Die Reise nach Andermatt soll zum Erlebnis werden

Andermatt soll dank besserem ÖV-Anschluss noch attraktiver werden. Die Partner haben nun eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Urs Hanhart
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Sie haben die «Destinationsperspektive Göschenen-Andermatt» unterzeichnet: (von links) SBB-CEO Andreas Meyer, Investor Samih Sawiris, Regierungsrätin Heidi Z'graggen, Regierungsrat Urban Camenzind und MGB-CEO Fernando Lehner.

Sie haben die «Destinationsperspektive Göschenen-Andermatt» unterzeichnet: (von links) SBB-CEO Andreas Meyer, Investor Samih Sawiris, Regierungsrätin Heidi Z'graggen, Regierungsrat Urban Camenzind und MGB-CEO Fernando Lehner.

Bild. Urs Hanhart

Im kürzlich neue eröffneten Bergrestaurant Gütsch oberhalb von Andermatt tummelte sich gestern viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Tourismus. Sie alle waren allerdings nicht zum Vergnügen da. Es handelte sich um ein Gipfeltreffen der besonderen Art, ging es doch darum, einen symbolischen Akt zu vollziehen. Unterzeichnet wurde die «Destinationsperspektive Göschenen-Andermatt 2030». Deren Hauptziel besteht darin, die Ferienregion Andermatt dank besserem ÖV-Anschluss noch attraktiver zu machen.

Für den Kanton Uri unterzeichneten die beiden Regierungsräte Heidi Z’graggen und Urban Camenzind die Urkunde, für die SBB CEO Andeas Meyer und Daria Martinoni (Leiterin Region Ost), für die Andermatt Swiss Alps AG Samih Sawiris höchst persönlich, für die Andermatt-Sedrun-Sport AG CEO Rainer Flaig, für die Matterhorn-Gotthard-Bahn CEO Fernando Lehner, für die Andermatt-Urserental-Tourismus GmbH Direktor Thomas Christen sowie für die Gemeinden Andermatt und Göschenen die Gemeindepräsidenten Hans Regli und Felix Cavaletti.

Kräfte werden für gute Lösungen gebündelt

Andermatt sei zur modernen Ganzjahresdestination geworden, sagte Heidi Z’graggen. Aber: «Es gibt gewisse Engpässe beim öffentlichen Verkehr. Deshalb haben sich mehrere Partner zusammengetan, um die Grundlagen für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Ferienregion zu schaffen.» Im Zentrum stünden vor allem verkehrstechnische Fragen. Es gehe darum, die Kräfte zu bündeln, um gute Lösungen zu realisieren. «Vor allem möchten wir ein Leuchtturmprojekt sein für ressourcenschonenden Tourismus», so Z’graggen. Volkswirtschaftsdirektor Camenzind betonte: «Mit der heutigen Absichtserklärung bekennen sich alle Partner zu einer gemeinsamen Planung und Umsetzung von verkehrs- und tourismusrelevanten Entwicklungsmassnahmen in dieser Destination.» Sie würden der Verbesserung des Verkehrssystems und der Nachhaltigkeit der touristischen Entwicklung dienen. Aufgrund der steigenden Gästezahlen brauche es dringend Verbesserungen. Es gelte, das Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsträger zu optimieren.

Umsteigen soll einfach, sicher und bequem werden

Das Herzstück der Destinationsperspektive 2030 ist der Ausbau des Bahnhofs Göschenen zu einem Tourismus-Hub. So soll der Bahnhof künftig als Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr und für den motorisierten Individualverkehr dienen. Die Gäste sollen in Göschenen einfach, bequem, sicher und barrierefrei zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern umsteigen und in die Ferienregion Andermatt weiterreisen können. Geprüft wird der Bau einer neuen Seilbahn von Göschenen auf den Gütsch. Damit könnten vor allem Tagesgäste ohne lange Wartezeiten direkt in die Skiarena Andermatt-Sedrun gelangen. Die Realisierung der Seilbahn ist allerdings abhängig von technischen, raumplanerischen und finanziellen Entscheiden. Weitere Optionen zum Ausbau der Zubringer-Kapazitäten in die Ferienregion werden gemäss Camenzind ebenfalls geprüft. «Der Regierungsrat ist sich bewusst, dass die Ziele ambitioniert und auch auf der Kostenseite nicht unerheblich sind.» Der Landesstatthalter ist aber überzeugt, dass sie dennoch realistisch und notwendig sind. Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung sei ein entscheidender Grundstein für die Realisierung der Ziele gelegt. Im Hinblick auf das Investitionsvolumen konnte Camenzind noch keine konkreten Angaben machen. Es handle sich aber um einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag, verriet er.

Samih Sawiris ist erfreut, dass alle Player am gleich Strick ziehen. Es sei wichtig, zu einer effizienten Destination zu werden. Man könne mit dem Ausland nicht mit den Preisen, dafür aber mit besserer Qualität konkurrieren. «Wenn die Schweiz konkurrenzfähig bleiben will als Zielort für ausländische Touristen, dann darf sie nie etwas anbieten, das nicht das Beste ist», so Sawiris. «Dass alle auf das gleiche Ziel hinarbeiten, ist einmalig. Und das ist auch eine der grossen Stärken der Schweiz.»

An- und Abreise soll ein Erlebnis werden

SBB-Chef Andreas Meyer wies darauf hin, dass im Zusammenhang mit der Absichtserklärung ein Projektkredit von 160000 Franken bewilligt worden sei, wobei alle Partner dazu beigetragen hätten. Zudem sei auch eine Projektorganisation aus der Taufe gehoben worden, die innerhalb eines halben Jahres konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten werde.

Meyer betonte: «Die Zeit drängt. Klar ist, dass es ohne öffentlichen Verkehr nicht gehen wird.» Das fordere die SBB, sporne aber gleichzeitig auch an. «Unser Ziel ist, dass die An- und Abreise nicht mehr ein Engpass ist, sondern zu einem Erlebnis wird.» Vonseiten der SBB sind in nächster Zeit bereits Verbesserungen geplant.

Ab Dezember 2020 sollen standardmässig direkte Züge ab Luzern, Basel und Zürich nach Göschenen eingeführt werden. «Wir erhoffen uns dadurch nicht nur einen Impuls für die Destination Andermatt, sondern auch eine Belebung der Gotthard-Bergstrecke», erklärte Regionenleiterin Martinoni.