«ürner asichte»
Eine Urnerin am Zürcher Sechseläuten

Tourismus- und PR-Fachfrau Fränzi Stalder hat am Zürcher Sechseläuten den Kanton Uri vertreten. Dabei kam es zu spannenden Begegnungen mit Heimweh-Urnerinnen und -Urnern.

Fränzi Stalder
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Fränzi Stalder ist Tourismus- und PR-Fachfrau.

Fränzi Stalder ist Tourismus- und PR-Fachfrau.

Bild: PD

Seit ein paar Tagen habe ich einen neuen Wurm im Ohr: den Zürcher Sechseläutenmarsch. Das lange Warten hatte am vergangenen Wochenende ein Ende und wir durften uns auf das zünftige Frühlingsfest freuen, um unseren Kanton von seiner besten Seite zu zeigen. Auf dem Lindenhof in Zürich präsentierte sich Uri mit einer Ausstellung, an welcher ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen als Gästebetreuerin im Einsatz stand, einem bunten Unterhaltungsprogramm und kulinarischen Spezialitäten.

Nebst dem musikalischen Ohrwurm werden mir zahlreiche interessante Gespräche und spannende Begegnungen in bester Erinnerung bleiben. Zum Beispiel das Aufeinandertreffen mit einer Heimweh-Urnerin, wohnhaft in Zürich, mit Nachnamen «Stadler». Sie musste zweimal hinschauen und bei mir nachfragen, ob «Stalder» auf meinem Namensschild wirklich stimmt. Sie hat mir davon erzählt, wie schwierig es in Zürich sei, mit ihrem Namen. Sie heisse immer und überall «Stalder». Wir mussten beide schmunzeln, als ich ihr mitteilte, dass es mir in Uri genau gleich ergeht, einfach umgekehrt. Ich heisse immer «Stadler», definitiv weiter verbreitet im Urnerland als «Stalder» (was auf meine Entlebucher Wurzeln zurückführt). Uns beiden sind unrichtig angeschriebene Türklingeln, Briefpost mit Buchstabendreher und von Behörden eigenmächtig «falsch» ausgestellte Formulare nicht fremd.

Ein anderer Heimweh-Urner aus Rapperswil plauderte über eine Anekdote aus seinem Leben, welche vom alten Urner Landrecht und dem gültigen Erbrecht handelte. Er erzählte, wie es dazu kam, dass er heute ein Ferienhäuschen im Maderanertal besitzt, welches seinem Grossvater gehörte, als dieser vor Jahrzehnten als Geisshirte unterwegs war.

Und wer kennt sie nicht aus der Jugendzeit? Die Freundschaftsbänder. In einer Ecke knüpften Jung und Alt fast um die Wette. Geknotet wurde mit Garn in den Farben des jeweiligen Kantonswappens. Knoten für Knoten. Reihe für Reihe. Ich habe über die Ausdauer und Geduld nur so gestaunt. Die Moderne vermittelte das Game mit einer Virtual-Reality-Brille. Mit der Armbrust galt es den brennenden «Böögg» auf dem Scheiterhaufen gegen die angreifenden Schneemänner, welche das Feuer löschen wollten, zu verteidigen. Ich muss sagen, es gelang mir als Testerin der Technik am frühen Sonntagmorgen nicht schlecht (mein Highscore war am Ende des Tages unter den Top Ten).

Eine etwas grössere Herausforderung war den wohl eher zufällig vorbeikommenden Touristen in einer Fremdsprache zu erklären, wer oder was der «Böögg» überhaupt ist beziehungsweise um welche Tradition es sich beim Zürcher Sechseläuten handelt. Ich vermute, dass deren Fotos und Hashtags bei deren Freunden und Familie zu Hause ein wenig Stirnrunzeln verursacht haben könnten. Aber bestimmt gefallen ihnen die Videos mit dem Sechseläutenmarsch.

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