Kolumne

«Ürner Asichtä»: Zum Jahreswechsel in beide Richtungen schauen

Anwaltsassistentin Sarah Kempf nutzt die Gelegenheit zum Jahreswechsel, um nach vorne und zurück zu schauen. Wie es dazu gekommen ist, berichtet sie in ihrer Kolumne. 

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Sarah Kempf

Sarah Kempf

Bild: PD

«Wie die Zeit vergeht», das denke ich während des Jahres immer wieder. Je älter ich werde, desto öfters. Für mich ist es ein gutes Zeichen, wenn die Zeit rast. Ich bin dann in einen aktiven Alltag eingebunden, befinde mich in einem «Flow» und habe wenig Zeit zum Grübeln oder um unzufrieden zu sein. Über die Weihnachtstage versuche aber auch ich, alles ein bisschen gemütlicher zu nehmen und die Alltagshektik hinter mir zu lassen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Gespräch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen. Damals war er schon Mitte 50, ich halb so alt. Er erzählte mir, dass er sich immer aufs Jahresende freue, weil man wiederum ein Jahr weiser und reicher an Erfahrungen sei. Er nehme sich in diesen Tagen bei einem Glas Rotwein bewusst die Zeit, um das vergangene Jahr – wirklich nur das soeben zu Ende gegangene – zu reflektieren. Sowohl die schönen, als auch die weniger erfreulichen Geschehnisse. «Zeitverschwendung», dachte ich in jenem Moment. Denn ich schaute bloss in eine Richtung: Voraus! Ich fasste mir Vorsätze und Ziele, die ich im neuen Jahr umsetzen wollte. Nie dachte ich daran, zurückzublicken, wie mich das vergangene Jahr geprägt hatte.

Seit mein 40. Lebensjahr langsam am Horizont erscheint, schaue auch ich bewusst zurück. Ich versuche, besonders die positiven Erlebnisse nochmals hervorzuholen, denn solche Momente bereichern. Daneben erkenne ich, dass das Leben nicht immer einfache Aufgaben für uns bereithält. Herausforderungen, die uns im ersten Augenblick überhaupt nicht gefallen. Diese anzunehmen ist meistens schwierig. Glücklicherweise gelingt es uns oft, sie zu bewältigen. Jeder Mensch hat seine eigene Art dafür. Ich bin richtig stolz, dass meine Wurzeln «100 Prozent Uri» sind. Denn wir Urnerinnen und Urner sind Kämpfernaturen. Wir sind zielstrebig und mit enormem Durchhaltewillen beschenkt. Anpacken, auch das können wir. Diese Eigenschaften haben mich in meinem Leben schon so oft weitergebracht. Überall in dieser Welt.

In Sachen Geduld wurde ich in diesem Jahr speziell gefordert. Nicht nur ich, sondern auch mein Umfeld. Denn Ende Oktober kam ich wegen eines Sehnenrisses an der Schulter unters Messer. Mehrere Wochen nicht arbeiten, keinen Sport treiben, alles gemütlicher nehmen. Dass sich positive Tage mit weniger erfreulichen abwechselten, muss ich kaum näher ausführen. Trotzdem hat auch diese Situation mein Leben bereichert und ich bin daran gewachsen. Allerdings, von Gemütlichkeit habe ich momentan genug. Ich freue mich auf das Jahr 2020. Zwei Jahrzehnte nach Millennium. Wie die Zeit vergeht. Ich bin voller Energie und gespannt, was das neue Jahr für Herausforderungen bringen wird: unserer globalen Welt, unserer neutralen Schweiz, unserem naturstarken Uri und mir persönlich. Ein Schaltjahr mit 366 Tagen wird es sein, das ist jetzt schon gewiss.

Noch verbleiben vier Tage bis zum neuen Jahr. Machen Sie es doch wie ich, liebe Leserinnen und Leser, nehmen Sie sich etwas Zeit, um auf das Jahr 2019 zurückzublicken. Denn schon bald ist es vorbei und unsere Erinnerungen verblassen durch aktuelle Ereignisse. Sie wissen ja, wie die Zeit vergeht...

Sarah Kempf, Anwaltsassistentin