UMZUG ERSTFELDEN: Erstfelder Narren stehen unter Strom

Der Erstfelder Umzug lockte am Sonntag viel Publikum an. Unter den 28 Nummern waren viele lokale Sujets.

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Die gierige EWA-Spinne beisst sich im Stromnetz fest. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Die gierige EWA-Spinne beisst sich im Stromnetz fest. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Ganze 28 Sujets sind eine stolze Zahl für einen Fasnachtsumzug. Und eigentlich war es gestern in Erstfeld sogar noch eine Nummer mehr. Unfreiwillige 29 war ein Autolenker aus Portugal, der in seinem Kleinwagen kurz vor 14 Uhr dem Umzugstross entgegenfuhr und sich ob all der Leute am Strassenrand wunderte. Verwirrt blickte er aus seinem Wagen in die lachenden Gesichter der wartenden Menge am Strassenrand. Fast wäre Nummer 29 mit der Guggenmusik «Feengeischter» – die Nummer 1 des Umzugs – zusammengestossen, dann fand der Lenker aus Portugal endlich eine Lücke in der Menschenmenge und bog auf den Coop-Parkplatz ab.

«Dänk ad Kantonskassä!»
Zum Glück war der verwirrte Portugiese nur langsam unterwegs. Sonst hätte das neu geschaffene «Amt für Radarsünder» (Brüchä-Zunft) zugeschlagen. Unterwegs waren die Raser-Polizisten mit einem überdimensionalen «Blitz»-Kaste, und drauf stand: «Dänk ad Kantonskassä - fahr mit Rassä.» Und auch später kam die Urner Polizei nochmals zum Einsatz, als sie auf dem Umzugswagen der «Genijällä Ideällä» das Rütli vor Gummiboot-Nazis abschirmen musste. Polizei-Kräfte wären auch gefragt gewesen, als Golfbälle geflogen kamen und Sawiris und die vierzig Räuber einmarschierten (Samariter Erstfeld). Wie sich dann herausstellte, kamen sie allerdings in friedlicher Absicht und verteilten Schätze aus 1001 Nacht.

Dann, als unter dem Motto «Die rote Kirche von Wassen» der Karin-Gaiser-und-Isidor-Baumann-Express angerollt kam, dampfte und rauchte es in Erstfeld gewaltig. Angst musste man aber keine haben, gestaltet wurde der Wagen nämlich von der Feuerwehr Erstfeld.

Neben diesen kantonalen Themen waren erfreulich viele Sujets aus dem Dorfleben zu sehen. So etwa «Wohnen im Alter» (ESC-Senioren), der Energy-Trail (Gemeindewerke Erstfeld), die Neat-Quellensteuer (Schwingklub).

Dauerbrenner Alpbach
Gleich zwei Nummern waren dem Thema gewidmet, das die Erstfelder Gemüter im vergangenen Jahr heftig bewegte: dem Konflikt der beiden Elektrizitätswerke EWA und EWE um die Alpbach-Konzession. Für die «Kröntä-Oldies» stehen die Buchstaben EWA seither für «Einer Will Alles». Sie symbolisierten das konkurrenzierende EW Altdorf durch eine grosse, gierige Spinne. «Ds EWA wott alles frässä, das chennets aber grad vergässä», dichteten die Oldies dazu. Und auch die Krönten-Pfadi widmete ihren Wagen dem Alpbach und präsentierte ihre XXL-Steckdosen.

Die «Proletä» blickten über die Kantonsgrenzen hinaus und befassten sich mit den «(Ab-)Wahlen 2007». Neben einem Schlumpf liefen weisse und schwarze Schafe mit.

Begleitet wurde der Umzug von drei Katzenmusik-Formationen und acht Guggenmusiken. Und auch die kleinsten trugen ihren Teil zum Umzug bei, so etwa die Kindergärtler als Spongebob-Schwämme oder die kleinen Schneemänner aus dem Muki-Turnen.

Fazit: Erstfeld erlebte einen schönen, vielfältigen Umzug mit viel Bezug zum Regionalen. Das wird sich wohl bis nach Portugal herumgesprochen haben.

Philipp Arnold