UMZUG IN ALTDORF: Das Wetter hat positive Nebeneffekte

Petrus scheint zumindest ein halber Altdorfer Fasnächtler zu sein. Just mit dem Einsetzen der ersten Takte des «Chatzämüüsig»-Marsches erbarmt sich der Wettergott der Umzugsteilnehmer.

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Impression vom Umzug in Altdorf. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Impression vom Umzug in Altdorf. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Und wohl auch der vielen Zuschauer. Hat der wartenden Menge noch kurz vor dem Start ein eiskalter Wind um die Ohren gepfiffen und ihr die Regentropfen ins Gesicht gesprengt, wird es für einige Momente etwas trockener und somit erträglicher. Das sollte während der nächsten knapp 60 Minuten so bleiben, zumindest wettermässig. Offensichtlich traut der «Chatzämüüsig»-Dirigent aber Petrus? Launen nicht ganz. Es scheint, als möchte er seine Truppe möglichst schnell über die Strecke vom Poli via Dätwylerstrasse, Lehnplatz, Gitschenstrasse, Baumgartenstrasse, Bahnhofstrasse und Rathausplatz zum «Winkel» bringen. Auf jeden Fall gibt er den Takt für Altdorfer Verhältnisse relativ zügig an. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass der Marsch bedeutend präziser und schöner als auch schon tönt.

«Heidi, yes you can ... »
Mittendrin im Pulk der Trommelnden läuft Baudirektor Markus Züst. So ganz weg vom Regierungsratsalltag kommt er aber auch an diesem «Gidelmäändig» nicht. Direkt vor ihm bewegt sich das Konterfei seiner Ratskollegin Z'graggen über dem Rücken eines Musikanten im Marschtakt hin und her. «Heidi, yes you can ... »: So lautet die Aufschrift. Und was sollte sie können, die Justizdirektorin? Die Antwort wird der Fantasie der Zuschauer überlassen. Gemeindefusionen vorantreiben! Raumentwicklung unteres Reusstal umsetzen! Diese beiden Antworten dürften wohl kaum an erster Stelle genannt worden sein. Schliesslich ist Fasnacht und die Regierungsrätin ledig.

Urner gegen Somalia
Insgesamt 22 Nummern ziehen am Publikum vorbei, nehmen Internationales, Nationales und Kommunales auf die Schippe, bringen das Publikum mit Kakophonischem zum Tanzen und Klatschen. «Will d EU Angscht vor BSE, fir d Servela kei Hiltschä meh», wird etwa gemutmasst. Oder: «Fir d Seeschlacht dett for Afrika, derfets yyseri Tschugger ha», schlagen die Altdorfer Handballer vor, um die somalischen Piraten in die Flucht zu schlagen. Und natürlich fehlt auch die Finanzkrise nicht: «Der Banker dankt ganz zweifelsohni, dem Vater Staat für seine Boni», glaubt die Altdorfer Pfadi. Und für bald arbeitslose Banker hat der Schnupfklub Uri gleich auch einen Alternativjob: «Werde Wildheuer», rät er. «Verkrachti Zuckerboonä» spülen die Urner Abwassertarife mit viel Getöse und Klamauk durch ein überdimensionales WC ins Narrenland. «Statt in Gemeinderat zu bügeln, sie lieber rasch nach auswärts zügeln», kommentiert der RMV Altdorf das Geschehen in der Bananenrepublik Bauen – um mit «Bauer sucht Bauerin» gleich auch eine gelungene Affinität zu einem andern Thema zu schaffen, das die Schweizer (Fernseh-)Welt so sehr beschäftigt.

Chidi und die Sammler
Dass im Umzugsprogramm direkt hinter einer gelungenen Präsentation des mit Opfergeldern abgehauenen Pfarrers Chidi der Sammelwagen folgt, könnte fasnächtlich passender nicht sein. Auch wenn sich zu diesem Zeitpunkt bereits einige Zuschauer an die Wärme verzogen haben. Nicht nur des wieder einsetzenden Windes wegen, sondern wohl auch wegen der zum Teil etwas sehr langen Abstände zwischen den einzelnen Nummern.

Bruno Arnold

Das Video zum Umzug: