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Dem Schachklub Altdorf mangelt
es an Nachwuchs

Früh übt sich, wer andere schachmatt setzen will. Doch der Schachklub Altdorf hat mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Das Interesse am Denksport ist bei den Jungen gering, obwohl der Computer eine entscheidende Rolle spielt.
Philipp Zurfluh
Höchste Konzentration: Der 9-jährige Andrin aus Bürglen (rechts) versucht seinen Gegner in die Schranken zu weisen. (Bild: Philipp Zurfluh, Altdorf, 1. Oktober 2018)

Höchste Konzentration: Der 9-jährige Andrin aus Bürglen (rechts) versucht seinen Gegner in die Schranken zu weisen. (Bild: Philipp Zurfluh, Altdorf, 1. Oktober 2018)

Konzentrierte Stille herrscht im Mehrzweckgebäude Winkel in Altdorf. An den Tischen sitzen sich junge Schachspieler gegenüber. Abwechselnd ziehen sie Figuren. Die Mienen sind ernst. Auch Andrin aus Bürglen ist fokussiert. Seine Hirnzellen laufen auf Hochtouren. Er beugt sich über das Schachbrett, doch er zögert. Der nächste Zug soll gut überlegt sein. Jeder Fehler kann spielentscheidend sein.

Der 11-Jährige ist eines der wenigen Kinder, das das wöchentliche Angebot Jugendschach in Altdorf besucht – mit einem klaren Ziel: «Ich möchte viel Spass haben und gegen meine Grossmutter gewinnen», gibt Andrin unumwunden zu und lacht. Seine Eltern besiege er meistens. Was ist für ihn die grösste Herausforderung beim Spiel? «Man muss für eine lange Phase die Konzentration auf hohem Level halten und sich eine passende Strategie zurechtlegen, das gefällt mir.» Andrin frönt seit sechs Jahren dem strategischen Brettspiel. Langweilig wird ihm nie: «Man kann genauso viel lernen, wenn man verliert, wie wenn man gewinnt.»

Angebot wurde vor einem Jahr ins Leben gerufen

Schach ist das wohl populärste Brettspiel, aber auch äusserst komplex. Bereits nach dem vierten Spielzug können 72'084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Zahl der möglichen Spielverläufe ist noch einmal um ein Vielfaches grösser. Trotzdem kann man das Strategiespiel bis ins hohe Alter spielen – auch um den Geist fit zu halten. «Das Spiel eint Generationen», sagt Bernhard Epp. Er ist Präsident des Schachklubs Altdorf – dem einzigen Schachverein im Kanton Uri. Das Jugendschach wird seit einem Jahr angeboten. Einmal wöchentlich wird montags im Mehrzweckgebäude Winkel in Altdorf Schach geübt und gespielt. Das Angebot besuchen jeweils etwa fünf bis sieben Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren. «Uns fehlt der Nachwuchs, wir sind überaltert», sagt der 65-jährige Altdorfer. «Das ist schon seit vielen Jahren der Fall.»

«Brettspiele haben einen sozialen Charakter»

Bernhard Epp, Präsident Schachklub Altdorf

Der Schachverein versucht durch mehre Schachtreffs Kinder und Jugendliche für den Denksport zu begeistern, doch das Interesse hält sich in Grenzen. Für Bernhard Epp ist klar, dass sich das wegen des reichhaltigen Angebots an Freizeitaktivitäten nicht verhindern lässt.

«Jedes Spiel hat seine eigenen Facetten»

Eine entscheidende Rolle spielt hier auch der Computer. «Heutzutage gibt es unzählige digitale Schachprogramme. Man kann am PC gegen eine andere Person oder den Computer Schach spielen.» Der Präsident bedauert das, obwohl er auch schon am Computer zu Übungszwecken Schach gespielt hat. «Brettspiele haben einen sozialen Charakter. Sie ermöglichen ein geselliges Zusammensein mit anderen Menschen.» Epp spielt schon seit vielen Jahrzehnten Schach. Jede Partie reize ihn aufs Neue: «Jedes Spiel hat seine eigene Facette, unser Sport ist unendlich.» Für das Schachspiel reist der Altdorfer gar ins Ausland. Mit einem Spielkameraden nimmt er ab dem 15. Oktober an den Senioren-Schach-Weltmeisterschaften (50+) auf Kreta teil. Dort spielt er neun Partien in zehn Tagen. Bernhard Epp weiss um die Diskussion, ob Schach ein Sport sei oder nicht. Dass auch der Körper gefordert wird, steht für ihn ausser Frage, vor allem auf Profistufe. «In erster Linie ist es aber Training für den Geist.»

Reagieren auf neue Konstellationen

Schachspieler werden in der Öffentlichkeit oft als «verschlossene Eigenbrötler» wahrgenommen. Epp verneint nicht, dass dieses Bild teilweise zutrifft. «Es gibt Spieler, die leben in ihrer eigenen Welt und kommen aus dieser Blase nicht heraus.» Doch er relativiert sogleich: «Es ist ein Spiel für Jung und Alt, Mann und Frau.» Früher sei dem Schach der Ruf vorausgeeilt, dass nur elitäre und hochbegabte Kreise dafür geeignet wären, erklärt Epp. «Aber dem ist definitiv nicht so.» Entscheidend für den Erfolg im Spiel sei die gedankliche Flexibilität, das Antizipationsvermögen und die Fähigkeit, auf neue Konstellationen zu reagieren.

Der Präsident des Schachklubs Altdorf hofft, dass sich bald wieder mehr Kinder und Jugendliche für das Brettspiel begeistern lassen. «Jeder ist bei uns willkommen.» Das Angebot zum Schachspielen beim Urner Ferienpass soll einen Beitrag dazu leisten.

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