen stellen. Dem Klima ist das ziemlich egal. Und mit dem viel diskutierten Klimaschutz können wir diese Entwicklung höchstens abbremsen, aber sicher nicht aufhalten. Dem Phänomen Klimawandel können wir nur begegnen, wenn wir entsprechende Strategien entwickeln und unser Leben an sich permanent ändernde Wetterbedingungen anpassen.

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